Rasenroboter Test

Ab in die Schaukel. Dort hat der Gärtner den Roboter immer im Blick – und die Füße schnell in Sicherheit gebracht.

Ein stets gepflegter Rasen, ohne viel dafür zu tun. Mit einigen Robotern klappt das wirk­lich. Andere dagegen mähen schon mal die Rabatten des Nach­barn nieder.

Fast hatte man ein wenig Mitleid mit dem kleinen Ambrogio. Er schien einfach über­fordert mit seiner Aufgabe. Mindestens einmal am Tag büxte er zum Nach­barn aus, blieb dort stehen und drehte sich hilf­los auf der Stelle mähend im Kreis – so lange, bis ihn jemand zurück­holte. Doch Mitgefühl ist bei einem Roboter fehl am Platz. Der kleine Ambrogio hat ein tech­nisches Problem: Seine Elektronik erkennt die Grenzen der abge­steckten Rasenfläche nicht richtig. In freier Wildbahn kann das böse enden. Im schlimmsten Fall verliert der Nach­bars­junge eine Fingerkuppe.

„Eine absolut sichere Konstruktion ist nicht möglich“, hieß es bereits bei unserem ersten Rasenmähertest im Mai 1968 Historische Rasenmähertests. An der Einschät­zung hat sich im Grunde nichts geändert. Immer noch müssen bei einem Rasenmäher offene Messer rotieren, um das Gras zu kappen. Das birgt unweigerlich Gefahren.

Immerhin haben die Ingenieure das Verletzungs­risiko über die Jahr­zehnte deutlich reduziert. Rasenmäher sind heute viel sicherer als vor 50 Jahren. Im Unterschied zu herkömm­lichen Mähern aber können Roboter allein im Garten unterwegs sein. Da wünscht man sich doch einiges mehr an Sicherheit als bei einem Gerät, das der Gärtner stets an der Hand und so im Blick hat.

Nicht immer reibungs­los

Rasenroboter sind echte Auto­nome. Sie mähen so lange, bis ihr Akku zur Neige geht, fahren selbst­ständig zur Lade­station, tanken Strom und mähen weiter. Tag für Tag, Woche für Woche. Doch von den acht Mähern im Test ist keiner so sicher gebaut, dass man ihn ohne Aufsicht allein im Garten wissen möchte, wenn er den Spiel­trieb der Kinder weckt.

Einige der Auto­maten arbeiten zudem längst nicht so reibungs­los, wie es die Werbung suggeriert. Oft verheddern sie sich irgendwo, bleiben unver­mittelt stehen oder treiben sich in Ecken herum, in denen sie nichts zu suchen haben.

Nur zwei Roboter sind am Ende gut: Bosch und Honda. Am besten schneidet der Honda Miimo 300 ab. Allerdings ist er mit 2 550 Euro auch einer der teuersten im Test Testergebnisse.

Ein Grenz­kabel im Garten

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Gut versteckt. Das Begrenzungs­kabel wächst mit der Zeit im Rasen ein.

Damit ein Rasenroboter seiner Tätig­keit nachgehen kann, sind im Garten einige Vorbereitungen zu treffen. Die Lade­station muss installiert und ans Stromnetz ange­schlossen werden. Entlang der Rasenränder muss zudem ein Begrenzungs­kabel im Gras verlegt werden. Dieses erzeugt ein elektrisches Feld, anhand dessen der Roboter erkennen kann, bis wohin er mähen soll.

Honda verkauft seine Roboter nur samt Installation über den Fach­handel. Ein Techniker baut im Garten alles auf. Wer will, kann sich die anderen Roboter ebenfalls einrichten lassen, so wie es die Anbieter ausdrück­lich empfehlen. Je nach Aufwand kann das einige hundert Euro kosten. Man kann sie aber auch einfach unter den Arm klemmen und selbst ins Feld schi­cken.

Tipp: Planen Sie die Lage von Begrenzungs­kabel und Lade­station gut. Bei einfachen Rasenflächen ist das Verlegen unpro­blematisch. Aufwendiger ist es bei komplexen, verwinkelten Gärten mit vielen Engstellen, Beeten und Sträuchern. Hier ist die Hilfe und Beratung eines Fach­betriebs sinn­voll. Mitunter sind Rasenflächen auch unge­eignet für Mähroboter Entscheidungshilfe.

