Radioempfang Visionen für die Zukunft

5

Kurzfristig hatte test.de an dieser Stelle berichtet, der Radioempfang über UKW stehe vor dem aus. Das beruhte jedoch auf einer Falschmeldung. Das Thema stellt sich sehr differenziert dar. Nach eingehender Recherche und mit Hilfe aufmerksamer Leser – Dank dafür! – schildert test.de nun den Stand der Dinge.

Vision

Nach dem Willen europäischer Digitalradio- (also DAB-)Enthusiasten ist UKW-Radio ein Auslaufmodell. Digital Radio soll mehr Sender, mehr Zusatzinformationen und mehr Tonkanäle (Stichwort: Dolby Surround) bringen. Tatsächlich hat das analoge UKW-Radio aber schon etliche mit DAB seit 1987 verknüpfte Erwartungen realisiert. Beispielsweise werden Verkehrs- und Senderinformationen ausgestrahlt, Autoradios mit RDS schalten automatisch auf die lokal am besten empfangbare Station der eingestellten Senderkette um. Gleichlaufend mit dieser Evolution verschoben sich auf politischer Ebene die Akzente: In Deutschland sollte der Radioempfang ursprünglich bis 2015 vom analogen UKW auf digitalen Empfang umgestellt werden. Das wurde mit dem vom Bundeskabinett beschlossenen Gesetzentwurf zur TKG-Novelle jedoch außer Kraft gesetzt. Die UKW-Sendelizenzen haben auch noch über das Jahr 2015 hinaus Bestand.

Zukunft I

Mit DAB (Digital Audio Broadcast, zu Deutsch etwa „Digitales Antennenradio“) ist eine digitale Nachfolgetechnik des UKW-Radios auf Sendung. Ihr großer Vorteil ist der störungsfreie Empfang im Auto. Bisher gibt es aber nur wenige DAB-Programme. In Bayern sind es immerhin 20 Radiostationen, im Norden Deutschlands nur sieben. DAB ist nur in 60 Prozent der Fläche Deutschlands verbreitet. Im August wird Digital Radio als DAB+ neu aufgelegt – in der Hoffnung auf den bislang ausgebliebenen Durchbruch dieser Technik. Darauf einigten sich unter anderem die ARD und das Deutschlandradio, die beiden Industrieverbände VDA und ZVEI und der Sendernetzbetreiber Media Broadcast, eine aus der deutschen Bundespost hervorgegangene Tochter der französischen Télédiffusion de France TDF. Empfangsgeräte gibt es unter anderem von Firmen der Unterhaltungselektronik wie Sony. DAB+ kann im Vergleich zu DAB mehr Sender oder zusätzliche Informationen wie Text und Album-Cover übertragen. Ebenso besteht die Option auf 5.1-Surround, wie er von Video-DVDs bekannt ist. Der Ausbau des Sendernetzes soll in den nächsten Jahren vor allem den Empfang in der Wohnung verbessern.

Zukunft II

Auch wenn andere europäische Staaten wie etwa Norwegen die Umstellung auf DAB erwägen, steht der Erfolg dieser Technik in den Sternen. Einerseits kann Radio über die Sender des digitalen Antennenfernsehens DVB-T ausgestrahlt werden. In Berlin funktioniert das bereits reibungslos. Andererseits machen neue Technologien, zum Beispiel Internetradio Konkurrenz. Der dazu erforderliche breitbandige Internetzugang liegt in immer mehr Haushalten an. So ist DAB+ technisch nicht signifikant attraktiver als UKW und hinkt den bereits bestehenden Verbreitungswegen digitaler Radioprogramme hinterher.

Tipp: Wenn Sie „Digital Radio“ ausprobieren möchten, sollten Sie Empfänger mit dem neuen Standard DAB+ wählen. Sie können auch das ältere DAB empfangen, umgekehrt lässt sich ein DAB-Empfänger (ohne das „+“) nicht auf den neuen Digitalstandard DAB+ aufrüsten. Empfänger für DAB+ gibt es ab etwa 80 Euro. Die bisher vorgestellten Modelle enthalten auch einen UKW-Tuner. Empfänger mit der zusätzlichen Option auf den Empfang von Internetradio kosten derzeit mindestens 125 Euro.

