Stress: Wie der Organismus reagiert

Wenn wir uns streiten oder ärgern, unter Zeitdruck stehen oder überfordert fühlen - also im Stress sind -, schrillt im Gehirn früher oder später ein Alarm. Eine Hormonkaskade - unter anderem Adrenalin und Kortisol - bringt unseren Körper dann auf Hochtouren: Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck steigt, die Muskeln spannen sich an, Schweiß bricht aus.

Die Reaktion stammt aus der Steinzeit: Sie stimmt auf "Kampf" oder "Flucht" ein, indem sie kurzfristig die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit steigert. Ein gelegentlicher Adrenalinstoß kann auch in der heutigen Gesellschaft Geist und Körper beflügeln, doch zu viel Stress macht krank ­- vor allem wenn er den Körper bis zum Daueralarm aufputscht. Auch andauernde berufliche Belastung und fehlende Anerkennung, ständige Beziehungskrisen oder aggressive Grundstimmung und hektische, herausfordernde Verhaltensweisen lösen dauerhafte Stressreaktionen aus.

Nicht jeder Mensch reagiert auf Stress gleich. Bei einigen kann der Organismus offenbar natürliche Schutzmechanismen mobilisieren. Bei anderen sind Herz und Kreislauf ständig auf Hochtouren, während zum Beispiel die Abwehrkräfte gegen Krankheiten geschwächt werden können. Und wenn Stress und Belastungen auf geschädigte Herzkranzarterien treffen, können sie über komplizierte Mechanismen sogar zum Gefäßverschluss und Herzinfarkt führen.

Werden Warnzeichen - Gereiztheit, innere Unruhe, rastlose Aktivität, Erschöpfung, Lustlosigkeit, Schlafstörungen, soziale Abkapselung ­- rechtzeitig erkannt, kann der körperliche Daueralarm noch gestoppt werden. Entscheidend für das körperliche und seelische Gleichgewicht ist der Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung, Aktivität und Ruhe.

Direkt nach einer Stresssituation gibt es zwei grundlegende Möglichkeiten, den Organismus vor Schaden zu bewahren: die bereitgestellte Energie durch körperliche Bewegung zu verbrauchen oder durch Entspannungstechniken zu drosseln. Um den Stress langfristig zu bewältigen, ist auch der Kopf gefordert: Analyse und ein Handlungsplan sind erforderlich. Emotionaler Rückhalt im Freundes- oder Familienkreis kann Stressreaktionen generell abmildern.

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