Erfolgs­rezept. Alle Mühen beim Säen, Pflegen und Wässern helfen wenig, wenn die Saat­mischung nicht stimmt.

Nur 20 von 41 untersuchten Samen­mischungen bieten beste Voraus­setzungen fürs Anlegen strapazier­fähiger Rasenflächen.

Frühling ist eine gute Zeit, um Rasen zu säen. Ob die Saat aufgeht, hängt von vielen Dingen ab, etwa der Auswahl des richtigen Samens, der Vorbereitung des Bodens oder der Bewässerungs­strategie. Wir haben 41 Samen­mischungen untersucht und beant­worten typische Fragen zur erfolg­reichen Aussaat.

Haupt­sache grün! Ist es nicht egal, welche Gras­samen ich im Garten ausstreue?

Nein. Wenn Sie Pech haben, erwischen Sie Produkte mit Sorten für land­wirt­schaftliche Zwecke. So zielen die Züchter bei „Futtergräsern“ darauf ab, dass die Halme möglichst schnell in die Höhe sprießen und viel Ertrag bringen. Wünschens­wert für den Hausrasen ist eher das Gegen­teil: Bei nied­rigwachsenden Gräsern ersparen Sie sich häufiges Mähen und unnötig viel Schnitt­gut. Außerdem sollte das Wachs­tum auch in die Breite gehen, damit sich eine robuste, tritt­feste Grasnarbe bildet.

Kann ich leicht erkennen, ob eine Verpackung unge­eignete Gras­samen enthält?

Orientierungs­los. Die Angabe von Sorten und Gewichts­anteilen auf der Packung hilft Laien nicht.

Nein. Was drin ist, muss der Anbieter zwar nennen, aber die Namen der Sorten helfen Hobby­gärtnern nicht weiter. Wir haben 41 Rasen­samen­mischungen einge­kauft und die Inhalts­angaben von einem Experten beur­teilen lassen. Ergebnis: Fast jedes dritte Produkt ist wenig geeignet (Tabelle Rasensaatgut). Zum Beispiel wirbt der Toom Sport- und Spielrasen mit „Spitzensorten“, deklariert im Klein­gedruckten aber einen 75-Prozent-Anteil von Futtergräsern.

Empfehlens­wert sind Produkte mit bewährten Rasensorten. Wir haben ermittelt, welche Verpackungen ausschließ­lich solche Sorten auflisten, die ihre Eignung für Hausgärten bereits bewiesen haben. Zudem prüften wir, ob sich speziell beworbene Produkte für schattige oder trockene Lagen sowie für die Nach­saat auf kahlen Rasen­stellen tatsäch­lich für diese Zwecke eignen. Unterm Strich bewerten wir nur 20 der 41 Produkte als geeignet.

Enthalten Rasensaat-Produkte für Hobby­gärtner immer erprobte Sorten?

Geeignet für Schatten. Das Läger-Rispen­gras (Poa supina) kommt mit wenig Sonne aus.

Nein. Unsere Analyse zeigt große Unterschiede: In vielen Packungen stecken auch ungeprüfte Sorten mit ungewissen Eigenschaften. Der „Gebrauchs­rasen“ von Hornbach enthält sogar gar keine Sorten, deren Qualität für Gebrauchs­rasen tatsäch­lich durch Studien belegt wurde. Unsere Urteil lautet daher: wenig geeignet.

Auf manchen Packungen steht „RSM-Qualität“. Was heißt das?

Die Forschungs­gesell­schaft Land­schafts­entwick­lung Land­schafts­bau (FLL) veröffent­licht regel­mäßig eine Über­sicht empfehlens­werter Samen­mischungen, unterschieden nach Nutzungs­arten wie Zier- oder Spielrasen. Diese „Regel-Saat­gut-Mischungen“ – abge­kürzt RSM – gelten bei Profis als wichtige Orientierungs­hilfe. Die FLL-Experten versprechen anhaltenden Begrünungs­erfolg: „Damit unterscheiden sich die RSM-Rasen von manchen im Handel befindlichen Rasen­mischungen mit klangvollen Namen, die oft zwar schnell, dafür aber nur kurz­fristig eine erfolg­reiche Rasen­ansaat vortäuschen.“

Welcher Samen­mix ist für einen Spielrasen wünschens­wert?

