Puls­mess­geräte Test

Geräte mit Brust­gurt laufen im Testparcours auf Sieg. Doch einmal heißt es auch hier mangelhaft. Geräte ohne Brust­gurt sind nichts für Jogger und Radfahrer.

Pulsmessgeräte: Der Trainer am Handgelenk

Die Bezeichnung ist pure Untertreibung, denn Puls­mess­geräte können mehr als nur den Puls messen. Je nach Interesse dienen sie als Status­symbol, schi­ckes Accessoire oder tech­nisches Spielzeug. Sie über­nehmen eine Rolle als Trainings­begleiter, Motivations­helfer, Gewichts­manager oder Gesund­heits­ratgeber. Die kleinen elektronischen Sport­freunde haben denn auch eine große Fangemeinde unter Profis und Frei­zeit­sport­lern, Männern und Frauen, Jüngeren und Älteren.

Genau genommen messen die Geräte nicht den Puls, sondern ermitteln die Herz­frequenz – die elektrische Aktivität, die den Herz­muskel in Bewegung setzt. Die daraus resultierenden rhyth­mischen Puls­wellen des Blutes sind am Hand­gelenk oder an der Hals­schlag­ader zu tasten.

Ruhepuls meist zwischen 60 und 80

Bei gesunden Menschen sind Herz­frequenz und Puls identisch – beide zeigen an, wie oft das Herz in der Minute schlägt. Die meisten Menschen haben Puls­werte zwischen 60 und 80, wenn sie ruhig und entspannt sind und sich nicht bewegen – das wird als Ruhepuls bezeichnet. Bei körperlicher Aktivität steigt der Puls an, da das Herz schneller schlägt, um Muskeln und Organe mit ausreichend Blut und Sauer­stoff zu versorgen.

Im Grunde ein Minicomputer

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1: Zwei Elektroden registrieren die elektrische Aktivität des Herzens. 2: Der Sender in der Mitte des Brust­gurts über­mittelt die Signale an die Uhr. 3: Die Uhr errechnet die Puls­werte und viele andere Informationen.

1: Zwei Elektroden registrieren die elektrische Aktivität des Herzens. 2: Der Sender in der Mitte des Brust­gurts über­mittelt die Signale an die Uhr. 3: Die Uhr errechnet die Puls­werte und viele andere Informationen.

Klassische Puls­messer bestehen aus einem Brust­gurt und einer Uhr. Im Gurt registrieren zwei Elektroden durch die Haut die elektrische Aktivität des Herzens, ein Sender über­mittelt die Signale per Funk an die Puls­uhr. Im Grunde ist das ein Minicomputer, der die Puls­rate und je nach Ausstattung weitere Infos errechnet und anzeigt.

Wir haben 18 Puls­mess­geräte mit und ohne Brust­gurt getestet, darunter einen Ring, der den Puls am Finger ermittelt. Der war allerdings so ungenau, dass er das Schluss­licht im Test­feld bildet.

Gute von 40 bis teure 230 Euro

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Am Elektroweidezaun: Hier prüften die Tester, ob die Puls­mess­geräte störsicher gegen­über elektromagnetischen Feldern sind.

Am Elektroweidezaun: Hier prüften die Tester, ob die Puls­mess­geräte störsicher gegen­über elektromagnetischen Feldern sind.

Das Gesamt­ergebnis mit elf guten Puls­mess­geräten zwischen 40 und 230 Euro sowie fünf befriedigenden zwischen 30 und 120 Euro bietet umfang­reiche Auswahl­möglich­keiten von einfachen Geräten mit den wichtigsten Grund­funk­tionen bis hin zu individuellen Begleitern, die eine Trainings­planung und -steuerung oder sogar die Auswertung der Trainings­daten am heimischen Computer ermöglichen.

Mit der EKG-Messung verglichen

Im Test waren für uns drei Frauen und vier Männer zwischen 17 und 62 Jahren im sport­lichen Einsatz. Als Aufwärm­übung programmierten sie die Uhren – intuitiv und mithilfe der Gebrauchs­anleitung – und benutzten die Puls­messer beim Frei­zeit­sport. Die eigentliche – wissenschaftlich über­wachte – Trainings­phase fand im Prüf­labor statt. Dort mussten sich die Puls­mess­geräte im Vergleich mit einer EKG-Messung beweisen. Dazu trieben die Probanden auf einem Fahr­radergo­meter und einem Cross­trainer ihr Herz und damit ihren Puls zu Höchst­leistungen an.

