In den nächsten drei Jahren wollen 2,2 Millionen Deutsche einen Fahrradurlaub machen. Dafür brauchen sie Wanderkarten. Unser Test zeigt: Gute sind Mangelware.

Ein perfekt ausgeschilderter Wanderweg bietet die beste Orientierungshilfe für Radtouristen. Doch den gibt es kaum. Selbst auf den besten Radfernwegen kann man sich auf die Wegweiser nicht immer verlassen. Mal entsprechen die Schilder nicht mehr dem aktuellen Verlauf, mal sind sie beschmiert oder gestohlen worden. Es gibt immer wieder Situationen, in denen der ratlose Radfahrer einen suchenden Blick auf die Streckenkarte werfen muss. Doch welche Karte soll der Radwanderer in die Lenkertasche stecken? Und welcher Guide hat echte Führungsqualitäten?

Schwächen vor Ort

Wir haben für drei beliebte Radfernwege – entlang der Ostseeküste, der Elbe und der Donau – alle verfügbaren Karten und Führer ausführlich unter die Lupe genommen, und zwar nicht nur am Schreibtisch, sondern auch auf mehreren Radtouren an Ort und Stelle (siehe Ausgewählt, geprüft, bewertet). Uns ging es hauptsächlich um die Karten.

Auf den ersten Blick sehen die Kartenblätter oft ganz ordentlich aus. Das ist kein Wunder, denn als Grundlage dienen meist die amtlichen topografischen Karten. In der Praxis zeigten viele der getesteten Radkarten dennoch deutliche Schwächen. So ist kaum eine auf dem aktuellen Stand. Viele müssen bei Stadtdurchfahrten passen und die Oberflächenbeschaffenheit der Radwege sowie Steigungs- und Gefällstrecken werden oft nur zufällig, manchmal gar nicht dargestellt.

Als die besten Reisebegleiter im Test haben sich die bikeline-Führer vom Verlag Esterbauer erwiesen – eine gelungene Kombination von Radwanderkarte und -führer. Die handlichen Bücher im Querformat enthalten übersichtliche Karten, meist im Maßstab 1 : 75 000, ergänzt durch viele Stadt- und Ortspläne. Die Radroute ist deutlich hervorgehoben und mit differenzierten Markierungen zum Beispiel zum Oberflächenbelag und zur Verkehrsbelastung versehen.

Zusatzinfos zu knapp

Gute, wenn auch teilweise etwas knappe Wegbeschreibungen ergänzen die Karte. Positiv: das umfangreiche Unterkunftsverzeichnis. Wichtige Zusatzinfos für Radtouristen, wie Werkstätten, Rastplätze, Fähren oder Bahnhöfe, könnten allerdings umfangreicher sein. Dass die touristischen Sehenswürdigkeiten nur kurz abgehandelt werden, ist dagegen kein Minuspunkt, denn sonst wäre der Führer schnell überfrachtet.

In speziellen Halterungen (rund 25 Euro im Fachhandel), die auf den Lenker montiert werden, oder im Sichtfenster einer Lenkertasche ist die Karte für den Fahrer gut erkennbar und gleichzeitig vor Wind und Regen geschützt.

Der Ostseeküsten-Band von ProjektNord, ebenfalls eine Kombination von Radkarte und -führer, erwies sich als ein sehr gemischtes Doppel. Denn er verbindet zwar nicht immer aktuelle – aus dem Jahr 2003 – , aber doch gute Streckenbeschreibungen mit einer einfachen Karte, die wenig Orientierung bietet.

Eine Kombination von Fahrradkarte und Reiseführer sind der Spiralo-Radführer vom Bielefelder Verlag und der Radwanderatlas von Dr. Barthel. Sie beschreiben die Sehenswürdigkeiten rechts und links des Wegs, erläutern aber nicht die Reiseroute. Während die Karten des Spiralo-Führers für den Ostseeküsten-Radweg eine recht gute Orientierung bieten, ließ uns der Dr. Barthel-Radwanderatlas für den Elbe-Radweg mitunter im Stich.

Fernwege in Teilstrecken

Die beliebtesten Radwanderkarten sollen nach eigener Aussage die Regionalkarten vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) sein, herausgegeben vom Bielefelder Verlag. Es gibt sie für über 50 Regionen. Die detaillierten Karten enthalten neben den Radfernwegen noch zahlreiche Tourenvorschläge, was mitunter etwas verwirrt. Die Fernwege sind nur in Teilstrecken und nicht immer vollständig erhältlich. Außerdem sind die Karten im relativ sperrigen Format unterwegs nicht ganz einfach zu benutzen.

Als handlicher und robuster erwiesen sich die Radwanderkarten von Publicpress. Charakteristisch ist ihre Leporellofalzung, die sich wie eine Ziehharmonika auseinanderfalten lässt. Die kunststoffbeschichteten Karten bieten mit 1 : 50 000 zwar einen großen Maßstab, geizen aber mit Detailinformationen, und sie geben die Radroute nicht immer korrekt wieder. Uns störten die Kästen mit Werbeanzeigen, weil sie den Verlauf des Radwegs mitunter verdecken.

Weniger brauchbar sind die Kompass-Radtourenkarten für den Donau-Radweg. Die beiliegenden Hefte enthalten zwar einige nützliche Adressen, aber den Karten mangelt es an fast allem, was den Radtouristen interessiert. Schon der kleine Maßstab von 1 : 125 000 verhindert, dass man die Route genau nachvollziehen kann. Wahrscheinlich fährt man sogar besser, wenn man sich nur auf die Schilder am Rand des Radwegs verlässt.

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