Radcomputer von Tchibo Schnelltest

Das kann Radfahrer zu Impulskäufen verführen: Einen Solar-Radcomputer mit Funkübertragung bietet Tchibo für gerade mal 7,99 Euro an. Markenware kostet ein Vielfaches - ohne Solarbetrieb. test.de überprüft per Schnelltest, ob der Radcomputer von Tchibo funktioniert und was es mit den Solarzellen auf sich hat.

Sonnenenergie reicht nicht

Wers gerne ganz ökologisch ohne Batterien hat, ist bei Tchibo falsch. Der „Solar-Radcomputer“ braucht zusätzlich noch gleich zwei Batterien: Eine für den Geschwindigkeitssensor und -sender und eine für den eigentlichen Radcomputer. Wie viel Energie die Solarzellen oberhalb des Displays beisteuern, ließ sich im Schnelltest nicht ermitteln. Wegen des insgesamt geringen Stromverbrauchs von Radcomputern hätte das zeitraubende Versuche erfordert. Jedenfalls gilt: Die Bezeichnung als „Solar Powered Bike Computer“ vorne auf dem Karton ist irreführend. Auf der Rückseite stehts ziemlich klein und fast am Ende: „Solar- und Batteriebetrieb“. Das ist wörtlich zu nehmen. Reinen Solarbetrieb gibts nicht.

Montage ganz ohne Werkzeug

Der Rad-Computer ist flott und ohne jedes Werkzeug montiert. Je zwei mitgelieferte Kabelbinder fixieren die Halterung mit Radcomputer am Lenker und den Sensor an der Gabel. Der Speichenmagnet wird mit einer Rändelschraube aus Kunststoff festgeklemmt und hält sowohl an herkömmlichen Rund- als auch an Messerspeichen. Etwas knifflig: Der Magnet muss exakt an der richtigen Stelle sitzen, um dem Sensor zuverlässig Impulse für die Geschwindigkeit zu liefern. Hinzu kommt: Der Abstand zwischen Sensor und Magnet darf höchstens zwei Millimeter groß sein.

Millimetergenaue Einstellung

Wenn Magnet und Sensor richtig sitzen, fehlen dem Radcomputer nur noch einige Einstellungen. Radumfang, Uhrzeit und Datum will das Gerät wissen, dazu für die Berechnung von Kalorien- und Fettverbrauch Alter und Körpergewicht. Wer nicht schon auf Anhieb klar kommt, weiß spätestens nach einem kurzen Blick in die sehr gute Gebrauchsanleitung Bescheid. Die Anleitung enthält eine Tabelle mit den für gängige Reifengrößen typischen Umfang. Wer messen will oder muss, soll laut Anleitung die Entfernung von zwei Rad-Positionen messen, an denen das Ventil am unteren Totpunkt steht. Genauer gelingt die Messung mit einem Klecks wasserlöslicher Farbe, Haut- oder Zahncreme mitten auf dem Reifen. Nach einer Fahrt auf möglichst glatten Untergrund parallel zu einer geraden Fuge oder Linie lässt sich der in Millimetern einzugebende Radumfang an den Flecken am Boden exakt abmessen.

Tempo korrekt, Kalorienverbrauch nicht

Die Überprüfung im Labor ergibt: Die Geschwindigkeitsanzeige des Tchibo-Radcomputers ist korrekt. Ganz anders die Anzeige zu Kalorien- und Fettverbrauch: Sie beruht allein auf Alter, Körpergewicht und Geschwindigkeit und stimmt damit so gut wie nie und oft genug nicht mal annähernd. Obs bergauf oder -ab geht, bleibt unberücksichtigt. Mit anderen Worten: Auf den Wert kann kein Radler was geben. Allenfalls das Verhältnis verschiedener Vergleichswerte für Fahrten der gleichen Strecke bei unverändertem Wind hat Bedeutung. Hochwertige Radcomputer ermitteln den Kalorienverbrauch unter Berücksichtigung der Pulsfrequenz und liefern damit sehr viel besser brauchbare Werte.

Anzeige mit Schwächen

Einen Effekt haben die Solarzellen im Tchibo-Radcomputer auf jeden Fall: Sie verringern die für Anzeigen zur Verfügung stehende Fläche. Die aktuelle Geschwindigkeit lässt sich noch gut erkennen. Werte wie Durchschnittsgeschwindigkeit oder Zeit erfordern bei ungünstigen Lichtverhältnissen oft schon einen zweiten Blick. In jedem Fall wichtig: Der Radcomputer muss im richtigen Winkel am Lenker klemmen. Bei Abweichungen lässt der Kontrast der Anzeige schnell nach, bis ziemlich bald gar nichts mehr zu sehen ist. Immerhin: Der Tchibo-Radcomputer ist besser ablesbar als der ebenfalls 8 Euro billige Radcomputer von Penny, der im aktuellen Vergleichstest Radcomputer das test-Urteil „befriedigend (3,5)“ erhielt.

Datenverlust bei Stößen

Den Test für Regen- und Stoßfestigkeit bestand der Tchibo-Radcomputer Allerdings: Mit der laut Tchibo „ausgezeichneten Produktqualität und sorgsamen Auswahl“ ist es nicht so weit her. Immer mal wieder beim Falltest aus einem Meter Höhe „vergisst“ der Radcomputer alle Grundeinstellungen. Beim fünften Gerät funktioniert die Anzeige von Anfang an nicht. Da bliebe im Ernstfall nur der Umtausch. Zu viel Sonne vertragen die Solar-Fahrradcomputer von Tchibo nicht: Bei rund 50 Grad Celsius wird das Display dunkel. Erst nach Abkühlung erscheint wieder die gewohnte Anzeige. Frost ist kein Problem. Obwohl laut Bedienungsanleitung nur der Betrieb bis 0 Grad zulässig ist, funktioniert der Radcomputer im test-Labor-Gefrierschrank auch bei – 10 Grad. Kein Probleme macht bei den test-Fahrten die Funkübertragung der Daten vom Sensor zum Computer. Auch mitten im dicksten Berliner Elektro-Smog leistet sich der Tchibo-Radcomputer keine erkennbaren Ausfälle oder Fehlmessungen, wie sie früher selbst bei teuren Markengeräten ziemlich häufig auftraten. Gute Nachricht auch aus dem Chemie-Labor: Schadstoffe wie Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Weichmacher fanden sich nicht.

Im Vergleich:19 Fahrradcomputer

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