Von 85 auf 136 mit Monika

Die 55-jährige Monika etwa ging mit einer Puls­rate von 85 an den Start und steigerte sich inner­halb von zehn Minuten Radtraining auf 136. Stephan, 31 Jahre alt, trieb sein Herz in acht Minuten von 98 auf 135. Das Puls­mess­gerät Beurer PM 62 zeigte das bei beiden an und war damit nahezu identisch mit dem Ergebnis der EKG-Messung. Auch alle anderen Geräte mit Brust­gurt meisterten diese Heraus­forderung mit Bravour und erzielten sehr gute Noten bei der Herz­frequenz­messung. Für jedes liegen etwa 80 Vergleichs­messungen vor.

Ohne Brust­gurt für die ruhige Gang­art

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1: Wasch­barer Textilbrust­gurt. Der Sender ist abnehm­bar, er wird ein- oder ausgehakt. 2: Abwasch­barer Kunst­stoff­gurt mit integriertem Sender, elastisches Rücken­teil. 3: Wasch­barer Textilgurt, der Sender ist mit Druck­knöpfen befestigt.

1: Wasch­barer Textilbrust­gurt. Der Sender ist abnehm­bar, er wird ein- oder ausgehakt. 2: Abwasch­barer Kunst­stoff­gurt mit integriertem Sender, elastisches Rücken­teil. 3: Wasch­barer Textilgurt, der Sender ist mit Druck­knöpfen befestigt.

Die beiden Puls­uhren ohne Brust­gurt – Sanitas und Sport­line TQR – ermittelten die Herz­frequenz gut. Das wird viele Frei­zeit­sportler freuen, die einen Brust­gurt als lästig empfinden, wenn sie nach Feier­abend noch eine kurze Bewegungs­runde einlegen wollen. Die Messung erfolgt, indem der Sportler Uhrenrand oder eine Taste mit dem Finger berührt, während die Gehäusesrück­seite Haut­kontakt hat. Das klappt allerdings nur, wenn er das Tempo drosselt oder stehen bleibt. Fürs Joggen und Radfahren eignen sich die Uhren daher kaum. Sport­line Duo kann übrigens beides – mit und ohne Brust­gurt messen.

In weiteren Prüfungen untersuchten wir, ob die Puls­mess­geräte anfäl­lig für elektromagnetische Störquellen wie Oberleitungen von Straßen- und Eisenbahnen sind oder ob sie sich gegen­seitig beein­flussen, etwa bei Laufwett­bewerben. Als besonders stör­anfäl­lig erwiesen sich Suunto t1c, Oregon Scientific und Ciclo­sport.

Hand­habung manchmal kompliziert

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Mit der Nadel: Es wurde auch geprüft, wie kratz­fest die Uhren sind.

Mit der Nadel: Es wurde auch geprüft, wie kratz­fest die Uhren sind.

Schwergängige Tasten, kaum lesbare Beschriftung, unüber­sicht­liche Displays erschweren bei manchen Geräten die Bedienung. Je mehr Funk­tionen die elektronischen Trainings­begleiter haben, umso komplizierter kann es werden, beispiels­weise beim Sport­line Duo oder Suunto t1c. Doch auch Geräte mit Einfach­funk­tionen, wie Oregon Scientific und die Puls­uhr Sport­line TQR 710 sind nicht immer einfach zu hand­haben. Bei manchen muss der Nutzer zudem eine ausführ­liche Gebrauchs­anleitung aus dem Internet laden.

Mangelhaft für Schad­stoffe

Ärgerlich auch, dass mehrere Brust­gurte und Uhrarmbänder mit vermeid­baren Schad­stoffen belastet sind. Sie enthalten poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoffe (PAK). Bei Haut­kontakt können sie in den Körper gelangen. Ciclo­sport CP 12L war so stark belastet, dass es ihm ein mangelhaftes Qualitäts­urteil eintrug. Doch es geht auch ohne, wie etliche sehr gute Ergeb­nisse bei den Schad­stoff­prüfungen zeigen.

Tipp: Wie Sie ein Puls­mess­gerät nutz­bringend für Ihre Gesundheit und Ihr Ausdauertraining einsetzen können, lesen Sie unter „Ausdauersport - Bewegter leben“.

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