Rasenmäher Test

Wer seinen Rasen liebt, der mäht – und schwitzt dabei. Den saubersten Schnitt im Test hat ein Handrasenmäher.

Kaum ein Streit wird so erbittert geführt wie der unter Nachbarn. Sogar im idyllischen Sylt. Reinhard Mey, sonst eher für sanften Sound bekannt, trat im vergangenen Sommer mit schrillen Tönen an die Öffentlichkeit: „Gartennazis“ trieben um sein Ferienhaus in Kampen herum ihr Unwesen, klagte er in einem offenen Brief. „Mit schwerem Gerät und unter Höllenlärm-Entwicklung“ seien sie tagein, tagaus damit beschäftigt, „auf handtuchgroßen Grundstücken kleinen, unschuldigen Grashalmen den Garaus zu machen.“ Die Rasen mähende Republik war ins Mark getroffen, Bild berichtete, Meys Haus wurde tagelang von Fotografen belagert. Die Urlaubsruhe war endgültig futsch.

Zeit für Abrüstung

Mittlerweile ist Gras über die Sache gewachsen. Der Frühling schreitet voran, die Halme recken sich wieder. Deutschland rüstet sich für die nächste Runde im Kampf um den gepflegtesten Garten. Keine schlechte Idee, beim Rasenmäherkauf diesmal auch an die lieben Nachbarn zu denken. Schließlich sind PS-starke Motorrasenmäher nicht nur teuer und luftverpestend, sondern oft auch einfach eine Nummer zu groß. „Manchmal sehe ich Eigenheimbesitzer, die mit ihrem Aufsitzrasenmäher in ihrem Garten kaum wenden können“, berichtet unser Testleiter. „Da wäre weniger mehr gewesen.“ Tatsächlich reichen Elektromäher oft aus, und bei kleinen Gärten tut es auch ein Handmäher. „Handmäher sind handlich und brauchen wenig Platz. Zudem haben sie kein Kabel, das stört“, sagt der Testleiter. „Wichtig ist allerdings, dass das Gras nicht zu hoch steht, denn dann blockiert der Mäher eher. Wer kein Herkules ist, sollte zudem ein Modell mit kleiner Schnittbreite wählen – dann ist der Kraftaufwand nicht so hoch.“

Neben 4 Handmähern haben wir 15 Elektromäher getestet, mit Schnittbreiten von 28 bis 38 Zentimetern allesamt für kleine Gärten und Geldbeutel bestimmt. Bei Preisen von teils weniger als 100 Euro für einen ausgewachsenen Elektrorasenmäher sind Höchstleistungen von vornherein ausgeschlossen. Im Gegenteil: Bei den Geräten wurde noch am letzten Schräubchen gespart, das sieht man ihnen auch an. Deshalb erstaunen weniger die fünf „Mangelhaft“, die wir vergeben mussten, als die beiden „Gut“, die es auch gab (Brill Basic 32 ED und Kynast Avant).

Durchschlag im Panzerraum

Alle Mäher mussten das gleiche harte Prüfprogramm durchstehen wie die zum Teil viel teureren Geräte der Vortests. Da mussten die Mäher auf den Rüttelrost, wo die Räder 100 Stunden lang immer wieder über eine Holperstrecke hoppelten – der Gartenweg lässt grüßen. Ergebnis: leichter Verschleiß bei einigen Mähern, Gehäusebruch beim Solo 586. Danach ging es in den Panzerraum, wo von unten Stahlkugeln vom Kaliber 13 Millimeter in das rotierende Messer geschleudert wurden. Mit gleicher Wucht können auch im Rasen verborgene Steine von innen gegen das Gehäuse prallen. Bei zwei Mähern schlugen sie es durch (Al-Ko Comfort 32 E und Hagebau Al-Ko Topgarden 3202 E). Das ist gefährlich, Abwertung. Da wurde vermutlich an Kunststoff und Qualitätskontrolle gespart.

Schwach auf der Brust

Dann auf den Rasen, zur praktischen Prüfung: Die Grasfläche vom Aufbau ähnlich einem Sportrasen, mit automatischer Bewässerung, von genormter Höhe und Dichte. Dreimal mit jedem Mäher hundert Quadratmeter gemäht bei trockenem Rasen, 8 Zentimeter hoch, dreimal bei feuchtem Rasen. Anschließend dreimal Urlaubsrasen gemäht, 14 Zentimeter hoch. Jeweils die Zeit gestoppt und die Mähleistung berechnet. Da zeigte sich schnell, wer schwach auf der Brust ist. Zum Beispiel der Bosch ALM 28, der ohne Räder elegant auf einem Luftkissen über den Rasen schwebt, mit seinem Fliehkraftmesser (ein kurzes Stückchen Plastik) aber gerade einmal Bahnen von einer Handbreite mähen kann. Bei der Schnittleistung fielen naturgemäß auch die Handmäher hinter ihre elektrischen Brüder zurück: Bei trockenem Rasen ist die Schnittleistung „befriedigend“ und bei feuchtem Rasen „ausreichend“. Bei hohem Rasen machen Handmäher und ihr menschlicher Antrieb sogar noch schneller schlapp – wer per Hand mäht, muss sich regelmäßig um den Rasen kümmern. Dafür ist die Schnittgüte bei allen Handmähern mindestens „gut“, der Stiga Freeclip brachte es sogar als einziger Mäher im Test auf ein „Sehr gut“. Sauberer Schnitt, keine Fransen am Grashalm, die vertrocknen und am nächsten Tag dem Rasen einen gelben Schimmer geben können. Auch die meisten Elektromäher konnten in diesem Punkt „gut“ mithalten, lediglich die beiden Luftkissenmäher schnitten deutlich unsauberer. Weil sie außerdem den meisten Lärm machen, kann man den Kauf der Luftkissenmäher nicht empfehlen. Viel leiser sind einige normale Elektromäher wie der Brill Basic 32 ED. Mit 84 Dezibel ist er in puncto Geräusch noch „gut“ und macht weniger Krach als mancher Handmäher. Allerdings: Die Ohren der Nachbarn schont besonders der Handmäher Bosch AHM 30. Mit 82 Dezibel ist er der leiseste Mäher im Test.

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