Ausländische Einzel­aktien locken oft mit hohen Dividenden. Doch Quellen­steuern und Bank­gebühren schmälern die Rendite.

Dividenden statt Zinsen – angesichts von Null- oder Magerzinsen auf Tages- und Fest­geld setzen viele Anleger beim Investieren auf dividenden­starke Einzel­aktien. Dabei lohnt häufig ein Blick über die Grenzen. Denn im Ausland sitzen etliche Aktiengesell­schaften, die ihren Aktionären hohe Dividenden in Aussicht stellen. Doch Anleger sollten damit rechnen, dass davon nicht alles bei ihnen ankommt. Denn häufig hält der Heimatfiskus des Unter­nehmens die Hand auf und behält Quellen­steuern ein. Nicht immer gibt es diese voll­ständig zurück – und oft kostet das Zurück­holen auch noch saftige Bank­gebühren und Spesen (Tabelle Auslandsdividende). Wer im Ausland investiert, sollte also die Quellen­steuer­regeln im Blick behalten, um keine ärgerlichen und teuren Über­raschungen zu erleben.

Unser Rat

Informieren. Sie setzen gerne auf ausländische Werte, und zwar nicht auf Fonds, sondern auf Einzel­aktien? Beachten Sie, dass im Ausland oft Quellen­steuern einbehalten werden, die die Rendite schmälern. Die deutschen Steuerbehörden rechnen davon meist maximal 15 Prozent auf die deutsche Abgeltung­steuer an (Tabelle Quellensteuersätze für Dividenden im Ausland).

Zurück­holen. Quellen­steuer, die über den Satz von 15 Prozent hinaus­geht, können Sie sich zurück­holen. Doch das Antrags­verfahren ist kompliziert und teuer. Depot­banken und Lager­stellen verlangen dafür oft saftige Gebühren. Güns­tige Institute zeigt die Tabelle Auslandsdividende. Daumen­regel: Erst ab einem mitt­leren drei­stel­ligen Erstattungs­anspruch lohnt sich der Aufwand.

Vermeiden. Singapur und Groß­britannien behalten keine Quellen­steuern auf Dividenden ein. Steuern auf Dividenden in den Nieder­landen, Luxemburg, Neuseeland, Japan, Griechen­land und Thai­land werden Ihnen zumindest in voller Höhe in Deutsch­land ange­rechnet.

Die wichtigsten Spiel­regeln

Erzielen Anleger mit Depots in Deutsch­land Kapital­erträge in Form von ausländischen ­Dividenden, greifen die Regeln der Abgeltung­steuer: 25 Prozent Steuern werden fällig, aber erst , wenn man den Sparerpausch­betrag von 801 Euro pro Person und Jahr (1 602 Euro für Ehepaare) ausgeschöpft hat. Kapital­erträge bis zu diesem Wert bleiben steuerfrei, sofern man seiner Depot­bank im Inland einen Frei­stellungs­auftrag erteilt hat. Wird Abgeltung­steuer fällig, gehen zusätzlich 5,5 Prozent der Steuer als Solidaritäts­zuschlag ab, außerdem eventuell Kirchen­steuer.

Bei Auslands­aktien kommt es vor, dass der dortige Fiskus auf die Dividendenzahlung bereits Quellen­steuern einbehalten hat. Das schafft Probleme. Denn im Ausland einbehaltene Quellen­steuer dürfen die Depot­banken mit Sitz in Deutsch­land in der Regel nur bis zur Höhe von 15 Prozent­punkten auf die Abgeltung­steuer anrechnen. Damit sind die Länder vorteilhaft, die von Auslands­aktionären entweder gar keine oder nur Quellen­steuern bis zu diesem Satz erheben. Alles, was an Quellen­steuer darüber hinaus­geht, müssen sich die Anleger beim Auslands­fiskus zurück­holen. Das kann mühsam sein, einiges kosten – und über­dies auch dauern. Häufig lohnt der Aufwand nicht (siehe Unser Rat, oben).

