Psychopharmaka Meldung

Immer mehr Kindern und Jugendlichen werden Psychopharmaka verordnet – offenbar auch vorschnell.

Die Studie: Im Jahr 2006 erhielten etwa viermal so viele Kinder und Jugendliche Psychopharmaka verordnet als noch sechs Jahre zuvor, ergab eine Studie der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uni Köln. Sie werden bei Psychosen, Entwicklungsstörungen und Autismus eingesetzt – und zunehmend bei Verhaltensstörungen, für die sie nicht zugelassen sind. Bei ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom) ist das zulässig, Eltern sollten aber über Nutzen und Risiken informiert werden.

Die Situation: Psychisch auffällig sind in jeder Berliner Schulklasse im Schnitt zwei Schüler, so Dr. Ulrich Fegeler vom Berliner Berufsverband der Kinderärzte. An ADHS wiederum leiden bis zu 3 Prozent aller Kinder und Jugendlichen, meist Jungen.

Die Diagnose: Bei ADHS-Verdacht müssen organische Beschwerden wie Störungen der Schilddrüsenfunktion ausgeschlossen werden. Für Konzentrationsstörungen und Lernschwierigkeiten können häusliche Gewalt oder Vernachlässigung Ursache sein. Bei Jugendlichen muss auch an eine Suchterkrankung oder psychotische Störung gedacht werden.

Die Therapien: Neben der Beratung sind oft eine psychotherapeutische und medikamentöse Therapie notwendig. Pädagogische oder psychotherapeutische Maßnahmen seien aber oft besser geeignet als Psychopharmaka, sagt der Kölner Klinikleiter Dr. Gerd Lehmkuhl. Neben Massagen und Diäten werden ohne ausreichenden Wirksamkeitsnachweis auch Extrakte aus Johanniskraut, Echinacea und Ginkgo eingesetzt. Johanniskraut war über acht Wochen laut einer aktuellen US-Studie aber wirkungslos; ein Placebo schnitt sogar besser ab als Johanniskraut. Eine weitere Studie zeigte auch keinen Nutzen bei homöopathischen Behandlungen.

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