Am Anfang ist ein Loch

Wer sich für Al-Ko, Ambrogio, Bosch, Sabo oder Worx entscheidet, muss vor dem ersten Einsatz zur Bohr­maschine greifen. Der Netz­anschluss der Lade­station ist bei ihnen nur für Innenräume ausgelegt, muss also etwa in der Garage oder im Schuppen unterge­bracht sein. Daher ist es notwendig, ein Loch durch die Wand zu bohren, um das Kabel vom Trafo nach draußen zur Lade­station zu führen. Die Anschlüsse der anderen Modelle sind für den Außen­betrieb geeignet, was die Installation erleichtert.

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Einsam zieht der Roboter seine Bahnen.

Einsam zieht der Roboter seine Bahnen.

Sind Ränder, Beete und Pool mit dem Grenz­kabel markiert, orientiert sich der Roboter auf seiner Reise daran. Inner­halb des einge­grenzten Terrains bewegt er sich mit Hilfe von Sensoren (siehe Infografik). Begegnet er einem Hindernis, fährt er leicht dagegen, setzt kurz zurück und mäht in anderer Richtung weiter. Die meisten Modelle mähen nach dem Zufalls­prinzip. Das ergibt ein einheitliches Schnitt­bild. Der Bosch fährt stan­dard­mäßig in geordneten Bahnen, was als Streifen im Gras zu sehen ist. So oder so, je nach Größe der Fläche haben sie spätestens nach einigen Tagen den gesamten Rasen einmal komplett abge­grast.

Tipp: Umgeben Sie Rasenränder mit einigen Zenti­metern Steinplatten auf Höhe der Grasnarbe, da die Roboter einen Rand­streifen stehen lassen. Andernfalls müssen Sie mit einem Trimmer nach­schneiden.

Ein Traum in Grün

Wenn alles klappt, lassen Rasenroboter den Traum eines jeden Greenkee­pers in Erfüllung gehen. Sie mähen so leise, dass sie Tag und Nacht arbeiten können, ohne jemanden zu stören. Sie brauchen wenig Strom. Die Messer sind so scharf, dass sie die Halme förmlich rasieren und nicht so zerrupfen, wie es viele herkömm­liche Mäher tun, Test: Rasenmäher, test 4/2014. Zudem hat man keine Mühe mit dem Wegräumen von Schnitt­gut. Im Gegen­teil: Die kurzen Gras­schnipsel dienen zugleich als natürlicher Dünger. Perfektes Grün, ohne einen Finger krumm zu machen.

Das Blumen­beet abge­mäht

Oft bleibt das allerdings ein Traum. Besonders beim Ambrogio, Modell L75 Deluxe. Nicht nur, dass er ständig bei den Nach­barn landete, auch auf dem eigenen Rasen hielt er sich nicht wirk­lich an die Regeln. Das einge­grenzte Blumen­beet mähte er komplett ab. Außerdem vergaß er immer wieder, recht­zeitig zur Lade­station zurück­zukehren. Mit leerem Akku blieb er mitten auf dem Rasen stehen und musste zur Station getragen werden. Fiel ihm doch mal recht­zeitig ein, sich selbst aufzutanken, fand er die Lade­kontakte oft nicht. Kurzum: Der Ambrogio braucht eine Rund-um-die Uhr-Betreuung.

Fast in den Bach gefallen

Auch der Worx benötigt eine intensive Zuwendung. Oft hing er hinter Hinder­nissen fest und wartete darauf, dass ihn jemand befreite. Gegen Ende des Praxis­tests ging er zudem mehr noch als der Ambrogio gern mal auf Wanderschaft. Bei einem der Ausflüge hielt ihn nur der Zaun um das Testgelände davon ab, in einen Bach zu fahren.

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Zu oft rangiert. Der Gardena verletzte die Grasnarbe vor seiner Lade­station.

