Rabatt- und Bonusprogramme Test

Über 100 Millionen Kundenkarten tragen die Deutschen in ihren Geldbörsen. Finanztest hat die Vor- und Nachteile der zahlreichen Kundenbindungsprogramme untersucht.

Sie buhlen um die Kundschaft so heftig wie ein Verliebter um die Angebetete. Händler und Hotels, Fluggesellschaften und Tankstellen locken die Verbraucher mit Kundenkarten und Bonussystemen, mit Rabatten, Sonderangeboten, Punkten, Digits, Swops, Meilen oder Points. Sie versprechen, Treue reichlich zu belohnen: mit Zahlungsaufschub, exklusiven Prämien, geselligen Abenden zusammen mit anderen Kunden oder einem Sonderstatus als Gold- oder Platinkunde.

Die Strategie funktioniert. Knapp 90 Prozent der Deutschen machen mit. Bei gut einem Drittel der Bundesbürger stecken sogar mindestens vier verschiedene Karten im Portmonee, ergab eine Studie des Marktforschungsunternehmens Dialego im Auftrag des Handelsblatts.

Regelmäßige Rabatte bescheiden

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Geht häufig bei Kaufhof und Yves Rocher einkaufen: Annick Seiz aus München. „Da nimmt man die Punkte mit. Die Payback-Karte habe ich schon drei Jahre. Inzwischen habe ich so viele ­Punkte, dass ich als Prämie schon ­eine Städtereise in ­Anspruch nehmen kann.“

Finanztest hat 36 regional und bundesweit angebotene Kundenkarten, Rabatt- und Bonusprogramme untersucht. Die meisten von ihnen schreiben ihren Kunden bei jedem Einkauf ein paar Punkte oder einen Bonus gut.

Die regelmäßige Ersparnis für einen Normalverbraucher liegt oft zwischen 0,25 und 3 Prozent – wenn man die Digits oder Punkte in Geld umrechnet.

In vielen Fällen ist die Höhe des Rabatts aber gar nicht zu bestimmen, zum Beispiel bei den Sachprämien. Aral bietet dem Kunden eine Kulturtasche an, wenn er zunächst 40 Punkte, sprich etwa 400 Liter Benzin, tankt und noch 3 Euro dazuzahlt. Ist das Angebot etwas wert? Und wenn ja, wie viel?

Bei einigen Kundenkarten gibt es gar keinen regelmäßigen Rabatt. Die Kunden des schwedischen Möbelhauses Ikea ziehen zum Beispiel keinen unmittelbaren ­finanziellen Nutzen aus der Kundenkarte. Stattdessen dürfen sie an exklusiven Gewinnspielen teilnehmen, erhalten laufend Angebote und die gekauften Möbel sind während des Transports versichert.

Der Haushaltsgerätehändler Innova gibt den Mitgliedern seines Rabattclubs dagegen sogar einen Grundrabatt von 10 Prozent auf fast alle Waren. Zusätzlich gibt es 1,5 Prozent auf alle Umsätze über 5 200 Euro innerhalb eines Jahres.

Für den hohen Rabatt müssen die Kunden allerdings eine Einstiegshürde überwinden: Innova verlangt eine einmalige Bearbeitungsgebühr von 32,99 Euro.

Aktionsrabatte bis 20 Prozent

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„Wir haben die HappyDigits-Karte, weil wir sie im ­KaDeWe, bei Karstadt und Wertheim einsetzen können.“ Beata und Michael Wiedmann kaufen auch bei Peek & Cloppenburg und bekommen mit deren Kundenkarte bis 5 Prozent Rabatt.

Wer höhere Nachlässe als 3 Prozent erwartet, muss bei den meisten Händlern auf Aktionsrabatte und zeitlich begrenzte Sonderkonditionen für bestimmte Produkte achten. Sie sind bei vielen Kundenkarten und Rabattprogrammen das Salz in der Suppe und stehen mittlerweile deutlich im Mittelpunkt. Der Vorteil für den einzelnen Kunden lässt sich aber nicht messen.

Auto-Teile-Unger räumt zum Beispiel etwa 15-mal im Jahr zusätzlich zu den 1,5 Prozent Rabatt im ATU-Card-Programm für ausgewählte Artikel höhere Direktrabatte ein.

Beim Schuhhändler Hess erhalten die Kunden rund 10-mal im Jahr spezielle Angebote neben dem regelmäßigen Rabatt.

Eine Karte für viele Branchen

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„Seit ungefähr vier Jahren habe ich schon die HappyDigits-Karte. Ich kaufe oft bei Karstadt und Wertheim ein.“ Seine Gutschriften hat Klaus Tolzmann aus Berlin beim nächsten Einkauf immer gleich wieder ausgegeben. „Rabattheftchen sind zu unpraktisch.“

Fünf Kundenprogramme in unserer Untersuchung gelten gleich für viele Unternehmen: Payback, HappyDigits, Miles & More, BSW Bonus & Club sowie webmiles. Die Kunden können bei vielen verschiedenen Händlern, Hotels oder anderen Firmen mit nur einer Karte punkten.

Mit rund 27 Millionen ausgegebenen Karten ist Payback nach eigenen Angaben Marktführer in diesem Segment. Bei 15 Handelspartnern können die Kunden Punkte sammeln und damit umgerechnet zwischen 0,5 und 4 Prozent Rabatt oder Sachprämien bekommen.

