Radfahren Meldung

Raus in den Frühling ... Wer jetzt mit dem Rad zur Spritztour aufbricht, sollte seine Pflichten und Rechte kennen. Wir sagen Ihnen, wie Sie sicher im Sattel sitzen.

Vorbei sind die Zeiten, in denen sich vor allem arme Studenten und ausgesprochene Autohasser aufs Rad schwangen. 300 Kilometer pro Jahr tritt der Bundesbürger mittlerweile im Durchschnitt in die Pedale. 12 Prozent aller Wege zwischen Sylt und Chiemsee legt er mit dem Rad zurück.

Mag auch die Technik der Räder immer besser werden, so sind doch Radfahrer nach wie vor keineswegs unverletzlich. 72.738 Radler spürten das im Jahr 2000 am eigenen Leib. 659 starben sogar im Straßenverkehr. Selbst wenn der Radfahrer sich an alle Regeln hält ­ vor den Fehlern anderer ist er nicht gefeit. Trotzdem kann und muss er dazu beitragen, sicher anzukommen: Indem er sich die Risiken bewusst macht, seine Rechte und Pflichten kennt und den Drahtesel gut rüstet.

Was Radfahrer falsch machen

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Weiß auf blauem Grund weist das Mini-Rad auf Radwege hin.

In welchen Situationen Radfahrer Fehler machen, weiß die Statistik. Unfälle verursachen sie in erster Linie, weil sie die Straße falsch benutzen: Sie missachten das Rechtsfahrgebot oder schneiden Kurven. Fehler beim Abbiegen sind ebenfalls oft Auslöser von Unglücken. Wie die Bundesanstalt für Straßenwesen ermittelte, "verzichten" 65 Prozent dabei aufs Handzeichen, 20 Prozent sehen sich vor der Richtungsänderung nicht um. Besonders anspruchsvoll ist korrektes Linksabbiegen: Zu Schulterblick und Handzeichen kommt das Einordnen mit oft gefährlichem Spurwechsel. An Kreuzungen darf man den Gegenverkehr nicht übersehen, an Einmündungen muss man beide Richtungen im Auge haben ­ schwierig, nicht nur für Kinder. Vier von fünf Radfahrern machen Fehler, wenn sie links in eine Hauptstraße biegen.

Erkenntnisse der Unfallforschung zeigen aber auch: Regelübertretungen können Reaktionen auf ungünstig gestaltete Verkehrswege sein. Auf den Gehweg auszuweichen ist zum Beispiel bei enger Straße oftmals Selbstschutz.

Und außerdem ist ja auch immer noch mit der Unachtsamkeit anderer zu rechnen: So können aus Grundstücksausfahrten plötzlich Autofahrer kommen oder rechts abbiegende Kraftfahrzeuge geradeaus fahrende Radler im Kreuzungsbereich schneiden. Dann sind sogar normale Radwege eine Gefahrenquelle. Weil sich in dieser Situation an Kreuzungen 75 Prozent der Unfälle mit schwer oder tödlich verletzten Radfahrern ereignen, werden zunehmend Maßnahmen umgesetzt, um die Gefahr einzudämmen: So können beispielsweise Halteverbote vor Kreuzungen verhindern, dass parkende Autos die Radler unsichtbar machen.

Welche Regeln wichtig sind

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Im Zusatzschild öffnet das Mini-Rad Einbahnstraßen.

Mit der 1997 geänderten Straßenverkehrsordnung hat auch der Gesetzgeber manche Regelung überarbeitet: So dürfen geeignete, ausreichend breite Einbahnstraßen mit Tempo 30 für Radler in beide Richtungen freigegeben werden. Ein "Fahrrad-frei"-Schild am Ende der Einbahnstraße zeigt es dann an. An ihrem Beginn informiert ein weiteres Schild, dass einem hier Radfahrer entgegen kommen können.

Trotz der Unkenrufe ließen sich bisher keine Unfälle auf die Neuregelung zurückführen, bestätigt Bettina Cibulski, Pressesprecherin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC): "Die ausgewählten Straßen sind gut einzusehen. Und die Autofahrer fahren dort einfach langsamer." Bremen, sowieso als Radlerparadies bekannt, aber auch Bonn und München hätten laut Cibulski in den vergangenen Monaten verstärkt Einbahnstraßen freigegeben. In Berlin sind 210 von 850 Einbahnstraßen für Radler in Gegenrichtung geöffnet.

Einige andere Regelungen der novellierten Straßenverkehrsordnung scheinen vielen Radfahrern immer noch unbekannt zu sein: So ist niemand mehr verpflichtet, in jedem Fall auf dem Radweg zu bleiben. Weist ihn kein blaues Schild mit weißem Rad als solchen aus, darf man auf der Straße fahren. Wege mit Schild sind jedoch zu benutzen, übrigens auch von Liegefahrrädern.

Ein Muss für Radfahrer sind auch die auf der Straße extra für sie markierten Wege, so genannte Schutz- und Fahrradstreifen. Polizei und Radlobby stimmen darin überein, dass Radfahrer auf ihnen meist sogar besser von den Autofahrern gesehen werden als auf Radwegen neben der Fahrbahn. Weder parkende Autos noch Büsche versperren die Sicht. Interessant für alle, die schnell vorankommen wollen: Auf Sonderstreifen, die eigentlich Bussen und Taxis gehören, darf gefahren werden, wenn ein Schild es erlaubt. Nebeneinander radeln lässt es sich auf speziellen "Fahrradstraßen", die man bisher allerdings noch suchen muss.

Wie das Rad auszurüsten ist

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Die größte Regelkenntnis hat nur Sinn, wenn auch das Rad in Schuss ist. Richtige Rahmengröße, funktionstüchtige Bremsen und Klingeln sind mehr als nur Beiwerk. Doch bei über der Hälfte aller technischen Mängel, die im Jahr 2000 zu Unfällen führten, haperte es an der Beleuchtung. Nicht nur, dass sie nicht funktionierte ­ sie fehlte oft völlig. Ausreden ertappter Radler reichen von "Andere fahren auch so" bis zu "Die Straßenbeleuchtung ist doch an", so die Erfahrungen der Kölner Polizei. Keine Entschuldigung, aber eine Erklärung: Räder, speziell Mountainbikes, werden zum Teil ohne Lichtanlage verkauft. Nachrüsten muss der Käufer, und zwar mit einem Dynamo. Für Räder und über elf Kilo schwere Rennräder ist er nach wie vor Pflicht. Batteriebetriebene Anlagen als einzige Lichtquelle sind bisher nicht erlaubt. Viele Polizisten drücken da aber ein Auge zu. Und die Bundesregierung denkt auch über eine Novellierung nach.

Wann es teuer werden kann

Wer in der Kneipe keine Lust auf Apfelsaft, sondern auf Alkohol hatte, sollte sich auch als Radler besser ein Taxi rufen. Denn selbst mit unter 1,6 Promille, dem Grenzwert der absoluten Fahrtüchtigkeit, kann er bestraft werden, wenn er Verkehrszeichen missachtet oder Schlangenlinien fährt. Düst ein Radfahrer bei Rot über die Ampel, muss er mit 62,50 Euro und einem Punkt in Flensburg rechnen. Verbotenes Fahren in der Einbahnstraße und Handygespräche während der Fahrt kosten 15 Euro. Bei kaputtem Licht muss man sich von 10 Euro trennen. Gutes Geld, das man lieber für den nächsten Radausflug sparen sollte.

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