Al-Ko und Gardena mähten nicht ganz so destruktiv, doch gut waren sie auch nicht. Der Gardena hatte massive Kontakt­probleme an der Lade­station, so dass sie den Akku oft nicht laden konnte. Vielleicht rangierte er deshalb vor der Station immer wieder verwirrt hin und her. Das Gras an der Stelle war zumindest bald bis auf die Wurzeln runter. Der Al-Ko hingegen traute sich in manche Ecken so selten hinein, dass der Rasen dort komplett verwilderte. Enge Passagen mähte er schlecht. Beide hatten zudem nach wenigen Wochen ihren Rückweg zur Lade­station mit häss­lichen Radspuren im Gras markiert.

Dass es besser geht, zeigten Bosch, Honda, Husqvarna und Sabo. Die vier haben den Prüfrasen in den drei Monaten, die sie für uns unterwegs waren, gut und nahezu störungs­frei gepflegt. Allen voran der Husqvarna: Er ließ den Traum vom perfekten Grün ohne viel Arbeit Wirk­lich­keit werden. Dass es am Ende nur für Bosch und Honda ein gutes Gesamt­urteil gab, lag an der Sicher­heits­bewertung.

Rasenroboter sind kein Spielzeug

Wir haben für jeden Roboter eine Sicher­heits­analyse erstellt. Die entscheidende Frage: Wie groß ist das Risiko, sich an den Geräten zu verletzen – sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. Ergebnis: Es bleibt immer ein Rest­risiko. Alle Anbieter weisen darauf hin, dass beim Mähen keine Personen, insbesondere keine Kinder, in der Nähe sein dürfen – zumindest nicht unbe­aufsichtigt. Greift ein Kind beim Spiel unter die Maschine, sind die Fingerkuppen in Gefahr. Das Risiko ist aber nicht bei allen Robotern gleich groß.

Am Bein hoch­gefahren

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Einfach einge­stellt. Ein Ziffern­feld erleichtert das Installieren der Roboter.

Bei Honda, Bosch und Gardena ist das Verletzungs­risiko am geringsten, weil hier die Messer am besten durch das Gehäuse abge­schirmt sind. Bei Sabo und Ambrogio dagegen kamen die Prüfer leichter ran. Der Ambrogio reagiert zudem so spät auf Hinder­nisse, dass er sogar ein Stück am Bein eines Kindes hoch­fahren und den Fuß verletzen könnte. Bei Al-Ko und Worx reagiert der Hebesensor nicht in jeder Situation. Eigentlich müssen die Geräte beim Anheben sofort still stehen. An der falschen Stelle angefasst, laufen beide aber weiter. Der Husqvarna stoppt zwar. Bei dem Gerät, das drei Monate gemäht hatte, drehten die Messer aber zu lange nach.

Einige Roboter bieten umfang­reiche Programmier­möglich­keiten. So kann der Gärtner zum Beispiel bei allen Geräten außer Bosch und Worx verschiedene Start­punkte einstellen, mit denen sich der Mäher in schwer zugäng­liche Ecken lotsen lässt. Das ist für komplexe Gärten vorteilhaft. Mähzeiten lassen sich bei allen fest­legen.

Alle paar Jahre ein neuer Akku

Außer einer wöchentlichen Reinigung bedürfen die Roboter kaum einer Wartung. Alle paar Monate sollte man die Messer wechseln. Das geht meist leicht, Ersatz­klingen kosten nur wenige Euro. Teurer kommt da schon ein neuer Akku, der nach einigen Jahren fällig werden kann. Der kostet zwischen 70 und 415 Euro ohne Einbau.

Viele Händler bieten für um die 100 Euro im Jahr einen Wartungs­service für Mähroboter an. Bei Problemen hilft ein Techniker, der auch Updates für die Software aufspielen kann. So lässt sich bei einigen Robotern sicher das ein oder andere Detail im laufenden Betrieb verbessern.

Für manche Geräte wünscht man sich doch lieber eine General­über­holung. Ob man das bei Ambrogio genauso sieht? Jedenfalls teilte der Anbieter mit, das Modell L75 Deluxe nicht mehr zu produzieren.

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