Rapsöl Test

Es ist das gesündeste Speiseöl, da sind sich die Experten einig. Der Test aber zeigt: Für den Gaumen ist Rapsöl manchmal eine Zumutung. 9 von 26 sind „mangelhaft“.

Rapsöl ist ein Emporkömmling. Sein Aufstieg vom Brenn- und Schmierstoff zum gesunden Speiseöl begann erst 1974. Dank neuer Züchtungen konnte damals die Erukasäure minimiert werden, die als herzschädigend galt. Rapsöl wurde allmählich tafeltauglich. Raffiniert und damit neutral schmeckend, fristete es zunächst anonym als Pflanzenöl ein Schattendasein. Die medizinische Forschung rückte es Ende der 80er Jahre erstmals ins Rampenlicht.

Seither gilt Rapsöl bei Ernährungsex­perten als Volksmedizin. Designer von Spei­seölen hätten kein gesünderes kreieren können: Beim Rapsöl sind die Fettsäuren so ideal verteilt wie bei keinem anderen Speiseöl. Es soll Herz-Kreislauf-Problemen vorbeugen, Hirnleistung und Stimmung verbessern. Rapsöl wertet auch Babybeikost auf. Nach Sonnenblumen- und Olivenöl zählt es heute zu den meistverkauften Speiseölen.

Im Kommen sind native Öle. Dafür wird die Saat ohne Wärmezufuhr gepresst. Sehr gute native Rapsöle schmecken intensiv saatig-nussig, allenfalls nur sehr leicht holzig-strohig und adstringierend (im Mund zusammenziehend). Doch allein acht native Rapsöle im Test sind wegen starker sensorischer Fehler „mangelhaft“. Sie schmeckten zum Beispiel ranzig, stichig, modrig oder verbrannt. Sie dürften so nicht verkauft werden. Auch sehr gute native Rapsöle sind vom Geschmack her nicht jedermanns Sache. Da ist der Griff zum wärmebehandelten raffinierten Öl zu empfehlen, dass beim Ernährungswert mithält.

Auf die Saat kommt es an

Rapsöl Test

Bei der Herstellung von Rapsölen kann viel schiefgehen. Schon kleine Verunreinigungen der Saat durch andere Pflanzen, Rapsstängel oder Erde können die geschmackliche Qualität des Öls beeinträchtigen. Die größten Aromaschäden nehmen die Rapssamen oft im Lager: Zu viel Wärme ist von Nachteil. Zu viel Trockenheit macht die Samen spröde und brüchig, ihr Öl tritt aus und wird ranzig. Zu viel Feuchtigkeit kann die Saat über Nacht ruinieren. Das Öl daraus schmeckt stichig-modrig. Rapsöl kann auch durch zu hohe Presstemperaturen oder zu langen Kontakt mit Trubstoffen vor dem Filtern verderben.

Solche Aromafehler lassen sich bei na­tivem Rapsöl nicht mehr ausmerzen, Korrekturmöglichkeiten gibt es nur bei raffi­niertem (siehe „Die Rapsöle im Handel“). Die sehr vielen kleinen und mittelständischen Ölmühlen in Deutschland, die das meiste native Rapsöl – oft nur im Nebenerwerb – herstellen, müssen also besonders sorgfältig arbeiten. 

Gesünder ist natives Rapsöl nicht

Rapsöl Test

Natives Rapsöl passt mit seinem nussig-saatigen Aroma prima zu Salat. Wer es lieber neutral mag, kann zu raffiniertem Öl greifen.

Was die Fettsäuren betrifft, unterscheiden sich raffinierte und native Rapsöle nicht. Bei allen Ölen im Test verteilten sich die Fettsäuren so mustergültig, wie es für Rapsöl typisch ist (siehe „Die Fettsäuren im Rapsöl“). Das bedeutet: Mit einem guten Esslöffel Rapsöl (10 Gramm) lässt sich der Tagesbedarf an Omega-3-Fettsäuren etwa zu 90 Prozent decken. Die meisten Rapsöle tragen auch ordentlich zur Versorgung mit Vitamin E (Tocopherole) bei. Am besten gelingt das dem Testsieger unter den raffinierten Rapsölen, Brändle Vita. Wer gut zwei Esslöffel (20 Gramm) davon zu sich nimmt, deckt seinen Tagesbedarf bereits zu mehr als 70 Prozent. Am wenigsten Vitamin E liefern Rapso, das native Bio-Rapsöl der Teutoburger Ölmühle und das Bio-Öl Fauser Vitaquell.

Rapsöl Test

Fettiger Kragen: Wir haben geprüft, wie gut sich die Rapsöle aus den Flaschen gießen lassen. An der Serviette zeigt sich, wie viel Öl am Flaschenhals herunterläuft. Durch den Ölfilm kann die Flasche leicht aus der Hand rutschen. Wie groß die Unterschiede sind, zeigen die beiden Flaschen.

Insgesamt unterschieden sich raffinierte und native Öle beim Vitamin-E-Gehalt jedoch nicht. Zum Abbau von Vitamin E kann es bei beiden kommen, wenn die Rapssaat bei hohen Temperaturen getrocknet wird. Das Vitamin ist ein wichtiges Antioxidans. Es schützt die Öle vor Verderb durch Sauerstoff. Und beim Menschen verhindert Vitamin E, dass das im Übermaß ungünstige LDL-Cholesterin im Blut oxidiert. Vitamin E senkt so das Risiko für Arteriosklerose.

