Putz­dienste Test

Eine freundliche, gute Putz­frau – das wünscht sich jeder.

Wer eine Putz­kraft beschäftigt, tut dies oft schwarz. Um einen Anreiz für legale Beschäftigung zu schaffen, hat die Minijob-Zentrale jetzt eine Online-Jobbörse frei­geschaltet. Hier kann jeder Hilfe für den Haushalt suchen oder anbieten. Zuver­lässige Putz­kräfte versprechen auch kommerzielle Internetportale. Die Realität sieht leider häufig anders aus. test hat fünf Portale ausprobiert und zehn Putz-Termine vereinbart. Nur in vier Fällen war die Wohnung so sauber wie in der Werbung versprochen.

Eine erste Einschät­zung der neuen Minijob-Börse finden Sie hier: Börse für Haushaltsjobs – Ein leeres schwarzes Brett

Werbung sagt: „Einfach, schnell und zuver­lässig“

Die Werbe­kampagnen der Online­vermittler klingen gut: „Putz­kräfte bequem online bestellen. Einfach, schnell und zuver­lässig“, verheißt Clean Agents. „So einfach geht sauber“, wirbt Helpling. Um Kunden buhlen auch Home­joy, Book a Tiger und Putzfee. Sie verlangen zwischen 11,90 und 15 Euro pro Stunde. Alle versprechen: 20 Prozent rechne das Finanz­amt als haus­halts­nahe Dienst­leistung auf die Einkommensteuer an.

Das Klein­gedruckte sieht anders aus

Wir haben die fünf Portale exemplarisch ausprobiert und bei Testnutzern zehn Termine zum Putzen vereinbart. Die Ergeb­nisse sind ernüchternd. Nur in vier Fällen war die Wohnung so sauber wie in der Werbung versprochen. Die Vermittler kümmerten sich längst nicht so sehr um das Wohl der Kunden, wie sie vorgaben. Ein Blick ins Klein­gedruckte der Verträge zeigt, dass sie für ihre zentralen Werbe­versprechen oft nicht gerade­stehen wollen. Nicht einmal die Steuererstattung ist sicher.

Putzen auf Probe

„In 60 Sekunden zu Ihrer Reinigung“, verspricht Home­joy. Das gilt bestenfalls für die Buchung. Einsätze sind bei Home­joy frühestens für den Folgetag buch­bar, bei Book A Tiger, Helpling und Putzfee frühestens für den über­nächsten Tag. Termine für einen Vorort zu finden war bei unseren Test­buchungen schwieriger als in zentraler Groß­stadt­lage. Bei Helpling und Home­joy ist immerhin die Verfügbarkeit der Putz­kräfte schon beim Buchen stets sicht­bar.

Wer kommt ins Haus?

Der Kunde erfährt kaum, wer seine Wohnung putzen wird. Genannt wird manchmal nur der Vorname. Telefon­nummern oder Adressen verraten die Vermittler bei der Buchung nicht. Bei unseren Test­terminen kamen teil­weise Menschen ins Haus, die kaum Deutsch sprachen. Ein typischer erster Satz lautete: „English please!“ Sich über Putz­mittel oder Dreck unter Wasch­becken­unter­schränken zu verständigen, ist unter diesen Voraus­setzungen schwierig.

Dreck in den Ecken

Alle Portale werben, professionelle, qualifizierte oder geprüfte Reinigungs­kräfte zu vermitteln. In Wahr­heit schließen sie in ihren allgemeinen Geschäfts­bedingungen (AGB) ausdrück­lich die Garantie für eine ordentliche Dienst­leistung und weitere Werbe­versprechen aus Werbung und Geschäftsbedingungen. Putzfee zum Beispiel fordert Kunden im Klein­gedruckten auf, selbst Unterlagen wie Ausweis und Zeug­nisse zu prüfen. Home­joy schickte eine junge Frau, die vor dem Studium Geld verdienen möchte. Leider ließ sie den Staub in den Ecken liegen. Von Clean Agents kam eine abge­hetzte Frau. Sie arbeitete schnell, blieb aber statt der zwei bezahlten Stunden nur andert­halb. 10 Euro wurden für Putz­mittel berechnet. Bedient hat sich die Frau am Spül­mittel des Test­kunden. Damit putzte sie Boden, Klo und Oberflächen.

