Aquakultur: Umstrittene Alternative zum Fischfang

Ohne gehts nicht. Der Mensch züchtet von jeher Fische, in den letzten 50 Jah­ren ist die Aquakultur aber enorm gewachsen. Etwa die Hälfte aller Speisefische stammt heute aus Farmen. Nur mit Wildfang ist der wachsende Fischhunger nicht zu stillen. Doch Massenanlagen für Lachs, Shrimps und Co. sind ökologisch bedenklich.

Sardellen als Futter. Die Zucht von Raubfischen wie dem Atlantischen Lachs trägt zur Überfischung der Meere bei. Denn ihr Futter enthält Fischmehl und -öl, hergestellt aus extra dafür gefangenen Kleinfischen wie Sardellen. Nur ein Teil lässt sich durch pflanzliche Fette und Eiweiße ersetzen. Laut Welternährungsorganisation FAO ging 2006 fast 90 Prozent der Fischölproduktion in die Aquakultur.

Genmix und Krankheiten. Brechen Lachse aus den Gehegen im Meer aus, paaren sie sich mit wilden Artgenossen und bedrohen deren Bestände. Die genetische Vielfalt wird verringert. Wildlachse leiden auch an Befall mit Parasiten der Farmlachse. Diese werden gegen Krankheiten geimpft. Das reduziert den Arzneimitteleinsatz.

Platznot und Fischkot. Die Besatzdichten sind heute geringer. Bei konventioneller Zucht kommen laut Anbietern immer noch 18 bis 25 Kilogramm Lachs auf einen Kubikmeter Wasser. Die Masse an Fischexkrementen überdüngt den Meeresboden, was das Wachstum von Algen fördert.

Bioaquakultur als Alternative. Auch Biolachs stammt immer aus Zuchtanlagen. Doch der Fischanteil im Futter darf nur aus nachhaltig zertifizierter Fischerei, Fischabfällen und Beifängen bestehen. Drei der vier Bioprodukte im Test sind vom Anbauverband Naturland zertifiziert. Dafür müssen Ökofarmer Richtlinien einhalten wie Einsatz pflanzlicher Futtermittel aus Ökoanbau, Verzicht auf Chemikalien und Lachsbesatzdichten von maximal 10 Kilogramm pro Kubikmeter Wasser.

Zweifel auch an Ökozucht. Manche stellen auch die ökologische Verträg­lichkeit der Bioaquakultur infrage, so zum Beispiel der Anbauverband Biokreis: Das Leben in Mastanlagen widerspräche grundsätzlich dem artgemäßen Wanderverhalten von Lachsen.

EU-Biosiegel. Seit Januar 2009 regelt die EU-Öko-Verordnung Fisch aus ökologischer Aquakultur. Das sechseckige Biosiegel ist aber noch auf keinem Biolachs im Test zu finden. Denn Richtlinien zu Besatzdichten, Fütterung oder Gesundheitsvorsorge legte die EU erst im Juni fest. Ökoverbände kriti­sieren sie als zu lasch, bis 2013 bleibt Zeit zur Überarbeitung.

WWF plant eigenes Siegel. Auch der World Wide Fund for Nature will Standards für Biozuchtfisch festlegen. In zwei Jahren schon könnte es ein Siegel des Aquaculture Stewardship Council (ASC) ähnlich dem MSC-Siegel für Wildfisch geben.

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