5

Mehr zum Thema

  • Digital­radios im Test Radios mit Top-Empfang

    - Die Digital­radios im Test empfangen Sender über UKW, DAB+ und viele auch über Internet. Einer der Testsieger über­zeugt durch guten Klang und trotzt sogar Dreck und Staub.

  • Digital­radio DAB+ Start weiterer Sender verzögert sich

    - Digital­radio über Antenne, kurz DAB+, klingt besser als UKW und empfängt sowohl deutsch­land­weite als auch lokale Sender. Bisher gibt es 13 bundes­weite Programme, zum...

  • AV-Receiver im Test Guter Kino­sound im Wohn­zimmer

    - Sie sorgen für ein Klang­erlebnis wie im Kino: Im Test mussten sich zwölf AV-Receiver beweisen. Viele Geräte schneiden gut ab. Umso mehr kommt es auf die Ausstattung an.

5 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

rainerdeckert am 10.08.2011 um 14:59 Uhr
DAB+: entbehrlich - teuer - schädlich für AnalogTV

Nein! DAB+ ist nicht zu empfehlen.
So gut wie niemand hört es, wenige werden es hören.
Aber hunderttausenden AnalogTV-Nutzern wird jetzt der Empfang gestört,
oder sie werden zu unnötigem Geldausgeben gezwungen.
Vom ökologischen Unsinn des Wegwerfens intakter Fernseh- und (Auto-)Radiogeräte ganz zu schweigen..
Aus mehreren sehr guten Gründen wurde die Abschaltung des analogen
UKW abgeblasen; analoges KabelTV bleibt noch viele Jahre.
Es bleibt zu hoffen, daß die Politik ein weiteres Einsehen hat,
und DAB+ - zumindest bis auf weiteres - abbläßt.

wubitest am 01.08.2011 um 13:09 Uhr
dab+ Endlich Radiohören mit Genuss

Seit letzter Woche hören wir ERF-Radio mit dab+. Das ist die beste Erfindung, seit es Radio gibt. Die bisher von uns benutzte Mittelwelle, UKW, Satelitten- und Internetradio kommen da bei weitem nicht dran. (Wir haben kein TV und hören nur Radio)
Endlich kann man im ganzen Haus sein dab+ Gerät mitnehmen, Radio hören in CD-Qualität, rund um die Uhr.
Diese Technik übertrifft wirklich alles, was uns bisher über Radio geboten wurde. Sehr zu empfehlen!

Oschmitt am 18.07.2011 um 12:43 Uhr
Milliardengrab DAB

Ja, der DAB-Artikel hätte besser recherchiert werden können. Wem die ergänzte Meldung von TEST nicht ausreicht, bitte hier schauen:
http://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article3991056/Das-digitale-Radio-wird-zum-Millionengrab.html

Profilbild Stiftung_Warentest am 24.06.2011 um 20:01 Uhr
Dankeschön!

@Vohwinkler: Vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir haben die Meldung überarbeitet. Nun sind alle Angaben korrekt.

Vohwinkler am 23.06.2011 um 11:27 Uhr
Fehlinfo

Bitte diesen Artikel löschen. Die Verbraucher werden fehlinformiert. Die zugrunde liegende Information ist nicht richtig. Weder wurden in Großbritannien UKW Sender abgeschaltet, noch werden in Deutschland 2015 UKW Sender abgeschaltet. Und ob 2025 (in 14 Jahren) UKW Sender abgeschaltet werden, ist mehr als fraglich und sicher kein Grund, jetzt neue Geräte zu kaufen, wenn man mit den bisherigen Anlagen zufrieden ist. Ich befürchte dieser Artikel wurde von Leuten lanciert, die ihr seit 15 Jahren erfolgloses Produkt DAB (dead and buried) an den Mann bringen wollen.