Prozessfinanzierer Juragent Meldung

Auch im Boxgeschäft ist Mirko Heinen (links), Ex-Vorstand der Juragent, gescheitert. Der Kampf von Sven Ottke (mitte) und Dariusz Michalczewski ist geplatzt.

Auch im Boxgeschäft ist Mirko Heinen (links), Ex-Vorstand der Juragent, gescheitert. Der Kampf von Sven Ottke (mitte) und Dariusz Michalczewski ist geplatzt.

Aufregung beim Berliner Prozessfinanzierer Juragent AG: Die Aktionäre haben den Vorstand Mirko Heinen rausgeworfen. Kurz vor Toresschluss hat er noch Teile des Geschäfts in die Schweiz verlagert. Auch mit seinem Nebengeschäft in der Boxwelt ist er gescheitert: Der von Mirko Heinen geplante Kampf der Box-Oldies Sven Ottke und Dariusz Michalczewski ist geplatzt.

Dariusz Michalczewski sagt Kampf ab

Der Kämpfer Dariusz Michalczewski wird nicht wie geplant gegen Sven Ottke in den Ring steigen. Das hat das Management des Boxers Finanztest mitgeteilt. Der Veranstalter, die Brain-Support AG aus Berlin, habe wichtige Vertragsbestandteile nicht eingehalten. Damit scheitert Brain-Support-Vorstand Mirko Heinen auch im Boxgeschäft. Bereits in der vergangenen Woche wurde Heinen als Vorstand des Berliner Prozessfinanzierers Juragent AG entlassen. Dort hatte er in den vergangenen Jahren über die Fonds der Juragent AG fast 80 Millionen eingesammelt. Sie müssen nun fürchten, dass ein großer Teil ihres Geldes nicht der Finanzierung aussichtsreicher Gerichtsprozesse dient, sondern klammheimlich in die Schweiz abgeflossen ist. Was dort damit geschieht, ist unklar.

Kurz vor Toresschluss in die Schweiz

Ende März hat die Geschäftsführung des vierten Juragent-Fonds die Anleger darüber informiert, dass sich nun nicht mehr die Berliner Juragent AG darum kümmern werde, erfolgversprechende Gerichtsverfahren zu suchen und mit dem Anlegergeld zu finanzieren. Das erledige nun eine Schweizer Firma namens Juraswiss AG. Sie ist erst seit kurzem im Schweizer Handelsregister eingetragen. In den Vereinbarungen zwischen dem Fonds und der Juragent AG ist eine Übertragung der Juragent-Aufgaben auf ein anderes Unternehmen nicht vorgesehen.

Finanztest warnte frühzeitig

Bei der Juragent AG lief das Geschäft mit aussichtsreichen Prozessen bislang offenbar schlecht. Bereits Anfang 2007 hatte Finanztest kritisch über die Firma berichtet. Der vierte Juragent-Fonds steht zudem auf der Warnliste von Finanztest. Die Auswahl der Fälle verläuft äußerst schleppend und wie es um die bereits finanzierten Prozesse bestellt ist, wollten die bisherigen Firmenvorstände Mirko Heinen und Anette Ehlers nicht preisgeben.

„Aushängeschild“ hat sich verabschiedet

Prozessfinanzierer Juragent Meldung

Die Juragent AG hatte bereits schon einmal für Schlagzeilen gesorgt, weil sie mit Anlegergeld unkonventionell umging. So hat sie im Jahr 2006 einen Mitarbeiter mit einer Million Euro aus der Untersuchungshaft freigekauft. Die Staatsanwaltschaft Zwickau wirft ihm vor, bei anderen Geschäften Geld veruntreut zu haben. Die Staatsanwaltschaft Berlin bewertete die Millionenzahlung als „Verletzung von Vermögensbetreuungspflichten“. Die Ermittlungen gegen die Verantwortlichen bei Juragent stellte sie trotzdem ein. Das Aushängeschild der Juragent AG, der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Peter Schwintowski, verabschiedete sich 2007 von seinem Posten. Der Berliner Juraprofessor hatte die Millionenzahlungen gegenüber Finanztest erst bestritten und dann erklärt, dass er den Sachverhalt nicht verstanden hätte.