Tipp: Keinen Stress haben Sie mit Dividenden aus Groß­britannien und Singapur – diese Staaten verzichten ganz auf einen Abzug von Quellen­steuern. Auch Dividenden aus den Nieder­landen, Luxemburg, Neuseeland, Japan, Griechen­land und Thai­land sind problemlos – die Quellen­steuer dieser Staaten wird in voller Höhe in Deutsch­land ange­rechnet. Die Depot­bank zwackt zusätzlich nur noch die fehlenden Prozente ab – Sie zahlen also insgesamt immer nur die 25 Prozent, die auch bei einer inländischen Geld­anlage fällig werden. In diesen Fällen müssen Sie nichts weiter unternehmen. Ihre Steuer­pflicht haben Sie damit erfüllt.

Abzug trotz Frei­stellungs­auftrag

Wichtig: Ein deutscher Freistel­lungs­auftrag verhindert den Abzug ausländischer Quellen­steuern nicht. Auch Kleinsparer, die weniger als 801 Euro an Kapital­erträgen erzielen und eigentlich steuerfrei bleiben sollten, werden daher zur Kasse gebeten. Übers Jahr angefallene, aber noch nicht ange­rechnete Quellen­steuern trägt die deutsche Depot­bank für den Sparer in einem eigenen Verrechnungs­topf bis zum Ende des Jahres vor, um sie mit seiner Steuerschuld auf später zufließende Kapital­erträge zu ver­rechnen.

Am Jahres­ende nicht verrechnete Quellen­steuer wird in der Jahres­steuerbe­scheinigung aufgeführt. Anleger können sie dann über die Steuererklärung mit den Erträgen bei einer anderen Bank verrechnen lassen.

Ist das nicht möglich, verfällt die Verrechnungs­möglich­keit. Denn anders als bei Kurs­verlusten ist der Über­trag ins Folge­jahr nicht möglich.

Einbehaltene Quellen­steuern von mehr als 15 Prozent müssen sich Anleger von den ausländischen Finanzbehörden in Eigen­regie zurück­holen. Wie hoch in den einzelnen Staaten der Quellen­steuer­abzug auf Dividenden ausfällt und wie viel man per Erstattungs­antrag zurück­erhalten kann, ist auf der Internetseite des Bundes­zentral­amts für Steuern (bzst.de) unter dem Stich­wort „Steuern Interna­tional“ und „Ausländische Quellen­steuern“ abzu­rufen (Tabelle Quellensteuersätze für Dividenden im Ausland). Die Seite wird regel­mäßig aktualisiert, sie ist jedoch nicht tages­aktuell. Unter dem Stich­wort „Ausländische Antrags­formulare“ können Anleger dort die notwendigen Erstattungs­formulare abrufen oder zumindest Informationen über die Internet­seiten der ausländischen Behörden erhalten.

Tipp: Schieben Sie die Rück­for­derung der Quellen­steuer nicht zu lange vor sich her. Es gelten je nach Land unterschiedliche Verjährungs­fristen von zwei bis vier Jahren ab Dividendenzahltag.

In manchen Staaten kann man die Quellen­steuer ohne fremde Hilfe zurück­fordern. Andere Staaten akzeptieren Rück­forderungs­anträge nur, wenn diese über die Depot­bank einge­reicht werden. Und die lassen sich ihren Service zum Teil fürst­lich entlohnen. Aufgrund der dabei anfallenden Gebühren lohnen sich Rück­forderungs­anträge daher nur bei größeren Summen. Wie das große Quellen­steuer­spiel funk­tioniert, lässt sich an den folgenden Länderbei­spielen kurz erklären.

USA: Bei passender Bank kein Abzug

USA. Mit passender Depot­bank gibt es keine Probleme mit US-Quellen­steuern.