Zu den Partnern gehören etwa die Kaufhauskette Galeria Kaufhof, die Drogeriekette dm, der Schuhhändler Görtz, der Baumarkt Obi und der Lebensmittelhändler real. Jedes Unternehmen legt selbst fest, wie viele Punkte es für welchen Umsatz gutschreibt. Die Höhe des Rabatts ist für den Kunden deshalb nicht transparent. Hat der Kunde Punkte im Gegenwert von 10 Euro zusammen (1 Punkt entspricht 1 Cent), kann er sie gegen eine Prämie einlösen oder sich bar auszahlen lassen.

Unübersichtlich und zeitaufwendig

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„Ich habe keine Kunden- oder Rabattkarte. Zwar hat mich die Kassiererin bei Rewe mal gefragt. Aber da gehe ich nicht so häufig hin, dass es sich lohnen würde.“Tamara Birke aus Ansbach will sich auch künftig nicht zu so etwas überreden lassen.

Eine große Zahl von Partnerfirmen ist für die Teilnehmer eines Kundenprogramms nicht immer ein Segen: Bestes Beispiel dafür ist der BSW Verbraucher-Service, der auf immerhin 2 Millionen Mitglieder, vorwiegend Mitarbeiter und Mitglieder von Organisationen mit öffentlichen und sozialen Aufgaben, verweist. Bei bundesweit 27 000 Akzeptanzstellen gibt es Rabatte, meist zwischen 3 und 5 Prozent, gelegentlich bis zu 20 Prozent. Das klingt gewaltig, wird im Detail aber unübersichtlich.

BSW handelt mit den vielen Partnerfirmen Rabatte aus. Der Kunde zahlt beim Einkauf den vollen Preis. Die Rabatte werden seinem BSW-Konto etwa sechs ­Wochen später gutgeschrieben. Ab einem Betrag von 12 Euro überweist BSW die Rabatte auf das Girokonto des Mitglieds.

Die systematischen Rabatte sind nicht etwa überall gleich hoch. Sie stehen zum Teil in den 25 regionalen Händlerverzeichnissen. Bei vielen Partnern soll das Mitglied die Höhe des Rabatts jedoch erst telefonisch erfragen – für 12 Cent pro Minute.

Der BSW-Katalog kommt wie ein großes unübersichtliches Werbeheft daher. Für den Kunden heißt das: Vor jedem Einkauf in die vielen Unterlagen schauen, ob und welcher Händler in der Gegend überhaupt Rabatt gibt.

Die Mitgliedschaft kostet zudem 25 ­Euro pro Jahr und noch eine Anmelde­gebühr von 17,90 Euro. Das muss erst einmal verdient sein, bevor es ans Sparen geht.

Programme einer Firma sind klarer

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Europaweit shoppen: Patrick Reimers aus Nyborg (Dänemark) bekommt auch in Deutschland mit der Kundenkarte von Body Shop Rabatt bei jedem Einkauf. Und zum Geburtstag gibt es ein Geschenk für 10 Euro. „Ich bin damit ganz zufrieden!“

Übersichtlicher sind häufig Programme einzelner Firmen. Die Kunden können dann nur in deren Filialen die Rabatte oder Boni sammeln.

Bei unserer Untersuchung fielen zum Beispiel die Adler Modemärkte (3 Prozent), der Baumarkt hagebau (3 Prozent) und die Schuhhändler Hess/Görtz (2 bis 5 Prozent) durch schnörkellose und übersichtliche Gestaltung ihrer Kundenkarten auf. Entweder gibt es den Rabatt sofort, er wird beim nächsten Einkaufen verrechnet oder mit einem Jahresgutschein vergütet.

Wenn der Stammlebensmittelhändler, der bevorzugte Modemarkt oder der Baumarkt in der Nähe ein Kundenbindungsprogramm dieser Art anbietet, spricht nichts gegen eine Teilnahme.

Die Nutzer von Kundenkarten wollen mit wenig Umsatz und in kurzer Zeit an die Prämien kommen, berichtet das Fachmagazin Card-Forum. Doch manche Karten gehen am üblichen Bedarf vorbei.

Beim Baumarkt Hellweg zum Beispiel gibt es 3 Prozent Rabatt erst ab einem Umsatz von 1 500 Euro. Der Kunde hat nur zwölf Monate Zeit, den Umsatz zu erreichen. Nach weiteren sechs Monaten muss er ihn eingelöst haben, sonst verfällt er. Ab 5 000 Euro Umsatz innerhalb eines Jahres gibt es 5 Prozent Rabatt. Interessant ist diese Karte deshalb wohl nur für Leute mit großen Bauprojekten.

Nach Gewohnheit entscheiden

Die ideale Kundenkarte oder das beste ­Rabatt- oder Bonussystem sähe wohl so aus: kostenlos, mit übersichtlichen Sofortrabatten oder schneller Verrechnung bei vielen Partnern und mit verbraucherfreundlichen Datenschutzbestimmungen oder gleich ganz anonym. Eine solche ­Karte gibt es unter den von Finanztest untersuchten Programmen nicht.

Dem idealen Bonussystem sehr nahe kommen aber viele einfache Treuekarten. Wenn das Kaffeehaus das achte Getränk kostenlos serviert, sind das immerhin 12,5 Prozent Rabatt. Ist der 11. Haarschnitt beim Lieblingsfriseur kostenlos, entspricht das noch gut 9 Prozent.

Ähnlich gute Rabatte erreichen auch regelmäßige Döneresser oder Stammkunden einzelner Bäcker. Doch keines der von uns untersuchten Programme bietet so hohe Rabatte auf so einfache Art und Weise.

In den meisten Fällen hat die Entscheidung für eine Kundenkarte wohl gar nicht so viel mit Vernunft zu tun, sondern eher mit dem Bauchgefühl – wie das Jawort der Verliebten.

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