Raclettegeräte Test

Beim Schlemmen in gemütlicher Runde ist jeder sein eigener Koch. Zum Käseschmelzen allein sind die Geräte viel zu schade. Viele können auch erstaunlich gut grillen.

Schon im Mittelalter, so die Legende, stärkten sich Bauern und Holzfäller in den Walliser Alpen mit Brot, Pellkartoffeln und am Feuer geschmolzenem Käse. Heute wird der Schweizer Gaumenschmaus nicht mehr an der offenen Flamme vom großen Laib geschabt, sondern in kleinen Portionspfännchen überbacken. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Fast alles, was der Kühlschrank hergibt, lässt sich in netter Runde unter das Raclette schieben: Gemüse, Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, sogar Obst.

Für ein kulinarisches Vergnügen sollte aber nicht irgendein, sondern ein ordentliches Raclettegerät auf den Tisch kommen. Am besten gleich eine Kombi­na­tion mit Grillplatte. Die ist praktisch zum Warmhalten von Brot oder Pellkartoffeln und macht einen separaten Tischgrill überflüssig. Das spart nicht nur Geld im Portmonee und Platz im Küchenschrank, sondern bietet auch zusätzliche Variationsmöglichkeiten. Wem läuft nicht bei Hirschsteak von der Platte mit überbackener Gorgonzola-Birne aus dem Pfännchen das Wasser im Mund zusammen?

Das Quelle-Gerät bräunt nicht

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Schlechte Laune kam in der Testrunde immer dann auf, wenn es in den Pfännchen unterschiedlich heiß wurde, der Käse mal schneller, mal langsamer schmolz. Während die einen ihr Mahl schon genießen konnten, mussten sich die anderen noch mit den Beilagen begnügen. Bei den Geräten von Unold und efbe stellten wir in den einzelnen Pfännchen Temperaturunterschiede von mehr als 80 Grad beim Vorheizen fest. Trotzdem gab es mit etwas Geduld für alle gebräuntes Raclette.

Nicht so beim Quelle-Gerät. Es wird fürs Bräunen nicht heiß genug, weder in den Pfännchen noch oben auf der Grillplatte. Das Putenfleisch war nach einer halben Stunde zwar gar, aber an vielen Stellen mehr blass als braun. Da sind die nur 12 Cent Stromkosten auch kein richtiger Trost. Kein Gerät brauchte fürs Grillen übrigens mehr als eine Kilowattstunde (17 Cent), viele nur rund die Hälfte. Raclettieren ist noch sparsamer.

Petra RC 12.02 ist am besten

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Das „ausreichende“ Raclettegerät von Quelle kostet 50 Euro. Dabei gibt es „gute“ sogar für weniger Geld, wie unser Test zeigt. Die beiden billigsten Guten, die auch lecker grillen können, sind schon für 40 Euro zu haben: Clatronic RG 2892 und das baugleiche Bomann-Modell. Der Testsieger, Petra RC 12.02, kostet mit 70 Euro auch nicht mehr als ein Küchengrill aus der George-Foreman-Serie. Teuerster unserer Auswahl ist mit 120 Euro der Stöckli Cheeseboard V8. Seine Stärke: Von allen Geräten im Test grillt er am besten.

Steinplatten heizen länger auf

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Auf der Grillplatte bleiben Beilagen warm.

Wie viele andere hat auch das Stöckli-Raclette eine antihaftbeschichtete Grillplatte aus Metall. Die ist nach etwa 15 Minuten aufgeheizt. Steinplatten brauchen länger – zwischen etwa 20 und 60 Minuten – , bis sie so heiß sind, dass sich die Fleischporen sofort schließen. Ein Geduldsspiel für Gäste mit Bärenhunger.

Schlechter als Metall oder Gusseisen muss Stein aber deshalb nicht sein. Das Trisa-Raclette zum Beispiel, nur mit Steinplatte, überzeugte mit „guter“ Hitzeverteilung und Bräunung. Praktisch sind geteilte Grillflächen aus Metall und Stein (Clatronic, Princess, Steba). Die passen locker in den Geschirrspüler und lassen sich dort einfach reinigen, genauso wie Pfännchen, Spatel und Zubehör. Das geht erstaunlich gut, auch dann, wenn die Gebrauchsanleitung dazu nichts oder Widersprüchliches sagt. Den Beschichtungen macht das Geschirrspülen nichts aus. Sie sind so robust, dass selbst eine kratzende Gabel wenig ausrichtet.

Keine Angst vor Antihaft

Bleibt die Frage, wie riskant Antihaftbeschichtungen sind. Immer wieder kursieren Geschichten von Wellensittichen, die von der Stange fallen, weil sie angeblich giftige Gase einatmen, wenn sich Frauchen und Herrchen das Raclette schmecken lassen. Die Firma DuPont (Teflon) muss sich in den USA jetzt sogar einer Schadenersatzklage stellen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung bleibt gelassen. Es sieht „bei be­stimmungsge­mäßem Gebrauch von beschichtetem Kochgeschirr ... keine Gesundheitsgefahr“, so seine jüngste Verbraucherinformation. Erst ab etwa 360 Grad werden für den Menschen giftige Dämpfe freigesetzt. Doch so hohe Temperaturen haben wir weder in den Pfännchen noch auf der Grillplatte gemessen. Beim Vorheizen nicht und schon gar nicht während unserer Schlemmerrunde.

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