Durchs Raster gefallen

Nicht alles, was bis Ende 1998 im so genannten "grauen Psychomarkt" stattfand, war unseriös.

Auch viele Nichtpsychologen therapierten Patienten mit psychischen Problemen in der Vergangenheit mit Wissen der Kassen und auf deren Kosten - je nach Einzelfall mit dem gleichen Erfolg oder Misserfolg wie Ärzte oder Psychologen.

Diese ausgebildeten Psychotherapeuten mit einem anderen Studienabschluss als Psychologie oder Medizin (zum Beispiel Sozialwissenschaften oder Theologie), die nach eigenen Angaben rund 20 Prozent aller psychotherapeutisch Tätigen in der Bundesrepublik ausmachen, bekommen nun keine Approbation und deshalb auch keine Kassenzulassung. Nur noch Pädagogen und Sozialpädagogen können als analytische Kinder- und Jugendlichentherapeuten tätig sein, wenn sie eine anerkannte Zusatzausbildung durchlaufen haben. Behandeln sie ausschließlich Erwachsene, können sie nicht mehr mit einer Kasse abrechnen.

Einer der Betroffenen ist der Bochumer Psychotherapeut Ulrich Sollmann, 52, der seit 15 Jahren praktiziert. "Bis vor einem Jahr genehmigten die Kassen alle meine Therapien. Dann war plötzlich Schluss. Jetzt klage ich vorm Bundesverfassungsgericht."

Angehängt haben sich an Sollmanns Verfahren rund 400 Leidensgenossen, die wie er auf eine schnelle Entscheidung aus Karlsruhe hoffen. Sollmann: "Es liegt ein Eilantrag vor. Wenn nicht bald entschieden wird, habe ich keine Patienten mehr."

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