Quetschies produzieren viel Müll. Wieder­verwend­bare Quetschbeutel sind eine gute Alternative.

Für Babys sollten Quetschies tabu sein. Größere Kinder dürfen zugreifen – ab und zu. Die Stiftung Warentest hat die wichtigsten Fakten zu den praktischen Obst­mus-Beuteln zusammen­getragen. Dazu gibt es drei wieder­verwend­bare Quetschbeutel im Test – müll­sparende und güns­tige Alternativen zu Fertig-Quetschies.

Quetschies sind beliebt

Sie heißen „Freche Freunde“, „Pfelino“, „Frucht­Bar“ oder „Drück mich“: Quetschies – weiche Kunst­stoff­beutel mit Mischungen aus Frucht­mus. Sie sind praktisch für unterwegs, finden viele Eltern, auch weil sie platz­sparend in der Tasche verschwinden und oft nicht in den Kühl­schrank müssen. Und Obst ist für die Kleinen doch immer das Richtige – oder?

In den Regalen stehen neben reinen Frucht­mischungen, oft mit Apfel und Banane, manchmal auch mit Beeren oder exotischen Zutaten wie Passions- oder Drachen­frucht, auch Zubereitungen mit Joghurt, Getreide oder vereinzelt mit Keksen . Wir haben die Zutaten­listen von 27 beispielhaft ausgesuchten Fertig-Quetschies aus dem Handel, oft Bioware, verglichen: Kalorien­gehalt, Zucker­anteil, Preise. Praktische Obst­mahl­zeit oder ungesunde Süßig­keit? Für Eltern und Groß­eltern haben wir die wichtigsten Fakten zusammen­gestellt.

Zusätzlich nahmen wir im Labor zwei Quetschbeutel und eine Quetsch­flasche zum Selbst­befüllen unter die Lupe. Unser Schnelltest zeigt: Diese Anschaffung lohnt sich. Was am besten hinein­kommt finden Sie in unserem Rezept für Selbstmacher.

Tests rund um Kinder und Familie auf test.de

Auto­kinder­sitze. Test­ergeb­nisse zu 491 Kinder­sitzen von denen derzeit 248 derzeit liefer­bar sind, finden Sie in unserem Test Autokindersitze.

Musikspieler. Wir haben 13 Musikspieler für Kinder geprüft, darunter klassische CD-Player und moderne Modelle wie die beliebte Toniebox.

Kinder­wagen. Zwischen 169 und 1 520 Euro kosten die Kinderwagen im Test, darunter Modelle von Bugaboo, Cybex und Joolz.

Kinder­hoch­stühle. 20 Modelle finden Eltern in unserem Test Kinderhochstühle. Erschre­ckend: Elf Stühle sind mangelhaft.

Quetschbeutel verleiten zum Nuckeln – schlecht für Zähne und Sprach­erwerb

Ob groß oder klein, wer am Quetschie saugt, riskiert Karies: Pürierte Nahrung bleibt eher an den Zähnen haften als feste Speisen. Obst­mus enthält viel Zucker und Frucht­säuren. Langes Nuckeln verstärkt die Gefahr für die Zähne. Quetschies sollten daher Hinweise tragen wie etwa die „Drück mich“-Packung von Bebivita: „... kann schwere Zahn­schäden (Karies) verursachen“. Einigen Quetschies fehlen solche Angaben. Auf vielen Beuteln fanden wir den Rat: „Am besten über den Löffel geben.“ Das wäre tatsäch­lich sinn­voll – aber: Dass kein Löffel gebraucht wird, ist gerade die Idee, die hinter Quetschies steckt.

Die Ernährungs­kommis­sion der Deutschen Gesell­schaft für Kinder- und Jugend­medizin (DGKJ) rät in ihrer Stellung­nahme „Beikostprodukte aus Quetschbeuteln“ generell von Quetschies ab – vor allem, wenn es um Unter-Einjährige geht. Denn Babys und Klein­kinder, die etwa Apfel­schnitze oder Karotten angeboten bekommen, üben so das Kauen und trainieren die gesamte Mund- und Kiefermuskulatur – wichtig, um Sprechen zu lernen. Das fällt mit Quetschies weg.

Quetschies enthalten im Schnitt so viel Zucker wie die gleiche Menge Cola

Quetschies. Fünf Produkte aus unserem Deklarations-Check.

