Radon Meldung

Aus dem Boden dringt das Gas unbemerkt in viele Häuser ein. Jedes Jahr sterben deshalb fast 2 000 Menschen an Lungenkrebs. Oft schützen schon einfache Mittel.

Radioaktives Gas im Haus

Radon Meldung

Familie S. aus dem Allgäu erfuhr durch eine Messung der Stiftung Warentest, dass ihr Haus mit Radon belastet war. Die Bewohner machten sich auf die Suche nach Undichtigkeiten im Fundament des Hauses – und stießen auf eine lange Dehnungsfuge im Keller. Durch die Fuge konnte das radioaktive Gas eindringen und sich im Gebäude verteilen.

In vielen Regionen kommt Radon natürlicherweise im Boden vor. Wenn das Haus zum Untergrund nicht gut abgedichtet ist, kann das radioaktive Gas in die Wohnungen gelangen. Die Gefahr: Das unsichtbare und geruchlose Radon verursacht Lungenkrebs. Schätzungen zufolge sterben in Deutschland rund 1 900 Menschen im Jahr an Lungenkrebs durch Radon. Nach dem Rauchen ist es die Ursache Nummer zwei für diese Krebsart.

Kleine Lecks, großes Risiko

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Im Zuge der Anti-Radon-Beschichtung lässt sich auch der Wärmeschutz verbessern.

Familie S. rief bei der Beratungsstelle für radongeschütztes Bauen im sächsischen Schlema an und bekam Tipps zum Abdichten. Anschließend beauftragte sie einen Baufachmann, die Fuge mit radondichtem Kunststoff zu verschließen. „Oft können einfache und preiswerte Sanierungsmaßnahmen sehr effektiv sein“, sagt Alfred Taube von der Beratungsstelle. Er berichtet zum Beispiel von hohen Radonwerten in einem neuen Haus, das im Fundament ein Loch für Stromleitungen aufwies. Durch das Loch drang Radon ein. Nachdem es abgedichtet wurde, sank die Radonkonzentration erheblich. Betroffene sollten deshalb zunächst einmal selbst nach Undichtigkeiten suchen. Schwachstellen können sein: Risse oder Fugen in Böden und Wänden im Keller, Rohrdurchführungen und Installationsschächte von Heizungs-, Sanitär- oder Elektroanlagen.

Zum Abdichten kleiner Löcher und Fugen eignen sich zum Beispiel dauerelastische Dichtungsmassen – etwa aus Silikon, Acryl oder Polysulfid. Sie sind in Baumärkten für wenig Geld erhältlich. Um Klappen oder Schachtdeckel abzudichten, können Heimwerker zu dauerelastischen Dichtungsprofilen greifen.

Sind die Radonkonzentrationen in einem unbewohnten Keller relativ hoch, ist das grundsätzlich nicht besonders problematisch. Vorausgesetzt, dichte Kellertüren schützen den darüberliegenden Wohnraum. Sinnvoll sind automatische Türschließer und Schlösser mit minimaler Öffnung. Die Türen sollten wie die Klappen mit umlaufenden Dichtungsprofilen ausgerüstet sein. An den Schwellen können bewegliche Anpressdichtungen eingebaut werden. Der Boden muss dann aber glatt und eben sein; seitlich sollten keine allzu großen Löcher entstehen. Solche einfachen Sanierungsmaßnahmen sind preiswert, sie kosten zum Teil unter hundert Euro oder nur wenig mehr.

Ausbreitung stoppen

Betroffene müssen allerdings auch andere Ausbreitungspfade beachten, über die Radon vom Keller ins gesamte Haus gelangen könnte, zum Beispiel über Klappen an Ins­tallationsschächten, oder Löcher für Kabel und Rohrleitungen, die unzureichend abgedichtet sind.

