Pünktlichkeit der Deutschen Bahn 2011 Hamburg als Schlusslicht

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Pünktlichkeit der Deutschen Bahn 2011 - Hamburg als Schlusslicht

Vier von fünf Fernzügen fahren pünktlich, sagt die Deutsche Bahn. Doch es gibt große Unterschiede – zum Beispiel je nach Zugart und Region. Die Stiftung Warentest hat im vergangenen Jahr an 20 wichtigen Bahnhöfen mehr als 2 Millionen Zugankünfte überprüft. Dabei schnitten Stralsund im Norden und Freiburg im Südwesten am besten ab. Als Bahnhof mit den häufigsten Verspätungen erwies sich der Hamburger Hauptbahnhof.

Inhalt

Züge in Stralsund, Freiburg und Leipzig am pünktlichsten

In Stralsund kamen im Durchschnitt 85 Prozent der Fernzüge pünktlich an oder waren allenfalls wenige Minuten im Verzug. Eine Verspätung ab 6 Minuten hatten nur 15 Prozent der Intercity(IC)-Züge, die hier im Fernverkehr unterwegs sind. Bei Zugläufen, die sich oft über viele hundert Kilometer quer durch Deutschland erstrecken, sind dies recht gute Werte. Auch in Freiburg – wichtiger Zwischenhalt im Verkehr mit der Schweiz – profitierten die Fahrgäste von überdurchschnittlich vielen pünktlichen Zugankünften. Drittplatzierter Bahnhof im Test ist Leipzig – mit deutlichen Verbesserungen im Vergleich zum Vorjahr. Basis der Auswertung sind die Ankunftszeiten von mehr als 2 Millionen Zügen. Deren Daten wurden über das Kundeninformationssystem der DB („Ist mein Zug pünktlich?) erfasst.

An Weihnachten war die Bahn pünktlich

Die Bahnkunden profitierten vom milden Winterwetter. Im Dezember fuhren die Züge so pünktlich wie schon lange nicht mehr. Von Weihnachten bis Silvester kamen an den 20 Bahnhöfen im Test mehr als 90 Prozent der ICE, EC und IC auf die Minute pünktlich an oder waren allenfalls leicht im Verzug. Die Stiftung Warentest ermittelte den ersten Weihnachtsfeiertag als den Tag des Jahres 2011 mit den besten Pünktlichkeitswerten. Ein Jahr zuvor hatten die Fahrgäste noch unter dem „Winterchaos“ gelitten. Damals fuhr wochenlang oft mehr als jeder zweite Fernzug seinem Fahrplan hinterher.

Investitionen ins Schienennetz dringend nötig

Die guten Pünktlichkeitswerte zum Jahresende zeigen, dass der Schienenverkehr unter günstigen Bedingungen auch in Deutschland problemlos rollt – sogar ähnlich pünktlich wie im Bahnmusterland Schweiz. Gutes Wetter, wenige Baustellen und eine geringere Anzahl von Güterzügen ermöglichten eine „wesentlich höhere Verfügbarkeit des Schienennetzes“, so Bahnvorstand Homburg. Schlussfolgerung aus Kundensicht: Wenn das Schienennetz ausgebaut und die Engpässe beseitigt würden, könnten die Züge auch „im Normalbetrieb“ deutlich pünktlicher fahren.

Engpässe sorgen für Unpünktlichkeit

Tatsächlich fehlt aber für viele Bahnbauprojekte das Geld. Experten kritisieren, dass sowohl in den Streckenneubau als auch in die Sanierung und den Unterhalt des bestehenden Netzes zu wenig investiert werde. Engpässe an Knotenpunkten, eingleisige Streckenabschnitte, Langsamfahrstellen und vielfältige technische Störungen bremsen immer wieder den Zugverkehr. So deuten die schlechten Pünktlichkeitswerte für Hamburg auf Engpässe im Verkehr zu den deutschen Seehäfen hin.

DB räumt ein: Bald wieder mehr Verspätungen

In einer Presseerklärung warnt die Deutsche Bahn (DB) ihre Kunden schon einmal vor. Bereits jetzt sei absehbar, dass die Züge in den kommenden Monaten nicht so pünktlich wie im Dezember rollen könnten. Bautätigkeit und Güterverkehrsaufkommen würden wieder signifikant anziehen. Diese würden zu einer spürbar höheren Auslastung des Schienennetzes mit entsprechenden Auswirkungen auf die Pünktlichkeit führen. Die Chance, bei knappen Umsteigezeiten einen Anschlusszug zu erreichen, wäre dann wieder schlechter.

