Psychotherapie Test

Bei vielen seelischen Problemen kann eine Psychotherapie helfen. Aber welche? Fünf Verfahren sind in Deutschland wissenschaftlich anerkannt. Die Stiftung Warentest stellt sie vor, gibt Tipps zur Therapeutensuche und nennt weitere Anlaufstellen bei psychischen Problemen.

Psychische Beschwerden auf dem Vormarsch

Mindestens jeder vierte Erwachsene in Deutsch­land entwickelt im Laufe eines jeden Jahres eine psychische Störung. Das zeigen besonders umfassende, wenn auch nicht mehr junge Daten aus dem Bundes­gesund­heits­survey von 1998. Aktuelle Kranken­kassen­berichte sehen psychische Krankheiten derzeit sogar auf dem Vormarsch und führen das vor allem auf die Belastungen der modernen Arbeits­welt zurück.

Fünf anerkannte Psycho­therapien

Studien belegen, dass vielen Betroffenen eine ambulante Psycho­therapie hilft. Fünf Richtungen sind in Deutsch­land wissenschaftlich anerkannt:

  • Die analytische und die tiefen­psychologisch fundierte Psycho­therapie stehen in der Tradition von Sigmund Freud. Dabei gilt eine psychische Störung vor allem als Folge früherer Konflikte und anderer Belastungen, meist aus der Kindheit.
  • Die Verhaltens­therapie führt seelische Nöte auf erlerntes problematisches Verhalten zurück, das sich auch wieder verlernen lässt – unter anderem durch Übungen und Haus­aufgaben.
  • Die Systemische Therapie bezieht oft die Bezugs­personen des Patienten ein. Sie ist in Beratungs­stellen und bei Paar- und Familien­therapeuten sehr verbreitet.
  • Bei der Gesprächs­psycho­therapie steht die Selbst­erforschung des Patienten im Mittel­punkt.

Psycho­therapie als Kassen­leistung

Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten nur drei dieser Verfahren: analytische und tiefen­psychologisch fundierte Psycho­therapie sowie die Verhaltens­therapie. Die Therapeuten brauchen eine Kassen­zulassung und eine spezielle Ausbildung, in der Regel ein Medizin- oder Psycho­logie­studium plus eine mehr­jährige Zusatz­ausbildung.

Therapeuten sollten qualifiziert sein

Grund­sätzlich sollten sich Patienten vorab über die Therapien informieren und sie mit ihren Vorstel­lungen abgleichen. Manche Therapeuten scheinen Ansätze zu mischen - es sollte aber stets einen nach­weislichen Ausbildungs­schwer­punkt geben. Bei den fünf anerkannten Verfahren ist die Ausbildung klar geregelt - bei den übrigen Richtungen womöglich undurch­sichtiger. Uneinheitlich ist die Ausbildung auch für Heilpraktiker, die Psycho­therapien durch­führen. Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten diese in der Regel nicht.

Motivation und Sympathie entscheidend

Unabhängig von der Richtung sind zwei Dinge für den Erfolg jeder Psycho­therapie entscheidend: Die Motivation der Patienten zum Mitmachen und eine gute Patienten-Therapeuten-Beziehung. Deshalb sollten Patienten gleich bei den ersten Sitzungen darauf achten, ob sie den Therapeuten sympathisch finden. Wer kein gutes Gefühl hat, schaut sich besser nach einem anderen Therapeuten um. Gut für Versicherte: Die Krankenkassen finanzieren Erst­gespräche und Probesit­zungen bei mehreren Therapeuten.

Umfrage zur Psycho­therapie auf test.de

An der Umfrage zum Thema Psycho­therapie auf test.de beteiligten sich knapp 4 000 Menschen mit seelischen Problemen. Die meisten litten unter Depressionen, Ängsten und Belastungs­reaktionen. Etwa drei Viertel der Umfrage­teilnehmer nahmen professionelle Hilfe in Anspruch. Die große Mehr­heit entschied sich dabei für eine ambulante Psycho­therapie in einer Praxis oder Ambulanz. Die Behand­lung besserte bei vielen das seelische Leid und die Schwierig­keiten im Alltag. Doch manche Teilnehmer berichten auch von Miss­erfolgen.
... zur Meldung: Ergebnisse der Umfrage Psychotherapie

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