Die meisten Männer hier­zu­lande rasieren sich nass, mit Klinge und Schaum. Für un­seren Test schabten sich 204 Männer das Kinn. Die billigsten „guten“ Rasierschäume bieten Penny und Lidl an.

Rund 150 Tage seines Lebens verbringt ein Mann mit der Klinge am Kinn. Kein Wunder, dass mancher das Rasieren zum Kult erklärt und die tägliche Prozedur so genussreich wie möglich gestaltet. Zum Beispiel die Anhänger des Internetforums nassrasur.com, wo die heißen Tipps für den Umgang mit Klinge und Schaum getauscht werden. In diesen Kreisen sind Hilfsmittel wie Fertigschaum und -gel aus der Dose verpönt. Hier wird vor allem die sahnige Konsistenz von Rasierseifen und -cremes propagiert: Wahre Freaks schäumen sie mit dem Pinsel im Barbiertiegel auf.

Der Normalmann hingegen will es meist schnell und praktisch. Er steht auf Dosenschaum rund ums Kinn. Gele aus der Sprühdose bevorzugen vor allem die Jüngeren. Rasiercremes und besonders -seifen haben dagegen deutlich weniger Anhänger. Dabei ist man mit keinem von allen schlecht rasiert. Wir haben es getestet: Die 204 Männer, die sich für uns das Kinn schabten, hatten an den 18 untersuchten Produkten kaum etwas zu beanstanden: Im Endeffekt lautete das test-Qualitätsurteil für alle Mittel „gut“.

Geprüft haben wir zwölf häufig gekaufte Rasierschäume und vier Gele. Die verwandeln sich beim Kontakt mit Luft in Sekundenschnelle in Schaum. Zum Vergleich kamen eine Rasierseife und eine Rasiercreme dazu. Sie lassen sich am besten mit dem Pinsel aufschäumen. Unsere Tester rasierten sich eine Woche lang täglich mit den Mitteln. In einem detaillierten Fragebogen beurteilten sie die Anwendung, zum Beispiel Konsistenz, Auftragen und Verteilen, Gleitfähigkeit des Rasierers, Hautgefühl nach der Rasur und Verträglichkeit.

Gut verträglich

Für welches Rasiermittel man sich auch entscheidet: In der Hautverträglichkeit gab es keine Unterschiede zwischen den Produkten. Alle erwiesen sich als sehr gut verträglich. Wenn es im Einzelfall zu Rötungen, Jucken oder Spannungsgefühlen kam, verschwanden diese Irritationen bereits nach wenigen Minuten wieder.

Hauptsächlich basieren die Rasiermittel auf Gemischen aus weichen, schnell schaumbildenden Kalium- und harten Natriumseifen. Zum Schutz und zur Pflege der Haut werden sie mit Feuchthalte- und Gleitmitteln versetzt. Doch von ihren pflegenden Eigenschaften darf man sich nicht zu viel versprechen. Ihre wesentliche Aufgabe: Sie sollen das Barthaar optimal auf die Rasur vorbereiten, es weicher machen, damit die Klinge die Härchen mühelos, ohne zu ziepen, direkt an der Hautoberfläche kappen kann. Zusätzlich sollen sie die Gleitfähigkeit der Klinge verbessern.

Davon profitiert natürlich auch die Haut. Gilt die Nassrasur auch bei ihren Anhängern als besonders gründlich und schonend, eine Strapaze für die Haut ist sie immer. Wer täglich den Nachwuchs von gut 0,3 Millimeter Barthaar absäbelt, schabt dabei gleichzeitig auch jedes Mal die verhornten, obersten Hautschichten mit ab. Diesen Angriff auf den schützenden Hydro-Lipid-Mantel der Haut gilt es in Grenzen zu halten – Rasiermittel tun das Ihre dazu. Wer dann noch sorgfältig und behutsam mit der scharfen Klinge hantiert, hat das Bestmögliche getan, um seine Haut zu schonen (siehe auch Tipps).

Überhaupt gehen die meisten Hautreizungen nicht auf die Rasiermittel, sondern auf einen zu rabiaten oder ruckartigen Umgang mit der Klinge zurück. Sie ist es auch, die zu rund 90 Prozent die Gesamtqualität der Rasur bestimmt.

Übrigens: Hartgesottene brauchen nicht unbedingt ein Rasiermittel. Zur Not macht auch Kernseife die Barthaare weich – anders als übliche Haushaltsseife oder Haarshampoo. Hautschonende Eigenschaften sind dabei jedoch nicht zu erwarten.

Klebrig und zu steif

Auch wenn alle Produkte insgesamt „gut“ abschnitten, gab es doch kleine Unterschiede im Detail: Einige Tester kamen mit dem Rasierschaum von Speick oder der Rasierseife von Palmolive nicht immer gut zurecht. Den Schaum von Speick empfanden sie als zu steif und klebrig, was Probleme beim Auftragen und Verteilen nach sich zog.

Bei der Rasierseife von Palmolive reklamierten manche das umständliche Aufschäumen mithilfe des Rasierpinsels oder hatten Schwierigkeiten, einen cremigen Schaum herzustellen, der sich dann gut auf dem Gesicht verteilen ließ. Vor diesem Hintergrund lässt sich das vergleichsweise schwache „Gut“ für die Handhabung dieses Produkts erklären. Immerhin zwölf Testkonkurrenten überzeugten hier mit einer „sehr guten“ Note.

Positiv auch, dass einige Behälter sich fast hundertprozentig entleeren lassen. Allein beim Speick-Rasierschaum bleiben rund zehn Prozent unerreichbar in der Dose zurück.

Seife oder Creme für Sparsame

Trotz des durchgängig guten Gesamter­gebnisses werden Preis- und Umweltbewusste wenig Entscheidungsprobleme beim Kauf haben. Sie werden an Rasierseifen oder -cremes kaum vorbeikommen. Sie gelten als besonders ergiebig und enthalten kein für die Umwelt problematisches Treibgas wie die Sprühdosen (Butan, Propan, Isobutan).

Wer zum vergleichsweise teuren Gel tendiert, muss mit einem kleinen Makel leben: Entnimmt man Gel aus der Dose, läuft immer noch einiges aus der Tülle nach. Beim Rasierschaum tritt dieses Problem nicht auf.

Da scheiden sich die Geister

Empfindlicher Haut machen manchmal Konservierungsmittel, Parfüms oder Farbstoffe Probleme. In der Tabelle haben wir aufgeführt, welche Rasiermittel auf diese Substanzen verzichten. Parfümfreie Produkte waren jedenfalls nicht darunter. Doch gerade beim Geruch scheiden sich die Geister: Was für den einen Tester nach „alter Bibliothek“ oder „zu medizinisch“ roch, konnte vom nächsten durchaus als „angenehm“ empfunden werden. Hier hilft nur eins: Selber ausprobieren.

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