Stark belastete Verkehrsknoten

Im Jahresdurchschnitt ermittelte die Stiftung Warentest für die Fernzüge an den 20 Bahnhöfen eine Verspätungsquote von etwa 24 Prozent. Zum Vergleich: Für das Gesamtnetz nennt die DB in ihrer eigenen Jahresstatistik eine günstigere Verspätungsquote von 20 Prozent. Dieser Unterschied ist ein Indiz für die häufige Überlastung der wichtigen Knotenpunkte.

ICE-Züge fahren pünktlicher

Interessant für Bahnkunden sind die Pünktlichkeitswerte der verschiedenen Zugarten. Bei früheren Untersuchungen hatten die schnellen ICE-Züge erstaunlich schlecht abgeschnitten. Anders im letzten Quartal des Jahres 2011: Hier erreichte das DB-Flaggschiff ähnliche Pünktlichkeitswerte wie IC- und EC-Züge. Schlusslichter unter den Fernzügen waren die City-Nightline-Nachtzüge.

Nahverkehr: Die pünktlichsten Züge im Test

Im Vergleich aller Zugarten halten die Regionalbahnen (RB) ihre Fahrpläne am besten ein. Im Sommer ebenso wie im Winter kamen immerhin 93 Prozent von ihnen pünktlich an oder verspäteten sich allenfalls um wenige Minuten. Nur 7 Prozent waren 6 Minuten oder mehr verspätet. Die Regionalexpresszüge (RE), die relativ weite Wege zurücklegen, waren hingegen etwas unpünktlicher. Durchschnittswert für alle Regionalverkehrszüge an den 20 Bahnhöfen: 12 Prozent mit Verspätungen ab 6 Minuten. Relativ pünktlich war der Nahverkehr vor allem im Südwesten, in Saarbrücken, Mannheim und Freiburg.

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stopacta am 25.01.2012 um 10:32 Uhr
STOP ACTA

Polnische Hacker gegen die ACTA kämpfen.
ACTA ist ein Angriff auf die Meinungsfreiheit und demokratischen Prinzipien.
Polnische Regierung angegriffen wurden und deaktiviert.
Letzte große Protest polnischen Internet - eine halbe Million Menschen schlossen sich dem Protest an.
Ihre Medien nicht informiert Sie über Protest in Polen.
Der Text wurde von Google Übersetzer übersetzt, weil ich nicht gut genug kenne die deutsche Sprache.

Profilbild Stiftung_Warentest am 23.01.2012 um 16:41 Uhr
Pünktlichkeits-Prognosen

@michelvoss, @ReKa: In der Tat haben auch wir bei unseren stichprobenartigen Untersuchungen festgestellt, dass die Verspätungsprognosen mitunter unzutreffend sind. Die Abweichungen gehen allerdings in beide Richtungen: Mal kommt ein Zug in der Realität pünktlicher als angekündigt an, mal ist er unpünktlicher. In den meisten Fällen funktioniert die Prognose allerdings recht ordentlich. Und: Angesichts der großen Datenmenge ist es schon aus wirtschaftlichen Gründen sehr wahrscheinlich, dass alle Informationssysteme der Deutschen Bahn auf einer einzigen Datenbasis beruhen.

ReKa am 21.01.2012 um 15:09 Uhr
verschiedene Angaben

ich habe festgestellt, dass oft unterschiedliche Angaben gemacht werden und so oft 3 unterschiedliche Zeiten existieren:
- in der Realität
- im Internet
- am Gleis
Manchmal stimmen Realität und Gleis überein und zeigen Verspätung an, im Internet wird der Zug pünktlich ausgewiesen.
Die Quelle der Informationen ist doch das Reisendeninformationssystem (RIS) der Bahn, also müssten alle Angaben identisch sein. Das sind sie aber nicht immer. Welche Angaben fließen denn nun in die Statistik ein?
Kann es sein, dass die Internetwerte geschönt sind und diese vielleicht in die Pünktlichkeitsstatistik einfließen?

michelvoss am 21.01.2012 um 11:44 Uhr
selbst auf Verspätung ist kein Verlass.

Werden auf der „Ist mein Zug pünktlich?“- Website (http://reiseauskunft.bahn.de/bin/bhftafel.exe ) aktuellere Angaben als auf http://www.bahn.de/p/view/index.shtml gemacht ?
Regelmäßig ist 15 min vor Abfahrt des RE1 in Köln-Mülheim auf bahn.de keine Verspätung vermerkt, auch nicht auf der Anzeigetafel über dem Bahnsteig 1. Erst NACH der regulären Abfahrtszeit wird die Verspätung angekündigt, dann aber auch nicht genau. Wechselt man den Bahnsteig, um einen früheren Zug zum Hbf. zu erreichen, fährt der RE1 einem vor der Nase weg, weil er doch VOR der angekündigten Verspätung abfährt.