Der mit Abstand größte Aktienmarkt der Welt lockt mit starken Dividenden­titeln. Eigentlich verlangt der US-Fiskus auf die Dividenden von Coca Cola & Co eine Quellen­steuer von 30 Prozent. Davon wird die Hälfte (15 Prozent) deutschen Anlegern auf die heimische Steuerschuld ange­rechnet. Doch wer die passende Depot­bank wählt, spart sich viele Scherereien. Dann werden von vorn­herein auf die US-­Dividenden nur 15 Prozent Quellen­steuer ­abge­zogen und diese rechnet der deutsche Fiskus in voller Höhe auf die deutsche Abgeltung­steuer an (Tabelle Quellensteuersätze für Dividenden im Ausland).

Tipp: Fragen Sie bei Ihrer Bank nach, ob sie bei der US-Steuerbehörde IRS als sogenannter „Qualified Interme­diary“ registriert ist – dann kommen Sie in den Genuss des verminderten Quellen­steuer­abzugs. Sämtliche Depot­banken unserer Stich­probe von insgesamt 23 Instituten erfüllten diese Anforderung.

Schweiz: „Tax Voucher“ kostet

Schweiz. Den nötigen Tax Voucher ­erstellt nicht jede Bank umsonst.

Etwas mehr Arbeit und häufig auch Kosten bereiten Schweizer Aktien: Die Schweiz behält stolze 35 Prozent Verrechnung­steuer von jeder Dividenden­gutschrift als Quellen­steuer ein. Deutsche Anleger erhalten 15 Prozent­punkte auf die deutsche Steuerschuld angerech­net. Die verbleiben­den 20 Prozent­punkte holt man sich von der Eidgenössischen Steuerver­waltung in Bern zurück. Das notwendige Formular gibt es über die Internetseite des deutschen Bundes­zentral­amts für Steuern (bzst.de), es lässt sich online ausfüllen. Dazu braucht man mit dem „Snapform Viewer“ ein kleines Zusatz­programm, das die Schweizer Behörden kostenlos zum Download anbieten.

Tipp: Sie können das zweiseitige, leicht auszufüllende Erstattungs­formular auch kostenlos bei den Schweizer Behörden anfordern. Senden Sie es zunächst an Ihr deutsches ­Finanz­amt. Das muss mit amtlichem Siegel bestätigen, dass Sie in Deutsch­land als Steuerzahler registriert sind. Schi­cken Sie es dann zusammen mit dem Dividendenbeleg und ­einem „Tax Voucher“, den die Depot­bank mit dem Dividendenbeleg liefern muss, an die Schweizer Steuerbehörden.

Beim Tax Voucher geht die Gebühren­schneiderei deutscher Banken los. In der Spitzengruppe unseres Vergleichs vertreten sind die Berliner Sparkasse mit 25 Euro je Voucher, gefolgt von der Onvista Bank und der Santander Bank mit je 20 Euro. Die Kreissparkasse Köln nimmt pro Kunde und Jahr 29,75 Euro. Dass es auch umsonst geht, zeigen Consors­bank, Deutsche Bank, ING-Diba, Maxblue, Volks­wagen­bank, 1822 direkt, Berliner Volks­bank, Hamburger Sparkasse und Post­bank.

Das eigentliche Erstattungs­verfahren der Schweizer ist kostenfrei und dauert bis zu sechs Monate. Dann hat man sein Steuergeld zurück. Doch aufgepasst: Da die Erstattung in Schweizer Franken erfolgt, verlangen manche Banken für den Währungs­tausch in Euro eine zusätzliche Gebühr. Alles in allem ist die Steuerrück­forderung aus der Schweiz aber unpro­blematisch. Ähnliches gilt auch für ­Österreich und Belgien.

Frank­reich: Teures Pflaster

Frank­reich. Ohne Hilfe der Depot­bank klappt es nicht mit der Rück­erstattung.

Kompliziert und schnell richtig teuer wird es in Frank­reich: Satte 30 Prozent Quellen­steuer werden einbehalten. Das Haupt­problem liegt im komplizierten Rück­erstattungs­verfahren. Denn das können Anleger nicht ohne fremde Hilfe durch­laufen. Sie brauchen dafür ihre Depot­bank und den Daten­dienst­leister Clear­stream. Und die kassieren beide häufig ordentlich ab.