Kein Verlass auf Sicherheit

„Ihre Sicherheit liegt uns am Herzen!“, beteuert Book a Tiger auf der Home­page. Die anderen Portale versprechen Ähnliches. Sicherheit ist Kunden wichtig. Schließ­lich lassen sie Putz­kräfte in die Wohnung, vertrauen ihnen vielleicht sogar einen Schlüssel an. Alle Anbieter geben an, dass sie Zeug­nisse und Arbeits­genehmigungen allenfalls stich­proben­artig unter­suchen.

Schwarz­arbeit adieu?

Clean Agents warnt im Klein­gedruckten, dass Kunden juristische Probleme wegen Schwarz­arbeit ins Haus stehen könnten. Grund­sätzlich sehen Juristen Hinweise für Schein­selbst­ständig­keit – dabei sollen die Portale doch genau dies verhindern. Wer sicher­gehen möchte, dass er nicht rück­wirkend zu Sozial­abgaben verpflichtet wird, sollte sich offiziell bestätigen lassen, dass seine Reinigungs­kraft selbst­ständig arbeitet. Die „Clearing-Stelle“ der Deutschen Rentenversicherung prüft das im „Status­fest­stellungs­verfahren“ kostenlos (Tel. 0 800/ 10 00 48 00).

Steuer­vorteil unklar

Fraglich ist auch, ob Finanz­ämter die Rechnungen als haushalt­nahe Dienst­leistung anerkennen, wie es die Vermittler versprechen. Das Problem: Die Portale kassieren das Geld und leiten es nach Abzug ihrer Provision an die Putz­kraft weiter. Das Einkommensteuergesetz verlangt jedoch ausdrück­lich „die Zahlung auf das Konto des Erbringers der Leistung“. Und das ist die Putz­kraft persönlich.

„Vor Fehlern nicht gefeit“

Selbst wenn die Vermittler sich in ihren Geschäfts­bedingungen Hintertürchen offenlassen, müssen sie sich an ihren Werbe­versprechen wie Pünkt­lich­keit und Sauber­keit messen lassen. Bei einer von zehn Test­buchungen kam ohne vorherige Absage niemand. In Internetforen klagen Nutzer über Unzu­verlässig­keiten, Termin­ausfälle und unpro­fessionelle Putz­leistungen.

„Wir sind ein junges, schnell wachsendes Unternehmen“, entschuldigt sich Clean Agents bei seinen Kunden, und „vor Fehlern nicht gefeit“. Der Putz­dienst­vermittler nimmt in Kauf, dass Auftrag­geber nicht nur mit Geld zahlen, sondern auch mit Zeit und Ärger für Reklamationen.

Home­joy ruft nach der Reinigung per Mail auf, die Putz­kraft zu bewerten. Für sie hat die Bewertung Auswirkungen: Positive Beur­teilungen erhöhen den Stunden­lohn.

Reklamieren mit Grenzen

Putz­dienste Test

Geschäfts­mann. Vertrags­partner fürs Putzen ist die Reinigungs­kraft.

Über welches Portal ein Kunde auch bucht, den Vertrag übers Putzen schließt er mit der Reinigungs­kraft ab. Geht etwas kaputt, haftet immer sie, nicht der Vermittler. Home­joy, Putzfee, Helpling und Book a Tiger versichern ihre Saubermacher immerhin. Bei den beiden letzten bleibt der Putz­kraft eine Selbst­beteiligung von 150 und 200 Euro. Clean Agents empfiehlt seinen Putzern lediglich eine Versicherung. Im ungüns­tigsten Fall kommt eine unver­sicherte Kraft. Ein Helpling riss bei einem Test­besuch ein Rollo herunter, gab dies aber nicht an. Nach monate­langem Warten zahlte das Portal ein neues Rollo.

Clean Agents entschuldigte sich zwar, als nach einem von ihm vermittelten Termin schlecht geputzt war, bot aber lediglich an, dieselbe Kraft noch einmal zum Nach­putzen zu schi­cken. Unser Test­kunde wollte sie nicht noch einmal in seine Wohnung lassen. Sie hatte unangenehm und nach Alkohol gerochen.

Schwarzes Brett gegen Schwarz­arbeit

Fazit: Die Reinigungs­leistung hängt stark von der Putz­kraft ab. Vor allem wegen recht­licher Unsicherheiten können wir keines der fünf Vermitt­lungs­portale empfehlen. Der Markt ist aber in Bewegung. Für Ende Oktober hat die Minijob-Zentrale ein virtuelles schwarzes Brett angekündigt, auf dem Putz­kräfte und Reinigungs­kraft­suchende zueinander finden können. Das Angebot ist kostenlos.

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