Eine kostenlose Ergänzung dieser Maßnahmen ist besonders effektiv: häufiges Stoßlüften im Keller und in den Wohnräumen. Dabei sollten die Kellerfenster an der dem Wind zugekehrten Seite geöffnet werden – damit kein Unterdruck entsteht, der Radon aus dem Boden zieht.

Feuchteschutz ist Radonschutz

Doch nicht immer sinkt die Radonkonzentration mit einfachen Mitteln auf ein akzeptables Maß. Zum Teil sind in Altbauten die Fundamente und Kellerwände überhaupt undicht, manchmal gibt es gar keine feste Bodenplatte. Leckagen im Fundament und in der Wand machen sich oft durch eindringende Feuchtigkeit und Schimmel bemerkbar. In den allermeisten Fällen ist eine Sanierung dann ohnehin sinnvoll. Hier gilt: Was vor Feuchtigkeit schützt, versperrt meist auch Radon den Weg.

Die Boden- und Wandsanierung sollte aber ein Fachmann übernehmen. Zum Beispiel kann es sinnvoll sein, zunächst den vorhandenen Boden herauszureißen und den Putz von den Wänden abzuschlagen. Im Zuge der Arbeiten bringt der Fachmann eine radondichte Beschichtung auf, zum Beispiel PEHD-Dichtungsbahnen oder Bitumenbahnen. Diese Abdichtung kann auch als Dampfsperre dienen. Darüber kommen dann meist eine gute Wärmedämmung sowie Estrich, Bodenbelag und ein neuer Wandaufbau. Alternativ kann es auch sinnvoll sein, die Kellerwände von außen freizulegen, um die Beschichtung und Wärmedämmung dort anzubringen. Egal wo und wie abgedichtet wird: Entscheidend ist, dass eine lückenlose Sperrschicht entsteht, auch an Rohrdurchführungen.

Spezialisten für radongeschütztes Bauen schlagen auch oft lüftungstechnische Maßnahmen vor – etwa einen kleinen Ventilator, der einen Überdruck im Keller erzeugt und so das Eindringen von Radon verhindern soll. Oder eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, die radonbelastete Luft aus dem Keller nach außen transportiert und zugleich Energie spart.

Dr. Joachim Kemski aus Bonn, der Radonschutzmaßnahmen beratend begleitet, sagt: „Die Kosten variieren sehr stark. Je nach Situation vor Ort kann die Sanierung zwei oder auch zwanzigtausend Euro kosten.“ Da ist es in Risikogebieten sinnvoll, gleich beim Neubau auf Radondichtheit zu achten – mit radondichter Folie unter der durchgehenden Bodenplatte und dichten Leitungsdurchführungen. Das kostet etwa 20 Euro pro überbauten Quadratmeter mehr.

Fördergelder für Sanierung

Bei teuren Baumaßnahmen wären Fördergelder wünschenswert. Doch ausdrücklich für solche Radonsanierungen vorgesehene Förderprogramme gibt es in Deutschland nicht – das einzige Programm in Sachsen ist schon 2005 ausgelaufen. Dennoch gibt es Möglichkeiten für Förderungen: Die KfW-Bank finanziert mit zinsgünstigen Krediten die Wohnraummodernisierung – zum Beispiel das Beheben baulicher Mängel, die nachträgliche Wärmedämmung oder den Einbau von Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung. Auch Länder oder Kommunen unterstützen zum Teil solche Modernisierungen finanziell. Pflicht ist die Sanierung jedoch nicht, denn ein Radonschutzgesetz gibt es, obwohl seit langem diskutiert, noch immer nicht.

Um die Sanierungskosten nicht gleich in die Höhe zu treiben, empfiehlt Alfred Taube von der Beratungsstelle in Schlema, zunächst mit einfachen Mitteln zu sanieren. Eine Messung kann dann zeigen, ob die ausgereicht haben oder ob weitere Schritte nötig sind. Familie S. aus dem Allgäu hatte Glück. Schon die Kontrollmessung zeigte, dass die Abdichtung der Fuge im Keller erfolgreich war.

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