Profil: EFQM-Qualitätsmodell: EFQM-Qualitätsmodell

Name/Bezeichnung: EFQM-Qualitätsmodell

URL: www.deutsche-efqm.de, www.ilep.de

Entwickler/Anbieter/Inhaber: European Foundation for Quality Management

Status: Qualitätsmodell ohne Normcharakter

Beschreibung: Das EFQM-Qualitätsmodell ist dem Total Quality Management (TQM) verpflichtet. Es strebt eine ganzheitliche Sicht auf das Unternehmen an, indem Menschen, Ergebnisse und Prozesse gleichermaßen in den Blick genommen werden.

Das Modell geht von einem neun Kriterien umfassenden unverbindlichen Rahmen aus, mit denen Unternehmen und Organisationen ihre Ergebnisse und Verbesserungsbemühungen bewerten können. Diese Kriterien sind in so genannte Befähiger- und Ergebniskriterien unterteilt. Befähigerkriterien sind Führung, Mitarbeiter, Politik und Strategie, Partnerschaften und Ressourcen sowie Prozesse des Unternehmens; Ergebnis-Kriterien sind mitarbeiterbezogene, kundenbezogene und gesellschaftsbezogene Ergebnisse sowie Schlüsselergebnisse.

Das Modell beruht laut dem Deutschen Excellence-Center auf den so genannten Grundkonzepten der Excellence:

  • Ergebnisorientierung: Organisationen sollten die Interessen (aktueller und zukünftiger) Interessengruppen voraussehen und messen, deren Erfahrungen und Wahrnehmungen überwachen und die Leistung anderer Organisationen beobachten und bewerten.
  • Ausrichtung auf den Kunden: Sie sollten wissen, dass die klare Ausrichtung auf die Bedürfnisse und Erwartungen der derzeitigen und potenziellen Kunden deren Loyalität und Bindung sowie den Marktanteil maximiert.
  • Führung und Zielkonsequenz: Sie sollten Führungskräfte haben, die eine klare Ausrichtung ihrer Organisation festlegen und kommunizieren. Auf diese Weise sollten sie andere Führungskräfte überzeugen und motivieren, ihre Mitarbeiter für die Ziele zu gewinnen.
  • Management mittels Prozessen und Fakten: Sie sollten ein Managementsystem besitzen, das auf den Bedürfnissen und Erwartungen aller Interessengruppen basiert und auf deren Erfüllung ausgerichtet ist. Die systematische Umsetzung von Politik, Strategien, operativen Zielen und Planungen der Organisation sollte durch ein klar strukturiertes und integriertes Netzwerk von Prozessen sichergestellt und bewerkstelligt werden.
  • Mitarbeiterentwicklung und -beteiligung: Die benötigten Kompetenzen zur Umsetzung der Politik, Strategien, operativen Zielen und Planungen der Organisation sollten sie schaffen, indem sie ihre Mitarbeiter durchgängig aktiv und mit positiver Grundhaltung rekrutieren, entwickeln und unterstützen.
  • Kontinuierliches Lernen, Innovation und Verbesserung: Sie sollten kontinuierlich von ihren eigenen Erfahrungen und Leistungen als auch von Aktivitäten und Leistungen Anderer lernen.
  • Entwicklung von Partnerschaften: Sie sollten erkennen, dass ihr Erfolg von den Partnerschaften abhängen kann, die sie aufbauen; deshalb sollten sie andere Organisationen für Partnerschaften aussuchen und entwickeln.
  • Soziale Verantwortung: Sie sollten sich einem ethischen Anspruch stellen, indem sie als verantwortungsvolle Organisation ihr Handeln gegenüber ihren Interessengruppen transparent machen und darüber Rechenschaft ablegen.

Zielgruppe: Das Modell ist für europäische Unternehmen und Organisationen entwickelt worden und branchenunabhängig einsetzbar.

Reichweite/Bedeutung: Das EFQM-Modell mit dem dazu gehörigen Europäischen Qualitätspreis (EFQM Excellence Award) ist das europäische Gegenstück zum US-amerikanischen Malcolm Baldrige National Quality Award (MBNQA). Es genießt europaweit Anerkennung; in Deutschland firmiert der Qualitätspreis unter der Bezeichnung Ludwig-Erhard-Preis.

Verfahren: Voraussetzung für die Teilnahme ist eine Selbstbewertung. Ergebnis der Bewertung ist eine Stärken-Schwächen-Analyse, eine Messung des Reifegrades oder die Offenlegung von Handlungsfeldern. Daraus können dann das Unternehmen oder die Organisation konkrete Projekte ableiten, die seine/ihre Qualität verbessern sollen.

In der ersten Stufe des Modells sind drei Projekte einer externen Bewertung zu unterziehen („Comitted for Excellence“). In der zweiten Stufe wird der Umsetzungstand des Modells extern geprüft („Recognised for Excellence“). Und in der dritten Stufe können sich die Unternehmen dann für den Ludwig-Erhard-Preis oder den EFQM Excellence Award bewerben.

Die Dauer des Verfahrens variiert von Stufe zu Stufe; von der Selbstbewertung bis zur ersten externen Bewertung zum Beispiel braucht es sechs bis neun Monate; die Urkunden für die ersten beiden Stufen des Modells sind jeweils zwei Jahre gültig.
Grundsätzlich geht es beim EFQM-Modell um das Streben nach den formulierten Höchststandards, d.h. um das Erreichen der so genannten Excellence.

Nutzen: Das EFQM-Modell stellt die Messung von Maßnahmen, die dem Kunden nutzen, sowie den Aufbau entsprechender Prozesse im Unternehmen in den Mittelpunkt. Es ist aber nicht eigens auf den Weiterbildungsmarkt zugeschnitten und hat so zum Beispiel keine Vorgaben, die konkret auf Bildungsprozesse ausgerichtet sind.

Fazit: Die internationale Ausrichtung des EFQM-Modells macht es vor allem für solche Weiterbildungseinrichtungen interessant, die grenzüberschreitend arbeiten. Auch für Unternehmen mit engen Kontakten zur Industrie ist EFQM ein Erfolg versprechender Ansatz, da TQM-Modelle in diesem Bereich weit verbreitet und anerkannt sind. Im Umkehrschluss können Bildungsinteressierte, die ihr Tätigkeitsfeld im industriellen Bereich und/oder in europäischen Regionen sehen, der Reputation einer Weiterbildung mit EFQM-Auszeichnung sicher sein.
Allerdings besitzt das EFQM-Qualitätsmodell keine direkten Bezüge zu Bildungsdienstleistungen. Erst bei Unternehmen oder Organisationen, die von der EFQM mit der Stufe „Recognised for Excellence“ ausgezeichnet sind, schließt der Qualitätsentwicklungsprozess deren Kernleistungen und damit auch die Lernangebote mit ein.

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