Pünktlichkeit der Bahn Test

Der DB-Vorstand hat angekündigt, ab September die Statistik über die Pünktlichkeit der Züge nicht mehr geheim zu halten. Wir informieren schon jetzt.

Bahn­chef Rüdiger Grube korrigiert eine Entscheidung seines Vorgängers Hartmut Mehdorn. Dieser hatte die Statistik über Zugverspätungen zur Geheimsache erklärt. Grube bekannte sich jetzt zur „offenen und ehrlichen Kommunikation mit unseren Kunden“. Deshalb werde die Deutsche Bahn ab September monatlich die Pünkt­lich­keits­werte im Nah- und Fern­verkehr im Internet veröffent­lichen.

Wirk­lich „top secret“ sind sie ohnehin nicht mehr. Die Stiftung Warentest hat das Geheimnis bereits gelüftet (siehe „Pünktlichkeit der Bahn“ aus test 05/2011). Zum Beispiel konnten wir eine irreführende Formulierung im Winterbe­richt des Bundes­verkehrs­ministeriums aufdecken: Dort hieß es, dass die Pünkt­lich­keit im Fern­verkehr „tage­weise unter 70 Prozent“ gesunken sei. Tatsäch­lich lag sie nicht tage­weise, sondern an jedem Dezembertag deutlich unter dieser Marke.

Fast 2 Millionen Zugankünfte erfasst

Pünktlichkeit der Bahn Test

Mehr als ein Jahr lang kontrollieren wir bereits die Zugverspätungen: seit 1. Juli 2010 fast ununterbrochen, stich­probenhaft auf Bahn­steigen, vor allem aber am Computer. Rund um die Uhr erfassen wir im Minutentakt die aktuellen Informationen der Deutschen Bahn über Zugverspätungen. Und zwar mithilfe der Website „Ist mein Zugpünkt­lich?“ auf www.bahn.de. Wir ermitteln jeweils den Zeit­punkt, an dem eine Zugankunft auf der Website letzt­malig angekündigt wird, bevor sie dort verschwindet. Verspätungen berechnen wir als Differenz zwischen der so ermittelten Ankunfts­minute und der Ankunfts­zeit laut Fahr­plan (siehe „So sind wir vorgegangen“, test 05/2011).Bei diesem Test konzentrierten wir uns auf 20 wichtige Bahnhöfe in allen Regionen Deutsch­lands (siehe Karte).

Vor allem Fernzüge oft zu spät

Pünktlichkeit der Bahn Test

Für diese Bahnhöfe erfassten wir mitt­lerweile bereits mehr als 1,9 Millionen Zugankünfte. Erst­mals können wir jetzt ein Fazit für einen 12-Monats-Zeitraum ziehen – vom 1. Juli 2010 bis zum 30. Juni 2011:

Fernzüge. Im Durch­schnitt kamen 30 Prozent der Fernzüge mindestens 6 Minuten zu spät, 6 Prozent sogar mehr als eine halbe Stunde. Im Vergleich zur letzten Veröffent­lichung haben sich die Pünkt­lich­keits­werte tendenziell verbessert. Zum Beispiel verspäteten sich von März bis Juni nur noch 23 Prozent der ICE um mindestens 6 Minuten, damals waren es 34 Prozent.

Regionalzüge. Im Vergleich zu den Fernzügen fuhren die Regiozüge immer deutlich pünkt­licher. Der Anteil der Verspätungen ab 6 Minuten lag hier bei 14 Prozent.

Mehr Investitionen für pünkt­liche Züge

Pünktlichkeit der Bahn Test

Basis: 710 484 Ankunfts­zeiten von Fernzügen an 20 Bahnhöfen. Streiks wirkten sich zum Beispiel am 26.10.2010, am 22. und 25.02.2011 aus. Ausgefallene Züge blieben unbe­rück­sichtigt. In der zweiten Aprilhälfte gibt es aus tech­nischen Gründen eine Daten­lücke.

Basis: 710 484 Ankunfts­zeiten von Fernzügen an 20 Bahnhöfen. Streiks wirkten sich zum Beispiel am 26.10.2010, am 22. und 25.02.2011 aus. Ausgefallene Züge blieben unbe­rück­sichtigt. In der zweiten Aprilhälfte gibt es aus tech­nischen Gründen eine Daten­lücke.

Für Reisende sind auch kleine Verspätungen oft ein großes Ärgernis. Bei knappen Umsteige­zeiten verpassen viele ihren Anschluss­zug. Gründe für Verspätungen gibt es viele. Zum Beispiel bremsen Engpässe an Knoten­punkten sowie Lang­samfahr­stellen viele Züge aus. Denn es wird zu wenig in das Schienennetz investiert. Mehr Infos über Verspätungen führen künftig vielleicht schneller zu mehr Investitionen.

Details und Aktuelles: www.test.de/bahn.

Dieser Artikel ist hilfreich. 365 Nutzer finden das hilfreich.