Check­liste: Schritt für Schritt zur Psycho­therapie

  • Kassen­therapeut. Versuchen Sie zunächst, bei einem Psycho­therapeuten mit Kassen­zulassung einen Termin zu bekommen. Dafür benötigen Sie keine Über­weisung. Sie brauchen nur Ihre Krankenkassenkarte und bezahlen die 10 Euro Praxis­gebühr. Kann Ihnen der Kassen­therapeut keinen Termin anbieten, notieren Sie Datum, Uhrzeit, Name und Adresse des Therapeuten und die genannte Warte­zeit. Das brauchen Sie als Nach­weis, falls Sie nach mehreren vergeblichen Versuchen den Antrag stellen wollen, dass Ihre Kasse Ihnen einen privaten Therapeuten bezahlt.
  • Adressen. Die Krankenkassen schi­cken Ihnen auf Nach­frage Listen mit Psycho­therapeuten und Psychiatern. Die Psycho­therapeutenkammern der Bundes­länder bieten im Internet Such­hilfen für Therapeuten mit oder ohne Kassenlizenz. Die Kammern von Berlin, Bremen, Hamburg, Nieder­sachsen, Saar­land und Schleswig-Holstein betreiben gemein­sam das Onlineportal www.psych-info.de.
  • Therapie­verfahren. Die Krankenkassen bezahlen in der ambulanten Psycho­therapie drei Therapie­verfahren: die Verhaltens­therapie, die tiefen­psychologisch fundierte und die analytische Psycho­therapie. Der Patient kann ein Verfahren auswählen. Die Verhaltens­therapie versteht psychische Störungen als erlernte Verhaltens­weisen. Therapeuten trainieren mit den Patienten daher alternatives Verhalten durch Rollenspiele und alltags­nahe Übungen. Analytische und tiefen­psychologisch fundierte Psycho­therapie basieren beide auf dem Krank­heits­konzept von Sigmund Freud. Die Therapeuten arbeiten mit den Patienten einen psychischen Konflikt auf, der oft auf eine kindliche Erfahrung zurück­geht.
  • Warte­zeit. Mehr als drei Wochen sollten Kassenpatienten nicht auf einen Platz bei einem Kassen­therapeuten warten müssen, empfiehlt die Bundes­psychotherapeutenkammer. Nur in Ausnahme­fällen seien Warte­zeiten von bis zu drei Monaten zumut­bar. Finden Sie in ihrer Umge­bung keinen Kassen­therapeuten, dürfen Sie zu einem privaten Therapeuten gehen. Hat Ihre Kasse das genehmigt, wird sie wahr­scheinlich direkt mit dem Privattherapeuten abrechnen. Sie müssten dann nichts vorschießen und nichts zuzahlen. Fragen Sie aber vorher bei Ihrer Kasse an, ob die Kosten­erstattung möglich ist und was Sie dafür machen müssen. Die Psycho­therapie kann erst beginnen, wenn die Krankenkasse in die Kosten­erstattung einge­willigt hat.
  • Antrag. Die Krankenkassen verlangen in der Regel einen formlosen Antrag vor der Behand­lung durch einen privaten Psycho­therapeuten. Bitten Sie in Ihrem Schreiben um Kosten­über­nahme für eine Therapie bei einem appro­bierten Psycho­therapeuten ohne Zulassung zur gesetzlichen Kranken­versicherung. Sie sollten darin schildern, dass Sie sich vergeblich bemüht haben, einen Psycho­therapeuten mit Kassen­zulassung zu finden und dass Sie bei dem Privattherapeuten Ihre Behand­lung sofort beginnen könnten. Eine Vorlage für die Formulierung finden Sie im Ratgeber „Kosten­erstattung“ der Bundes­psychotherapeutenkammer (BPtK). Sie können ihn im Internet kostenlos herunter­laden: www.bptk.de.
  • Nach­weise. Dem Antrag fügen Sie die Nach­weise über Ihre erfolg­losen Bemühungen bei. Drei bis fünf Absagen gelten als zumut­bar. „Ablehnungen per E-Mail scheinen als Nach­weis bei den Krankenkassen mehr Erfolg zu haben“, berichtet die private Psycho­therapeutin Jutta Eva Arnold aus ihrer Erfahrung. Zum Antrag gehört außerdem eine „Notwendig­keits­bescheinigung“, dass die Behand­lung nicht aufgeschoben werden kann. Diese kann der Haus­arzt ausstellen, Privattherapeutin Arnold rät jedoch, einen Psychiater oder Neurologen darum zu bitten. Und schließ­lich sollte der private Psycho­therapeut schriftlich bestätigen, dass er die Behand­lung kurz­fristig beginnen kann und Fach­kunde in einem Therapie­verfahren hat, das die Kassen bezahlen.
  • Wider­spruch. Wird Ihr Antrag auf Kosten­erstattung abge­lehnt, können Sie bei Ihrer Krankenkasse Wider­spruch einlegen und bitten, dass Ihr Fall erneut geprüft wird. Wider­sprüche sind in vielen Fällen erfolg­reich. In Ihrem Schreiben machen Sie darauf aufmerk­sam, dass dem Antrag alle erforderlichen Unterlagen beilagen, aus denen klar wird, dass Sie Anspruch auf Kosten­erstattung haben. Sie sollten darauf hinweisen, dass Sie bei erneuter Ablehnung gericht­lich vorgehen und die Patienten­beauftragte der Bundes­regierung informieren werden. Auch hierzu finden Sie in dem BPtK-Ratgeber eine Formulierungs­vorlage (siehe Antrag).
  • Probetermine. Haben Sie einen Therapie­platz, stehen Ihnen fünf bis acht Probetermine zu, in denen Sie testen können, ob Sie und der Therapeut zueinander passen. Stimmt die Chemie nicht, können Sie inner­halb der ersten Termine meist problemlos wechseln und dürfen fünf neue Probesit­zungen bei einem anderen Therapeuten wahr­nehmen.
Psycho­therapie für Kassenpatienten Special

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