Die 27 Quetschies in unserem Check – meist im 100-Gramm-Beutel – bestehen über­wiegend aus Früchten verschiedener Sorten. Einige sind ein Mix mit Getreide, Joghurt oder beidem. „Ohne Zucker­zusatz“ – so werben manche Anbieter, zum Beispiel für Rewe Bio Erdbeere & Birne. Tatsäch­lich kommen laut Zutaten­liste viele Produkte ohne zugesetzte Süße aus. Allerdings enthalten sie von Natur aus frucht­eigenen Zucker: die Quetschies in unserem Check im Schnitt 11 Gramm pro 100 Gramm. Das ist ähnlich viel Zucker wie in klassischer Cola. Dort ist er zwar zugesetzt, doch so oder so gilt: Ein Gramm Zucker bringt vier Kilokalorien mit. Einzelne Quetschies, etwa Spree­wald­hof Pfelino Apfel Banane, enthalten sogar 16,5 Gramm frucht­eigenen Zucker je 100 Gramm – in Zuckerwürfel umge­rechnet wären das gut fünf Stück.

Obst-Quetschies sind praktisch für unterwegs – und besser als Schokoriegel

Quetschies sind keine Zwischenmahl­zeit. Aber wenns unterwegs partout ein Snack zwischen­durch sein soll, dann lieber ein Obst-Quetschie als etwa ein kalorien­schwerer Schokoriegel. Ein 45-Gramm-Riegel etwa enthält schon mal mehr als 20 Gramm Zucker – also doppelt so viel wie die meisten Quetschies. Generell sollte Frucht­mus nur als Ergän­zung einer Mahl­zeit dienen, beispiels­weise statt Pudding zum Nachtisch. In Wackelpudding etwa können an die 18 Gramm Zucker pro 100 Gramm stecken – 6 Zuckerwürfel.

Quetschies können Obst- und Gemüsemuffel auf den Geschmack bringen

Manche Kinder verweigern standhaft frisches Obst und Gemüse. Bei Quetschies sagen die meisten dagegen nicht Nein. Die Pürees sind aber keinesfalls eine Dauer­lösung, sie taugen nur zum „Anfüttern“. Denn obwohl viele Quetschies gezielt als Kinder­nahrung mit Alters­angaben „ab 1 Jahr“ oder sogar „ab vier Monaten“ verkauft werden – und damit unter die strengen Regeln der Diät­ver­ordnung fallen –, können sie eine hohe Energiedichte haben, also vergleichs­weise viele Kalorien mitbringen. Die Autoren der DGKJ-Stellung­nahme zu Beikost aus Quetschbeuteln mahnen deshalb: „Bei regel­mäßigem Verzehr muss mit einer unausgewogenen Nähr­stoff­zufuhr“ gerechnet werden. Zudem enthalten die Obst­pürees weniger Ballast­stoffe, als viele hoffen: Zur Deckung des Tages­bedarfs tragen sie kaum bei. Kinder sollten Obst im Original kennen­lernen, das sie anfassen und beschnuppern können. Natur pur ist auf Dauer besser – nicht nur für die Kleinsten.

Quetschies sind teuer und produzieren jede Menge Müll

Die Beutel können ganz schön ins Geld gehen – zwischen 40 Cent und 1,10 Euro kosten 100 Gramm. Meist sind sie deutlich teurer als Frucht­mus aus Gläschen oder Kartons. Zum Beispiel kostet ein Hipp-Gläschen „Mango Banane in Apfel“ 63 Cent pro 100 Gramm, die gleiche Menge als Erdbeer-Banane-in-Apfel-Quetschie von Hipp 20 Cent mehr. Fertig-Quetschies verursachen außerdem jede Menge Abfall. Eine gute Alternative sind wieder­verwend­bare Quetschbeutel: Sie lassen sich viele Male mit Selbst­gekochtem oder Frucht­mus aus der Groß­packung befüllen. Das ist trotz ihres Anschaffungs­preises sowie der Energie- und Wasser­kosten für selbst­zubereitetes Mus güns­tiger als Fertig-Quetschies – und macht kaum Müll.

Fazit: Für ganz kleine Kinder unter einem Jahr sind Quetschies nichts, für ältere Kinder höchs­tens im Wechsel mit Obst. Eltern sollten auf den Beuteln die Nähr­wert­angaben vergleichen und vor allem auf einen möglichst nied­rigen Zucker­gehalt achten. Wer Fruchtmus selbst zubereitet, hat besser in der Hand, was ihm in die Tüte kommt. Die beste Wahl ist aber immer das Original: Obst zum Beißen.

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