Rapsöl ist der Shooting Star in der Ernährung. Es ist – das zeigt auch unsere Untersuchung – ganz einfach optimal gesund. Doch in puncto Geschmack könnten einige Öle noch zulegen.

Rapsöl macht Karriere und dem Olivenöl Konkurrenz. Kein Wunder: Für eine ausgewogene Fettlebe ist das goldgelbe Öl optimal, sein Fettsäuremuster mustergültig und für unseren Körper womöglich noch günstiger als das seines mediterranen Nebenbuhlers. Die Merkmale: ein hoher Gehalt an Ölsäure, ein moderater Gehalt an Linolsäure und wenig gesättigte Fettsäuren. Der besondere Clou des Rapsöls, bei dem das Olivenöl passen muss: ein relativ hoher Anteil an Alpha-Linolensäure, einer für Herz und Kreislauf günstigen Omega-3-Fettsäure. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Rapsöl ebenso wie verwandte Institutionen in der Schweiz und in Österreich. Und auch in den USA hat inzwischen ein „Run auf Raps“ begonnen.

Bislang tauchte Rapsöl in unseren Supermärkten eher inkognito auf, versteckt in „Speise-“ oder „Pflanzenöl“. Jetzt ist es – sortenrein und deklariert – überall zu finden, auch schon bei Discountern. Wir haben 15 Rapsöle untersucht: neun als nativ und/oder kaltgepresst gekennzeichnete und fünf Öle, die, wie die Untersuchung zeigt, raffiniert beziehungsweise dampfgewaschen sind. Eine Besonderheit war mit Zitronenöl aromatisiert. Zusätzlich prüften wir ein Aldi-Aktionsangebot vom Juli. Das Ergebnis ist weitgehend erfreulich. Für ihre ernährungsphysiologische Qualität konnten wir allen Ölen ein „Gut“ attestieren – bis auf das „befriedigende“ Rapso. Das Fettsäurespektrum war in allen Ölen typisch für Rapssamen (Rapssaat). Die Gehalte an der einfach ungesättigten Ölsäure lagen im Mittel bei 62 Prozent, die an Linolsäure bei 19 und die an Alpha-Linolensäure bei knapp 9 Prozent.

Schutzfaktor Vitamin E

Rapsöl Test

Rapsöl ist Vitamin-E-reich. Wir maßen einen recht hohen Anteil von durchschnittlich fast 36 Milligramm pro 100 Gramm Rapsöl. Vitamin E ist ein wichtiges Antioxidans. Es schützt die Öle vor der Oxidation, dem Verderb durch Sauerstoff. Im Körper bekämpft es schädliche, krebsauslösende freie Radikale.

Gemessen haben wir auch sekundäre Pflanzenstoffe wie die gesundheitlich wichtigen Karotinoide, speziell das für Rapsöl typische Lutein. Lutein steckt sonst vor allem in grünen Blattgemüsen wie Spinat und Grünkohl. Es wirkt ebenfalls antioxidativ, als Radikalfänger. Den höchsten Gehalt fanden wir im Brassola Öl. Die nicht nativen Öle konnten da nicht mithalten. Bedingt durch die Dampfwäsche oder Raffination entdeckten wir, wie zu erwarten war, in diesen Ölen nur noch Spuren.

Geschmack: Nicht nur vom Feinsten

Rapsöl Test

Natives Rapsöl hat eine intensiv gelbe Farbe, die einen leichten Rot- oder Grünstich haben kann. Geruch und Geschmack sollten aromatisch, fruchtig-saatig bis nussig und insgesamt eher mild sein. Nicht alle nativen Öle im Test werden diesem Ideal gerecht. Fünf Öle haben Fehler in Geruch und Geschmack: „etwas säuerlich, wie Silage“, „brandig“, „etwas ranzig“ lautete die Kritik für die mit „befriedigend“ bewerteten Öle. Das Öl der Ölmühle Solling roch sogar deutlich säuerlich, wie Silage und bekam nur ein „Ausreichend“. Mehr überzeugen konnten die nativen Öle FleurReal, Teutoburger Kernöl Organic und Teutoburger Brassola. Sie bekamen ein „Gut“ – ebenso das aromatisierte Fauser Vitaquell. Den Volltreffer landete aber das Fauser Vitaquell Bio Rapskernöl. Als einziges natives Öl erhielt es in der sensorischen Prüfung ein „Sehr gut“.