Die FLL-Experten empfehlen für Hausgärten und Spielwiesen eine Mischung aus drei Gras­arten: Deutsches Weidel­gras (Lolium perenne), Gewöhnlicher Rotschwingel (Festuca rubra) und Wiesen-Rispen­gras (Poa pratensis). Entscheidend ist aber nicht nur der Mix dieser Arten, sondern auch die Auswahl der jeweiligen Sorten, die möglichst belast­bar und nicht zu pflegebedürftig sein sollten. Die auf der Verpackung des Sport- und Spielrasens von Aldi Nord aufgedruckte Samen­rezeptur erfüllt die RSM-Anforderungen. Andere geeignete Produkte arbeiten mit davon etwas abweichenden Mischungen, aber auch sie bieten Voraus­setzungen für bespiel­baren Hausrasen.

Warum werden in den Packungen immer Samen­mischungen verkauft und nicht einzelne Sorten?

Mono­kulturen sind grund­sätzlich empfindlich, zum Beispiel gegen­über Pilzbefall. Mit einem Mix verschiedener Gras­arten und -sorten erhöht sich die Chance, dass einige davon sich unter den speziellen Bedingungen in Ihrem Garten besonders wohl­fühlen und dauer­haft gesund wachsen.

Ab wann soll ich meinen neuen Rasen am besten anlegen?

Damit die Saat zügig aufgeht, sollte die Boden­temperatur dauer­haft mindestens bei etwa 8 Grad liegen. Wenn sich der Winter schnell verabschiedet, kann das schon Ende April sein. Ideal ist oft der Wonnemonat Mai. Später im Jahr klappt es auch, aber empfindliche Spröss­linge könnten leicht unter sommerlicher Hitze leiden. Auch Früh­herbst ist ein guter Zeitraum.

Soll ich den Boden einige Zeit vor der Aussaat vorbereiten?

Gute Idee. Nutzen Sie die Zeit, um unerwünschte Kräuter zu zupfen. Ist die Pflanz­fläche fest­getreten, lockern Sie den Boden tiefgründig mit einer Grabegabel. Hat sich die Erde gesetzt, lassen sich Unebenheiten erkennen und ausgleichen. Verbessern Sie den Boden: Mischen Sie bei sandigem Unter­grund eine Schicht Kompost­erde unter. Umge­kehrt hilft es bei lehmigen, „bindigen“ Böden, eine mehrere Zenti­meter dicke Sand­schicht aufzutragen und einzuarbeiten. Die Abmagerungs­kur verhindert, dass Regen jungen Rasen in eine Matsch­fläche verwandelt, die beim Betreten stark leidet.

Wann soll ich düngen?

Am besten direkt vor der Aussaat, etwa mit Kompost. Da dieser oft zu wenig Stick­stoff enthält, ist zusätzlicher Rasendünger sinn­voll. Wählen Sie Lang­zeitdünger, der Wirk­stoffe erst dann zur Verfügung stellt, wenn sich die ersten Wurzeln entwickeln.

Soll ich die Gras­samen einharken?

Ja, aber nur flach. Zum Keimen benötigen die Samen kein Licht, sondern vor allem Wasser. Sind sie oberflächen­nah in die Erde einge­bettet, lassen sie sich recht einfach feucht halten und der Weg nach oben ist nicht weit. Vögel finden sie nur mühsam.

Wie oft muss gewässert werden?

Solange die Spröss­linge keine langen Wurzeln bilden konnten, sind sie auf häufiges Wässern angewiesen. Fällt kein Regen und knallt die Sonne, kann dies mehr­mals täglich sinn­voll sein. Bitte möglichst sanft und ohne Pfützen. Wird das Gras kräftiger, verlängern Sie die Gieß­intervalle schritt­weise, um die Pflanzen zu moti­vieren, tiefer zu wurzeln. Das spart später viel Wasser.

Wie lange ist Saat­gut halt­bar?

Bei trockener Lagerung meist mehrere Jahre. Bewahren Sie Reste auf, um nach­säen zu können. Ärgerlich: Auf den meisten Packungen fehlen Angaben zur Halt­barkeit.

Ist es ein schlechtes Zeichen, wenn die Saat erst lang­sam aufgeht?

Nein, gut Ding will Weile haben. Das Wachs­tum ist temperatur­abhängig und manche Gras­arten brauchen länger als andere. Also bitte Geduld, das Endergebnis zählt.

Tipp: Mehr Tests und Infos auf unserer Themenseite Rasenmäher, Rasenroboter und Vertikutierer.

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