Nach einer eilends gestarteten Umfrage des Deutsche Energie-Pellet-Verbandes (DEPV) in der Branche sind hierzulande keine womöglich radioaktiv belasteten Pellets aus dem Baltikum auf dem Markt. In Italien hatten Staatsanwälte am Wochenende nach der Entdeckung von erheblich belasteten Pellets aus Litauen über 10 000 Tonnen des Brennstoffs aus dem Verkehr ziehen lassen.

Aufregung in Italien

In Italien dagegen herrscht Aufregung bei Besitzern von womöglich aus Osteuropa stammenden Holzpellets. Nach Darstellung der italienischen Behörden sind die mit mutmaßlich aus der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl stammendem Caesium 137 verseuchten Pellets als solches kaum gefährlich. Rauch und Asche allerdings seien, so die Behörden, „extrem gesundheitsschädigend“. Genauere Angaben zur Belastung der Pellets und bei ihrer Verbrennung entstehende Asche und Rauch sind bisher nicht bekannt. Auch dem Bundesumweltministerium lagen noch keine keine genaueren Informationen vor.

Strahlung aus Tschernobyl

Allerdings: Beim Reaktorunfall in Tschernobyl 1986 freigesetztes Caesium 137 ist auch in Deutschland nach wie vor Thema. Niederschläge in den Wochen und Monaten nach der Katastrophe spülten das radioaktive Isotop in die Böden. Besonders betroffen: Regionen in Süddeutschland. Vor allem in Wäldern dort kursieren nach wie vor große Mengen des reaktionsfreudigen Alkalimetall-Isotops im Stoffkreislauf. Caesium 137 hat eine Halbwertszeit von über 30 Jahren. Mit anderen Worten: Weit mehr als die Hälfte des beim Unfall freigesetzten Caesium-Isotops strahlt noch. Im vergangenen Jahr wies das Umweltinstitut in München in einzelnen Waldpilz-Proben aus Bayern Caesium 137-Belastungen von bis zu fast 1 500 Becquerel je Kilogramm nach. EU-Grenzwert: Für Lebensmittel 600 und für Milch, Milchprodukte und Säuglingsnahrung 370 Becquerel je Kilogramm, und diesen Grenzwert halten viele Experten für viel zu hoch.

Kaum Infos über Belastung von Holz

Zur Belastung von Holz mit Caesium 137 gibts wenige Informationen. Solange der Stoff im Holz gebunden ist, besteht für Menschen wenig Gefahr. Beim Zerfall entstehen Beta- und Gammastrahlung. Gefährlich wird solche Strahlung vor allem, wenn Caesium 137 mit der Nahrung oder der Atemluft aufgenommen wird. Die beim Zerfall der Caesium 137-Atome freiwerdenden Strahlen können Körperzellen irreversibel schädigen und zu Krebs-Erkrankungen führen. Je geringer die Entfernung zwischen Strahlenquelle und Zelle ist, um so höher ist das Risiko. Besonders empfindlich auf Strahlung reagieren Embryos, Babys und Kleinkinder. Vieles allerdings ist Wissenschaftlern noch unklar. Genaue Untersuchungen sind schließlich kaum möglich.

Indizien für Risiko durch Rauch und Asche

Bei der Verbrennung von radioaktiv belastetem Holz entstehende Flugasche und Rauch halten die italienischen Behörden für extrem gesundheitsschädlich. Partikel können in die Lunge gelangen und sich dort ablagern. Das besondere Risiko von Asche und Staub bestätigen Befunde des Umweltinstituts in München. Während die Wissenschaftler dort in einer Probe Holzpellets aus Deutschland 2005 eine vergleichsweise geringe Belastung von 6 Becquerel pro Kilo fanden, enthielt die Asche dieser Pellets bereits 440 Becquerel je Kilogramm. Anhaltspunkte dafür, dass Flugasche und Rauch zumindest einen erheblichen Teil von im Holz enthaltener radioaktiver Kontamination enthalten, hatten bereits vor Jahren weißrussische Physiker entdeckt. Sie fanden nach Waldbränden in den Jahren nach der Tschernobyl-Katastrophe neue so genannte „Hotspots“ mit besonders hoher Radioaktivität, die offenbar durch Niederschlag von Flugasche oder Rauch entstanden waren.

[Update 23. Juni 2009] Inzwischen hat der Deutsche Energie-Pellet-Verbandes (DEPV) aktuelle Untersuchungsergebnisse vorgelegt. Das Institut Eurofins-AUA GmbH hat im Auftrag von zehn Händlern und Produzenten Pelletproben auf den Gehalt von Cs 137 testen lassen. Dabei fanden die Wissenschaftler in zwei Proben einen Höchstwert von jeweils 7 Becquerel je Kilogramm. Die anderen Werte lagen darunter. Der österreichische Pelletverband Pro Pellets Austria (PPA) hat ebenfalls aktuell Pellets aus österreichischer, tschechischer und deutscher Produktion prüfen lassen. Höchstwert bei diesen Untersuchungen: 4,6 Becquerel je Kilogramm. Die Ergebnisse der aktuellen Untersuchungen entsprechen denen des Umweltinstituts aus München. Ergebnisse zur Belastung von Pellet-Asche und -Rauch mit Caesium 137 legten Hersteller, Händler und Verbände bisher nicht vor.

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