Qualität von Biolebens­mitteln

Siegel

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Qualität von Biolebens­mitteln - Die Bilanz aus 85 Tests

In Deutsch­land trägt Bioware verschiedene Siegel. Wie aber unterscheiden sie sich?

Inhalt
Qualität von Biolebens­mitteln - Die Bilanz aus 85 Tests
Deutsches Bio Zeichen. Seit 2001. Es steht für EU-Ökostan­dards auf 58 000 Produkten. Das freiwil­lige Siegel bleibt weiter gültig.

Verbraucher in Deutsch­land haben im Jahr 2009 gut 60 Prozent ihrer Biolebens­mittel beim Discounter gekauft, so eine Studie der Gesell­schaft für Konsumforschung. Wie alle anderen Biolebens­mittel entsprechen auch sie mindestens den Vorgaben der EU-Ökover­ordnung und dürfen das wabenförmige deutsche Ökosiegel tragen.

Qualität von Biolebens­mitteln - Die Bilanz aus 85 Tests
EU-Bio-Logo. Es muss ab Juli 2010 auf verpackter Ware stehen, die der EU-Öko-verordnung entspricht. Andere Siegel bleiben gültig.

Ab 1. Juli 2010 wird es vom neuen blatt­förmigen EU-Ökosiegel abge­löst, das dann auf jedem Bioprodukt in der Europäischen Union stehen muss. Das gilt auch für Ware, die von den Mitglieds­betrieben der neun Anbau­verbände in Deutsch­land stammt (siehe unten). Die Verbands­siegel bleiben parallel dazu gültig, das bisher freiwil­lige deutsche Ökosiegel auch.

Bei Bioware kaufen wir für unsere Tests bevor­zugt Produkte der Anbau­verbände ein, da sie für Bio in Reinform und als engagierter Gegen­entwurf zur konventionellen Lebens­mittel­praxis stehen. Allerdings haben wir keine qualitativen Vorteile gegen­über Bioware mit EU-Stan­dard fest­gestellt.

Öko pur vom Anbau­verband

In Deutsch­land arbeiten knapp 70 Prozent aller Bioland­wirte nach den Vorgaben eines Anbau­verbandes. Alle anderen orientieren sich – wie auch die meisten ausländischen Ökobauern – an der EU-Ökover­ordnung. Sie basiert auf den Erfahrungen deutscher Biopioniere, legt aber weniger straffe Kriterien fest als die Anbau­verbände. Egal, ob Mitglied beim Anbau­verband oder nicht – alle Biobetriebe eint, dass sie auf chemisch-synthetische Pflanzen­schutz­mittel, mineralischen Stick­stoff­dünger und vorbeugende Medikamente für Tiere verzichten. Unterschiede bestehen bei der Hofbe­wirt­schaftung und Verarbeitung.

Die Anbau­verbände wollen den Kreis­lauf von Boden, Pflanze und Tier bewahren, so dass der gesamte Betrieb auf Bioland­bau umge­stellt werden muss. Mindestens die Hälfte des Vieh­futters sollte vom eigenen Hof stammen. Für die Verarbeitung von Lebens­mitteln sind nur bei Engpässen konventionelle Zutaten zugelassen. Zusatz­stoffe sind eher Ausnahmen. Zugekaufte Rohstoffe sollten aus der Region kommen.

Die EU-Ökover­ordnung dagegen verfolgt keinen ganz­heitlichen Ansatz: Die Höfe dürfen auch nur teil­weise ökologisch ausgerichtet sein. Tiere wie Mast­hühner und Legehennen können auf halb so großer Fläche leben wie auf Verbands­höfen. Verarbeitete Lebens­mittel dürfen bis zu 5 Prozent konventionelle Zutaten enthalten.

EU-Ökosiegel macht Bio oft güns­tiger

Land­wirte, die sich an die EU-Ökover­ordnung halten, können quasi industriell und oft produktiver wirt­schaften als Verbands­kollegen. Das macht die Ware güns­tiger für die Haupt­abnehmer des konventionellen Handels. Sie vermarkten EU-Biowaren als eigene Biomarken wie „GutBio“ bei Aldi (Nord) oder „Biotrend“ bei Lidl. Das Discountersortiment beschränkt sich meist auf wenige Dutzend Artikel, kostet aber laut Markt­studien bis zu 30 Prozent weniger als im Natur­kost­handel. Seit 2002 steigerten die Discounter ihre Umsätze mit Bioware im zwei­stel­ligen Bereich. 2009 verloren sie 3 Prozent beim Bioumsatz. In der Finanz­krise stagnierte der Biomarkt. Die Preise waren rück­läufig, nicht aber die verkaufte Menge. Ökoware hat sich weiter etabliert, wohl auch weil sie sich mit Werten wie Umwelt- und Tier­schutz und soziale Verantwortung verbinden lässt.

Siegel der deutschen Anbau­verbände:

Bioland

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Größter Verband in Deutsch­land (5 230 Bauern, 84 Hersteller). Warenzeichen seit 1976. Konzept fußt auf organisch-biologischem Anbau der 40er Jahre.

demeter

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Basiert auf biologisch-dyna­mischer Land­wirt­schaft. Warenlogo seit 1928. Mitglieder in Deutsch­land (400 Bauern, 220 Hersteller) und der Welt (4 300 Bauern).

Natur­land

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Fördert interna­tionalen Ökoland­bau. Welt­weit 50 000 Bauern, davon 2 240 in Deutsch­land. Engagiert für Aquakultur, Wald, Textilien, Kosmetik. Seit 1982.