Auch Anlegergeld bereits in der Schweiz?

Nun ist möglicherweise noch viel mehr Geld von Konten der Juragent abgeflossen, ohne dass das vom Gesellschaftszweck gedeckt ist. Nach Erkenntnissen von Finanztest soll der Deutsche Lars Schudack, der im Handelsregister als Zeichnungsberechtigter für die Jura­swiss AG eingetragen ist, gegenüber Dritten bereits geprahlt haben, in der Schweiz über 21 Millionen Euro verfügen zu können. Das entspricht bis auf einige Millionen der Summe, die die Anleger des Fonds 4 der Juragent AG seinerzeit zur Verfügung gestellt hatten.

Ehemalige Geschäftsführung schweigt

Den bisherigen Juragent-Vorständen Heinen und Ehlers haben die Aktionäre unterdessen das Vertrauen entzogen. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung der Gesellschaft Ende März wählten sie einen neuen Aufsichtsrat, der die bislang Verantwortlichen entlassen hat. Den bisherigen Vorstandsvorsitzenden Mirko Heinen konnte Finanztest mit Fragen zur Geschäftsverlagerung in die Schweiz nicht erreichen. Das zweite ehemalige Vorstandsmitglied, die Leipziger Rechtsanwältin Anette Ehlers, wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

Neue Geschäftsführung noch ohne Erkenntnisse

Ob Geld der Anleger kurz vor dem Führungswechsel tatsächlich in großem Stil in die Schweiz geflossen ist, konnten die neuen Verantwortlichen bei Juragent nach eigenen Angaben noch nicht ermitteln. Bewirkt hatte den Wechsel in der Unternehmensführung auf der Hauptversammlung der Berliner Unternehmensberater Hermann von Sachsen gemeinsam mit seiner Tochter. Er erklärte, dass die neue Geschäftsleitung der Juragent AG noch keinen Überblick über die Konten der Firma habe. In der EDV des Unternehmens seien zudem viele Daten gelöscht und der Bestand an Unterlagen sei äußerst dürftig. Spätestens Mitte April aber könne man den Anlegern den Stand der Dinge berichten.

Kein Kampf der Boxoldies im Mai

Die besorgten Anleger wird nicht überraschen, dass nun auch der geplante Boxkampf der Kämpfer Dariusz Michalczewski und Sven Ottke geplatzt ist. Diesen Kampf der Box-Oldies, der im Mai in Hannover stattfinden sollte, wollte ursprünglich die Berliner Firma Brain-Support AG veranstalten. Hier sitzt der frisch geschasste Juragent-Vorstand bislang noch auf dem Vorstandsposten. Doch Boxer Michalczewski wirft dem Veranstalter vor, sich nicht vertragstreu verhalten zu haben. Er hat den Kampf abgesagt. Damit ist nun auch Mirko Heinens zweiter Versuch als Boxveranstalter im Nebenberuf gescheitert. Heinen hatte sich Ende des vergangenen Jahres bemüht, einen Kampf zwischen Dariusz Michalczewski und Graciano Rocchigiani auszurichten. Doch auch das ging in die Hose. „Rocky“ unterschrieb den Vertrag nicht und erklärte der Presse, dass er Brain-Support-Chef Mirko Heinen und dessen Kollegen für unseriös halte. Der Boxer war über Heinens Verhalten so erbost, dass er die Vertragsentwürfe der Brain-Support sogar ins Internet stellte. Der Zeitschrift Sport Bild erklärte „Rocky“: „Ich hatte den Eindruck, dass die Brain-Support-Leute lieber feiern als arbeiten“.

Erklärt: Das Juragent-Modell

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