Der Reihe nach: Das leicht verständliche Erstattungs­formular gibt es online über das Bundes­zentral­amt. Danach muss man es für eine Wohn­sitz­bestätigung zu seinem deutschen Finanz­amt schi­cken. Doch dann kann man das Formular nicht einfach direkt nach Frank­reich schi­cken und um Rück­zahlung der Quellen­steuer bitten. Erstattungs­anträge bearbeitet die französische Steuerbehörde nur, wenn sie über die Depot­bank einge­reicht ­werden und die deutsche Lager­stelle, in diesem Fall die Clear­stream in Frank­furt am Main, bestätigt, dass die Aktien in einem deutschen Depot verwahrt werden.

Und jetzt wird es häufig recht kost­spielig: Die Banken unserer Stich­probe verlangen für ihre eigenen Dienste bis zu 100 Euro je Antrag (Berliner Sparkasse). Die ING-Diba will 50 Euro, die Targo­bank 45,70 Euro pro Antrag haben. Dass es auch ohne eigene Gebühren geht, zeigen etwa Maxblue, Deutsche Bank, Post­bank und Hamburger Sparkasse. Doch das war noch nicht alles: Bei der Mehr­heit der Anbieter kommen Fremd­gebühren pro Dividenden­ausschüttung hinzu, meist Clear­stream-Gebühren in Höhe von 71,40 Euro.

Die Kreissparkasse Köln verlangt an Fremd­spesen sogar 71,40 Euro je Antrag plus 71,40 Euro pro Ausschüttung. Die Targo­bank rechnet ein Beispiel vor: Auf zwei rück­forder­bare Positionen von insgesamt 500 Euro berechnet sie 45,70 Euro eigene Gebühren plus zweimal 71,40 Euro Clear­stream-Gebühr. So kommen von ursprüng­lich 500 Euro nur 311,50 Euro Steuererstattung beim Anleger an.

Ein Licht­blick: Das französische Parlament hat eine Steuerreform verabschiedet. Demnach sinkt der Steu­ersatz auf nur noch 12,8 Prozent. Das wären weniger als die 15 Prozent, die die deutschen Steuerbehörden auf die Abgeltung­steuer anrechnen würden, sodass sich das Rück­erstattungs­problem mit Frank­reich erledigt haben könnte. Allerdings waren bis Redak­tions­schluss die neuen Regeln noch nicht in der Anwendung. Daher bleibt vor­erst in Frank­reich alles beim Alten.

Vorabbefreiung in manchen Ländern

In manchen Ländern besteht zumindest theoretisch die Möglich­keit, sich vorab als EU-Anleger registrieren zu lassen und so nur mit dem verminderten Quellen­steu­ersatz belastet zu werden, der in Deutsch­land voll ange­rechnet werden kann. Das klingt zunächst gut, weil der Papierkram mit der nach­träg­lichen Rück­forderung über­zahlter Steuer entfällt. Denk­bar ist so eine Vorabbefreiung derzeit etwa für Frank­reich, Italien, Schweden, Finn­land und Norwegen, aber auch für Australien und Kanada.

In der Praxis funk­tioniert diese Vorab­be­freiung allerdings nicht reibungs­los. Nicht alle Institute bieten den Service an, andere verlangen dafür extra Gebühren. Comdirect berechnet 5,95 Euro für jede vorab befreite ­Dividende – Clear­stream-Spesen zum Beispiel (71,40 Euro) kommen hinzu. Bei manchen Instituten muss man dafür eine sogenannte DBA-Voll­macht erteilen, DBA steht für Dop­pelbesteuerungs­abkommen.

Tipp: Erkundigen Sie sich vor dem Kauf von Aktien aus anderen Ländern, wie die Bank beim Quellen­steuer­abzug verfährt.

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