Die nicht nativen Rapsöle schmecken neutral und sind viel blasser in der Färbung als die nativen Öle. Sie wurden unseren Sensorikexperten separat serviert und gesondert beurteilt. Vier Öle sind fehlerfrei und wurden mit „sehr gut“ bewertet. Das Eureal bekam ein „Ausreichend“. Es entwickelt beim Erhitzen auf 40 Grad einen fischig-tranigen Geruch und Geschmack.

Geschält oder ungeschält

Zehn Rapsöle im Test sind aus nicht geschälter Rapssaat hergestellt. Gegen das Schälen spricht, so die Hersteller dieser Öle, dass wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe verloren gehen. Aus geschälter Saat stammen fünf der sechs „guten“ nativen Öle: Rapunzel, demeter, die als Rapskernöle bezeichneten Produkte von Fauser und die beiden Öle der Teutoburger Ölmühle. Das Pro-Argument dieser Hersteller: Das Schälen mindert mögliche Schadstoffe. Wir konnten aus der che-mischen Analyse weder Vor- noch Nachteile herauslesen. In puncto Schadstoffe schneiden alle Öle mit „sehr gut“ ab.

Vorsicht bei Hitze

Wie verhalten sich Rapsöle beim Erhitzen in der Küche? Wir haben die Hitzestabilität untersucht und die Öle nach zweistündiger Erwärmung auf 170 Grad Celsius (Frittiertemperatur) auf unerwünschte chemische Veränderungen hin geprüft. Es ergab sich ein sehr unterschiedliches Bild. Vier Öle schnitten „sehr gut“ ab: zwei native (Rapunzel, Raiffeisen) und zwei nicht native (Rinatura, Brändle). Vier Öle waren nur „ausreichend“: die beiden raffinierten Kunella und Eureal, das dampfgewaschene Rapso und das native Rapsöl der Ölmühle Solling. Der Rest war „gut“ bis „befriedigend“. Entgegen einer verbreiteten Ansicht zeigt sich hier, dass raffinierte Öle nicht immer hitzestabiler sind als native. Oder umgekehrt: Auch mit nativen Ölen darf gedünstet und gekocht werden. Doch selbst wenn sich ein Öl in dieser Prüfung als hitzestabil erweist, ist es nicht unbedingt zum Frittieren geeignet. Beim Rapsöl gibt es ein grundsätzliches Problem. Die für den Körper so günstige Alpha-Linolensäure zeigt bei hohen Temperaturen ihre Schwächen. Sie kann schnell oxidieren, das Öl „verharzt“ und verdirbt, es können sich gesundheitlich bedenkliche Fettsäuren bilden. Deshalb darf beispielsweise in Frankreich mit Ölen, die mehr als zwei Prozent Linolensäure enthalten, nicht frittiert werden.

Wir haben uns – wie schon beim Test von Frittierfetten und -ölen im Februar dieses Jahres – der wissenschaftlich nicht widerlegten französischen Position angeschlossen: Mit Rapsöl sollten Sie aus gesundheitlichen Gründen nicht frittieren. Außerdem kann sich beim Erhitzen leicht ein unangenehm fischig-traniges Aroma entwickeln. Das bedeutet, beim Hocherhitzen kann Olivenöl punkten.

Wirrwarr bei der Deklaration

Nicht native Öle sollten besser gekennzeichnet sein: Ob ein Rapsöl raffiniert oder nur dampfgewaschen (teilraffiniert) wurde, ist auf den Etiketten beispielsweise nicht vermerkt. Dagegen sind native Öle oft überreichlich ausgelobt: Die möglichen Unterschiede zwischen „schonender Kaltpressung“, „erster Pressung“, „ohne zusätzliche Wärmezufuhr“ werden dem Verbraucher nicht klar. Beim nativen Olivenöl hingegen ist die Kennzeichnung EU-weit gesetzlich geregelt und besser verständlich. Regelrecht falsch ist das aromatisierte Fauser Öl gekennzeichnet. Wir entlarvten es als raffiniert. Deklaration: „mangelhaft“.

Einen Hinweis auf die Verwendung gentechnisch veränderter Rapssaat fanden wir auf keinem Etikett. Das ist nicht verwunderlich: Die Hersteller verwenden nur europäischen Raps, oft sogar aus regionalem Anbau. Und hierzulande darf Raps bislang nur für Versuchszwecke genetisch verändert sein.

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