Prozessfinanzierer Meldung

Die Verantwortlichen des Prozessfinanzierungsunternehmens Juragent sollen Aktionäre und potenzielle Kunden mit falschen Geschäftszahlen getäuscht haben. Das werfen ehemalige Mitarbeiter dem Unternehmen vor.

Die Aktiengesellschaft übernimmt für Kläger die Kosten von aussichtsreichen Gerichtsverfahren und fordert dafür im Erfolgsfall eine Gewinnbeteiligung vom Kunden. Bislang gab die Leipziger Firma in Aktionärsbriefen und auch auf Anfragen von Finanztest regelmäßig an, dass bis Ende des vergangenen Jahres Fälle mit Streitwerten von insgesamt rund 110 Millionen Mark in die Finanzierung genommen worden seien. Für Aktionäre und potenzielle Kunden ist das eine wichtige Zahl. Sie sagt aus, dass reichlich Gewinne aus gewonnenen Prozessen zu erwarten sind und Mandanten eine ordentliche Chance haben, dass ihr Fall finanziert wird.

Finanztest hat jedoch erhebliche Zweifel an der Richtigkeit der Zahl und hält die Darstellung der Exmitarbeiter für plausibel. Danach hatte Juragent bis zum Ende des Jahres 2000 nur Fälle mit Streitwerten in Höhe von insgesamt höchstens 60 Millionen Mark verbindlich in Finanzierung genommen ­ etwas mehr als halb so viel wie angegeben. Wahrscheinlich ist, dass das Finanzierungsunternehmen die Daten eines Falles mit hohem Streitwert in die veröffentlichten Zahlen einfließen lässt, der aber vom Finanzierer bereits im letzten Jahr "aufgrund kaufmännischer Aspekte" abgelehnt wurde.

Die Zweifel wollte Juragent nach mehreren Finanztest-Anfragen nicht ausräumen und verweist lediglich auf einen Aktionärsbrief, der weiterhin von 110 Millionen Mark Finanzierungsvolumen spricht. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, müssen die Verantwortlichen von Juragent mit empfindlichen Strafen rechnen. Der jungen Branche der Prozessfinanzierer droht ein herber Imageverlust.

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