Antioxidativen Schutz verheißen auch die sekundären Pflanzenstoffe im Rapsöl, vorrangig die gelb-orangen Karotinoide. Sie fallen aber der Raffination zum Opfer, weshalb raffiniertes Öl heller ist. Doch auch die Mengen, die noch in nicht raffiniertem Rapsöl stecken, sind zu vernachlässigen. Wir haben sie daher nicht bewertet.

Native sind besser in der Pfanne

Rapsöl eignet sich für die kalte Küche und grundsätzlich auch für die warme. Wir haben alle Öle auf die Probe gestellt und sie 16 Stunden lang auf 175 Grad Celsius erhitzt. Danach haben wir die unerwünschten Abbauprodukte gemessen. Als hitzestabil erwiesen sich nur sechs native Öle, vor allem Rapunzel (Bio) und Bio Bio von Plus. Der Grund: Native Öle enthalten noch schützende Fettbegleitstoffe wie Lezithine.

Rapsöl Test

Rapsöl eignet sich auch zum Braten, Backen und Frittieren. Wir haben das Spritzverhalten beim Braten geprüft.

Schließlich haben wir mit jedem Öl eine ungewürzte Hackfleischfrikadelle gebraten und gemessen, wie viel Öl aus der Pfanne spritzt. Am wenigsten spritzten die nativen Rapsöle Bellasan von Aldi (Süd), Butella von Aldi (Nord), Naturkind (Bio) von Kaiser´s Tengelmann und das Spezialöl der Teutoburger Ölmühle.

Am Ende bewiesen drei native Rapsöle „gute“ Brateigenschaften (Vita D'or von Lidl, Naturkind von Kaiser's Tengelmann und Rapunzel) sowie das Teutoburger Spezialöl – das schaffte kein raffiniertes Rapsöl. Ein Natives glänzte sogar mit „sehr guten“ Brateigenschaften – ausge­rechnet das sensorisch schlechteste im Test: Bio Bio von Plus.

Das Spezialöl ist teuer und ranzig

Das gedämpfte Spezialöl der Teutoburger Ölmühle wird als „hoch erhitzbar“ und als „High-Oleic-Raps-Kernöl“ beworben. Es enthält aufgrund einer besonderen Saatzüchtung 10 Prozent mehr Ölsäure als die anderen Rapsöle. Zudem sind Emulgatoren zugesetzt. Die besondere Zusammensetzung führte zu „guten“ Brateigenschaften. Mit 9 Euro pro Liter ist das Teutoburger Spezialöl in der hellen Glasflasche eines der teuersten im Test, doch sensorisch zählt es zu den „Mangelhaften“. Es schmeckt ranzig. Klare Flaschen können den Fehler beschleunigen, weil ihnen der Lichtschutz fehlt. Dunkle Flaschen oder Dosen sind da besser. Aber auch sie sollten kühl und dunkel lagern.

Kaum Schadstoffe

Rapsöl Test

Jedes Jahr im Mai: Raps blüht auf etwa zehn Prozent der Ackerflächen in Deutschland. Im August ist Erntezeit.

Deutschland ist nach China, Kanada und Indien weltweit das viertwichtigste Anbauland für Raps. Wo Raps intensiv angebaut wird, geht es meist nicht ohne Pflanzenschutzmittel (Pestizide). Im ökologischen Anbau wird allerdings auf synthetische Pestizide verzichtet. Unbedeutende Spuren von Pestiziden fanden wir nur in 5 von 26 Rapsölen, davon 4 Bio-Öle.

Wir haben die Rapsöle auch auf Schadstoffe untersucht, die bei der Raffination entstehen können: 3-MCPD-Fettsäureester (3-Monochlorpropandiol-Fettsäureester) und 3-MCPD-bildende Substanzen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass daraus bei der Verdauung schädliches 3-MCPD frei wird. Umso erfreulicher, dass wir in keinem Öl bedenkliche Mengen gefunden haben.

Kein gentechnisch veränderter Raps

Rapsöl Test

Gepresst wird die Saat das ganze Jahr über – meist mit Schneckenpressen.

In Kanada und den USA werden bereits auf mehr als 80 Prozent der Rapsfelder gentechnisch veränderte Rapspflanzen angebaut. Auch Australien hat damit begonnen. Das veränderte Erbgut soll den Raps vor allem gegen Breitbandherbizide (Unkrautvernichtungsmittel) resistent machen. In der EU ist der kommerzielle Anbau von gentechnisch verändertem Raps verboten, es gibt nur Versuchsflächen. Die Einfuhr bestimmter Rapssaaten ist für die Verarbeitung zu Lebens- und Futtermitteln jedoch erlaubt. Raffiniertes Rapsöl enthält keine Erbsubstanz mehr. Das hat auch unser Test gezeigt. In nativen Ölen fanden wir Erbsubstanz, aber keine gentechnisch veränderte.

Der meiste Raps endet als Biodiesel

Nur etwa 25 Prozent der deutschen Rapsernte wird zu Lebensmitteln verarbeitet, 67 Prozent enden – anders aufbereitet – als Biodiesel. Theoretisch ließen sich Dieselautos auch mit Speise­raps­öl betanken. Das wäre aber teuer und auch zu schade. Rapsöl gehört auf den Teller, nicht in den Tank.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1153 Nutzer finden das hilfreich.