Ratenkredit Test

Aus 7 Prozent Zinsen für einen Ratenkredit können schnell 17 Prozent werden, wenn der Kunde nicht aufpasst. Ein Grund dafür sind teure Versicherungen, die Banken ihren Kunden andrehen.

Einen Kredit zum Zinssatz aus der Werbung zu bekommen, ist bei vielen Banken ungefähr so wahrscheinlich, wie beim Roulette auf die richtige Zahl zu setzen. Vorteil beim Roulette: Die Spieler verstehen die Regeln. Das Spiel der Banken ist dagegen undurchsichtig. Die Vergabe eines Kredits scheint oft allein von der Willkür der Mitarbeiter abzuhängen.

Finanztest hat untersucht, zu welchen Bedingungen 19 Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken Konsumentenkredite vergeben. Unsere Tester sind in drei unterschiedliche Filialen von jedem der 19 Kreditinstitute gegangen, um einen Kredit für ein Auto in Höhe von 10 000 Euro aufzunehmen.

Die drei Testkunden gaben immer an, den Kredit in 60 Monatsraten zurückzahlen zu wollen. Alle Tester waren gleichermaßen kreditwürdig. Dennoch haben ihnen die Mitarbeiter in den verschiedenen Filialen derselben Bank fast immer verschiedene Effektivzinssätze genannt.

Der Effektivzins ist der Zinssatz, an dem Verbraucher sich orientieren, wenn sie unterschiedliche Angebote vergleichen. In den Effektivzins sind anders als im Nominalzins Gebühren oder andere Kosten mit eingerechnet.

Die Kreditberater scheinen nach eigenem Gutdünken die Konditionen für einen Kunden festzulegen. Die Lockangebote, mit denen viele Banken großspurig ihre Kredite anpreisen, haben mit der Realität meist wenig zu tun.

Lediglich die BHW-Bank, die Postbank, die Frankfurter Sparkasse und die Hamburger Bank boten unseren Testern in allen Filialen den gleichen Effektivzins an.

Es kommt aber noch schlimmer – der Effektivzins, den die Kreditsachbearbeiter den Bankkunden nannten, sagt immer noch nichts darüber aus, was der Kredit wirklich kostet. Was unsere Tester zum Schluss für ihren Kredit zahlen sollten, lag oft noch sehr viel höher.

Zinssatz täuscht oft

Die Citibank zum Beispiel gab einer unserer Testkundinnen 15,2 Prozent als Effektivzins an. Tatsächlich wollte sie von ihr dann aber 24,4 Prozent Zinsen. Das sind 9,2 Prozentpunkte mehr.

Insgesamt zahlt die Kundin also 1 837 Euro mehr für ihren 10 000-Euro-Kredit, als im Effektivzins eingerechnet.

Bei der Frankfurter Volksbank lag der tatsächliche Zins einmal 8,8 Prozentpunkte höher, bei der Sparda Bank Hessen einmal 8,7 Prozentpunkte. Unsere Tabelle auf den nächsten Seiten zeigt an vielen weiteren Beispielen, wie stark der Effektivzins bei Ratenkrediten in die Irre führen kann.

Versicherung macht Kredit teuer

Bleibt die Frage: Woran liegt es? Wie kommt es, dass aus 15,2 Prozent 24,4 Prozent werden oder aus 7,6 Prozent 16,4?

Der Zinssprung liegt an der Absicherung, welche die Banken von ihren Kunden verlangen. Oft geben sie ihnen einen Kredit nur im Paket mit mehreren Versicherungen.

Die Institute lassen sich schon solch kleine Kredite durch diverse Risikoversicherungen gut absichern. Die Versicherer sollen die ausstehenden Kreditraten übernehmen, falls der Kreditnehmer stirbt oder arbeitslos wird. Die Kunden zahlen für diese Sicherheit und die Bank streicht die Provision der Versicherungsgesellschaft ein.

Die Kosten für die Versicherung schlagen die Banken einfach auf die Kreditsumme drauf und berechnen die Rate dann für die höhere Schuld, ohne den Effektivzinssatz neu zu ermitteln. Der Kunde merkt gar nicht, dass er für die reine Kreditsumme in Wirklichkeit viel mehr zahlt.

Um das zu verdeutlichen, haben wir für alle Angebote an unsere Modellkunden den tatsächlichen Zins errechnet, der sich ergibt, wenn man die Kosten der Versicherung einbezieht.

In unserer offiziellen Befragung erklärten alle Institute, dass der Kredit nur ab­gesichert wird, wenn der Kunde dies wünscht. Unsere Tester machten in den ­Filialen aber ganz andere Erfahrungen.

In fast zwei Dritteln der Fälle wurde ihnen suggeriert, dass sie den Kredit nur dann erhalten, wenn sie eine Versicherung abschließen. Nur bei der BHW-Bank, der GE Money Bank, der Postbank und der Hamburger Sparkasse war eine Absicherung grundsätzlich nicht erforderlich.

Als unsere Testkunden in diesen Banken fragten, ob irgendwelche Sicherheiten notwendig seien, rechneten aber auch dort einige Bankmitarbeiter die Versicherung bereitwillig in ihre Angebote mit ein.