Biokreis

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Gegründet 1979 in Passau. Regionaler Schwer­punkt Ostbayern. Darüber hinaus in fünf Bundes­ländern vertreten. Mitglieder: 800 Land­wirte, 80 Verarbeiter.

Biopark

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1991 in Meck­lenburg-Vorpommern gegründet. Inzwischen 700 Mitglieds­betriebe bundes­weit. Schwer­punkt Milch, Fleisch.

Gäa

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Erster Anbau­ver­ein der DDR, den Umwelt­aktivisten 1988 gegründet haben. Mit 320 Bauern und 20 Herstel­lern heute bundes­weit aktiv.

Ecoland

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Zusam­menschluss von 37 Betrieben in Baden-Württem­berg. Gewürz­projekt unterstützt kleine Projekte in Entwick­lungs­ländern.

Verbund Ökohöfe

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Erst 2007 gegründet. Mitglieder: 161 Höfe und 9 Verarbeiter in Nieder­sachsen, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt.

Ecovin

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210 Ökowinzer in 10 deutschen Wein­gebieten gehören dazu. Seit 1985. Programm: schonender Umgang mit Wasser und Boden.

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Lena93 am 22.01.2018 um 19:14 Uhr
Wissenschaft schafft Wissen

Einen Spruch meines Medizin Professors werde ich nie vergessen: “die gefährlichsten Gifte kommen aus der Natur, nicht aus der Industrie”, das ist ein Fakt, den viele Menschen nicht wissen bzw. wissen wollen.
Kleines Beispiel: Aflatoxin: Einer der am stärksten krebsfördernden Stoffe, wird von einem Schimmelpilz gebildet. Fast nichts was man isst ist nicht irgendwo giftig und vieles was man isst, ist sicherlich giftiger als Pestizide, die die Opferrolle in dieser Panik-Mache geworden sind. Esst was euch glücklich macht ob Bio oder nicht bio, aber wollte man keimfrei und giftfrei leben, so könnte man das Essen auch gleich sein lassen.

schmid1009 am 04.05.2017 um 20:28 Uhr
Bio nur ein Verkaufsmittel

Dies beweist wieder einmal dass eine gesunde und vernünftige Ernährung auch ohne die überteuerten Biolebensmittel möglich ist.Ich finde es schon verwegen, nur weil Bio drauf steht zu glauben alles ist gesund. Wie bei vielen Produkten kommt es auf die frische an, dies ist im Hinblick auf den Nährstoffgehalt am wichtigsten.

gerhardstorm am 06.06.2014 um 13:11 Uhr
Pestiziden, Multipestiziden etc. nicht bei Bio!

Angesichts der Flut von Pestiziden, Multipestiziden u. and. sonstigen chem. Mitteln, die in der konvent. Landwirtschaft eingesetzt werden, ist es für mich u. meine Familie selbstverständlich, dass Bio bevorzugt wird.
Bedauerlich, dass Stiftung Warentest bisher nicht feststellen konnte, dass Bio-Obst u. - Gemüse wesentlich besser schmecken als konv. Produkte. Als Bsp. führe ich Möhren u. Blumenkohl an. Hier ist m.W. i.d.R. ein deutlicher geschmacklicher Unterschied zur Massenindustrieware feststellbar.
Dies u. die gesundheitlichen Vorteile chemiefreier Lebensmittel sind mir den höheren Preis von Bioprodukten wert!

gerhardstorm am 06.06.2014 um 13:11 Uhr
Pestiziden, Multipestiziden etc. nicht bei Bio!

Angesichts der Flut von Pestiziden, Multipestiziden u. and. sonstigen chem. Mitteln, die in der konvent. Landwirtschaft eingesetzt werden, ist es für mich u. meine Familie selbstverständlich, dass Bio bevorzugt wird.
Bedauerlich, dass Stiftung Warentest bisher nicht feststellen konnte, dass Bio-Obst u. - Gemüse wesentlich besser schmecken als konv. Produkte. Als Bsp. führe ich Möhren u. Blumenkohl an. Hier ist m.W. i.d.R. ein deutlicher geschmacklicher Unterschied zur Massenindustrieware feststellbar.
Dies u. die gesundheitlichen Vorteile chemiefreier Lebensmittel sind mir den höheren Preis von Bioprodukten wert!

ConnyMarlene am 30.09.2013 um 11:50 Uhr
Es geht um Schadstoffe, die bio gesünder machen!

Auch wenn nicht mehr Vitamin etc. in bio steckt, so sind es gerade die Schadstoffe, die Bioprod. wieder gesünder machen. Dass die Medien nur die Hälfte aufschnappen und weitergeben ist äußerst schade und liegt viel. auch an den teils schlecht gewählten Überschriften von Stfg. Warentest (so viel zur Medienpolitik..).
Z.B. "Bioware ist meist frei von Pestiziden, aber andere Schadstoffe kommen vor": Liest man diesen Artikel wird nicht wie durch die Überschrift suggeriert klar, dass diese Schadstoffe auch konvent. Lebensmittel gleichermaßen betreffen. ODER "Sehr gute Ware ist sehr selten": Auch hier sind konvent. Lebensmittel ebenso betroffen (die Hauptüberschrift suggeriert jedoch etwas anderes) u. es wird völlig untergraben, dass die meisten Produkte jedoch gute Qual. beinhalten!
Fazit: Aufmerksam lesen u. vor allem die Überschriften nicht gleich für bare Münze nehmen u. auch bei der Auswahl der Testkriterien einmal kräftig nachdenken (oder etwa bessere Sensorik für mehr Zusatzstoffe?