Nötig ist der Zusatzschutz in der Regel nicht. Denn wer bereits eine Risiko­lebens- oder Kapitallebensversicherung abgeschlossen hat, ist ausreichend für den Todesfall abgesichert. Hier geht es schließlich um einen Kredit für ein Auto in Höhe von 10 000 Euro und nicht um einen fremdfinanzierten Hauskauf. Auch Kunden, die sonstige Sicherheiten haben, benötigen die Zusatzversicherung nicht.

Die Versicherungen über die Banken sind nicht nur unnötig, sondern auch ­teuer: Je nach Testperson und Versicherungsumfang wollen die Banken dafür zwischen 120 und 2 774 Euro. Für viele Kunden, die eine Kreditabsicherung wünschen, wäre es günstiger, eine Risikolebensversicherung direkt bei einer Versicherungsgesellschaft abzuschließen (siehe Tabelle „Risikolebensversicherung“).

Bei der Absicherung des Kredits begnügen sich viele Banken noch nicht einmal mit einer einfachen Restschuldversicherung, die einspringt, wenn der Kunde stirbt. Nur einem Viertel reicht das.

Viele andere wollen wesentlich mehr: eine Versicherung für den Todesfall erweitert um eine, die bei Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit einspringt. Manchmal auch alle drei und obendrauf noch einen Unfallschutz. Das ist teuer.

Für eine Kundengruppe kann aber zumindest eine einfache Restschuldversicherung über die Bank für den Todesfall von Vorteil sein. Wer raucht, stark übergewichtig oder krank ist und eine Absicherung des Kredits will, kommt bei den Banken unter Umständen doch günstiger weg als direkt bei den Versicherungsunternehmen. Denn die Gesellschaften verlangen von solchen Menschen oft hohe Risikozuschläge, die die Versicherungspolicen teuer machen. Die Banken verzichten dagegen auf eine Gesundheitsprüfung.

Schufaabfrage ohne Einwilligung

Sehr erstaunt waren wir, dass sieben Bankangestellte ohne Einwilligung des Kunden eine Schufaauskunft einholten. Das ist nicht erlaubt. Zweimal passierte das bei der CC-Bank und der Creditplus Bank und je einmal bei der ABC-Privatkundenbank, der Citibank und der Hamburger Bank.

Die Schufa, die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, speichert Daten von Kunden, die wichtig sein können, wenn Banken über einen Kredit entscheiden. Dazu gehört neben Wohnort und ­Alter des Kunden zum Beispiel, ob er Girokonten und Kreditkarten hat und ob er ­bereits einen Kredit nutzt.

Die Schutzgemeinschaft erfasst auch, ob er eine Bürgschaft abgegeben hat oder ob es in der Vergangenheit Probleme bei der Rückzahlung eines Kredits gab. Aus all den Daten erstellt die Institution einen Scorewert, der angibt, mit welcher Wahrscheinlichkeit der Kunde den Kredit nicht ­zurückzahlen wird.

Eine solche Abfrage dürfen die Kreditinstitute nur mit Erlaubnis ihrer Kunden machen. Dass sich sieben Angestellte darüber hinwegsetzen, ist völlig inakzeptabel. Auch wenn es nur um eine Kreditanfrage geht, brauchen die Banken die Einwilligung des Kunden für eine Schufa­abfrage,“ sagt Daniel Holzapfel vom Amt des Berliner Datenschutzbeauftragten.

„Es reicht bisher zwar eine mündliche Einwilligung. Aber die muss schon sein. Ansonsten verstoßen die Banken gegen das Bankgeheimnis,“ erklärt Holzapfel. Dann können sich Kunden an die Beschwerdestellen der Banken oder den Datenschutzbeauftragten des Bundeslandes wenden, in dem die Zentrale des Kreditinstituts seinen Sitz hat (siehe „Checkliste“).

Für Bankkunden kann eine Schufaabfrage schließlich unangenehme Folgen haben. Schon eine Kreditanfrage, die bei der Schutzgemeinschaft gemeldet wird, kann den Scorewert des Kunden für ein ganzes Jahr verschlechtern. Er muss also damit rechnen, dass es bei mehreren Kredit­anfragen immer schwieriger wird, gute ­Bedingungen zu bekommen oder überhaupt einen Kredit zu erhalten.

„Wir verhandeln derzeit mit den Bankenverbänden, weil wir der Meinung sind, dass eine mündliche Einwilligung nicht ausreicht. Viele sind sich über die Konsequenzen nicht im Klaren“, meint Daniel Holzapfel.

Skurrile Zinsrechnung der BBBank

Die einen Institute missachten das Bankgeheimnis, andere legen völlig unübliche Methoden bei der Zinsberechnung an den Tag. Den Vogel schoss die BBBank ab. Bei der Berechnung der Gesamtzinsen für die Laufzeit von fünf Jahren berücksichtigte sie noch nicht einmal die Tilgung.

Die Zinsen für ein Jahr wurden einfach mal fünf genommen, ohne die Reduzierung der Schuld über die 60 Monate einzubeziehen. 4 125 Euro Zinsen sollte unser Kunde nach Berechnung der Bank zahlen. Die ABC-Bank mit vergleichbarem Zinssatz wollte nur rund 2 340 Euro.

Bankkunden, die einen Kredit aufnehmen, sollten vorher ganz genau wissen, welche Bedingungen und Kosten für sie akzeptabel sind, bevor sie sich den oft ­undurchsichtigen Berechnungen der ­Kreditsachbearbeiter aussetzen. Oder sie brauchen einfach Glück im Spiel.

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