Promifonds Meldung

Posieren für den Deutschen Vermögensfonds I: Die früheren Staatssekretäre Helmut Holl,

Fünf Politiker werben für einen Vermögensfonds. Anleger sollen dort investieren und so ­ihre Altersvorsorge aufbessern. Doch für die Risiken haften die Prominenten nicht.

„Geld in die Hände anderer Menschen zu geben, ist eine Sache des Vertrauens“, heißt es im Imageprospekt für den „MSF Master Star Fund Deutsche Vermögensfonds I“. Der Fonds setzt deshalb auf prominente Gesichter. Die Fotos von gleich fünf Politikern zieren den Prospekt.

Zu sehen sind der Exbundesverteidigungsminister Rupert Scholz, der frühere Berliner Senator Walter Rasch und die drei ehemaligen Staatssekretäre Helmut Holl, Wighard Härdtl und Andreas Butz. Sie sollen Vertrauen schaffen.

Sie halten dafür nicht nur ihr Gesicht hin, sondern sind als Beirat (Scholz), Vorstand (Rasch, Butz) und Aufsichtsräte (Holl, Härdtl, Butz) bei der Muttergesellschaft des Fonds, der Deutschen Anlagen AG (DA), oder einer ihrer 100-prozentigen Töchter engagiert.

Als Altersvorsorge nicht geeignet

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Andreas Butz,

Die prominenten Herren empfehlen Anlegern „jeder Einkommensklasse“ den Fonds als „ergänzende Altersvorsorge “. Doch dazu taugt die Beteiligung an dem geschlossenen Fonds nun wirklich nicht. Denn es handelt sich eher um ein Zockerangebot als um eine sichere Anlage für „die private Zusatzvorsorge“, wie der Prospekt weismachen will.

Anleger müssen sich für 10 bis 30 Jahre binden und sind als Kommanditisten, also Mitgesellschafter, an einem riskanten Unternehmen beteiligt. Das kann ihnen – wenn alles gut läuft – eine schöne Rendite einbringen. Die Betei­ligung kann aber auch „bis hin zum ­Totalverlust Ihres eingesetzten Kapitals führen“. So steht es im 104 Seiten starken Emissionsprospekt. Nur er ist für Anleger verbindlich, nicht der schöne Imageprospekt.

Gleich zwei von vier „Wertschöpfungsbereichen“, in die das Anlegergeld investiert wird, sind hochspekulativ. Neben Investitionen in Immobilien und Wertpapiere soll das Anlegergeld in „alternative Investments“ wie Hedgefonds fließen und in „Private Equity“, in junge, nicht an der Börse notierte Unternehmen. Dass das riskant und die geplante Rendite von gut 11 Prozent nicht sicher ist, streiten nicht einmal die fünf „hochrangigen Persönlichkeiten“ ab.

Geld fließt in neuen Vertrieb

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Wighard Härdtl,

Die konkreten Geldanlagen des Fonds stehen zu Beginn der Beteiligung noch nicht fest. So fließt das Anlegergeld in einen so genannten Blindpool.

Doch im Bereich „Private Equity“ ist eine große Investition schon klar. Und die ist auch gleich ein Abenteuer. Satte 18 Millionen Euro sollen in den Aufbau eines neuen Finanzvertriebs mit dem sinnigen Namen Invictum (unbesiegbar) gesteckt werden. Mit dem Geld soll Invictum-Geschäftsführer Hans Hoffmann eine Vertriebsorganisation für Bank- und Versicherungsprodukte aufbauen und noch im Jahr 2004 rund­ 2 500 Mitarbeiter werben.

Das dürfte ihm nicht schwer fallen. Seitdem ein riesiges Finanzunternehmen, die Göttinger Gruppe, seine dubiosen Beteiligungen nicht mehr loswird (siehe „Erinnerungen an die Göttinger Gruppe“), ist die Invictum zu einer Art Auffanggesesellschaft für zerschlagene Vertriebsgruppen der Göttinger geworden. 1 000 Vermittler konnten schon gewonnen werden, erklärte Walter Rasch gegenüber Finanztest.

Anleger zahlen Vertriebswerbung

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der Berliner Exsenator Walter Rasch und

Die Anlaufverluste von Invictum werden für das Jahr 2004 auf rund 18 Millionen Euro geschätzt und beim Fonds in voller Höhe als „Verlust aus Venture-Capital-Beteiligung“ gebucht. Der Verlust stammt hauptsächlich aus den Kosten für Vertriebswerbung und -schulung sowie aus Werbungs- und Marketingkosten. Die Hauptinvestition des Deutschen Vermögensfonds I ist also zunächst einmal ein mächtiger Kostenblock.

Gerade Investionen in Finanzfirmen sind jedoch spekulativ und können laut Prospekt „nicht durch die Investitionen in die anderen Portfolios aufgefangen werden“. Da auch diese Portfolios reichlich Risiken bergen, ist viel Vertrauen nötig, um hier Geld zu investieren.

Einmalanlage und Monatsraten

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der ehemalige Bundesminister Rupert Scholz.

Die DA geht davon aus, das auch „Anleger mit einem normalen Einkommen“ ihr Vertrauen in eine Vermögensanlage setzen, „wie sie sich sonst nur Großinvestoren leisten können“.

Um am Erfolg der Großen teilzuhaben, sollen Anleger sich für viele Jahre mit einer Einmaleinlage ab 600 Euro oder mit einer Kombination aus Einmaleinlage ab 600 Euro und monatlichen Raten ab 25 Euro beteiligen. Hinzu kommt das übliche Aufgeld (Agio) in Höhe von 5 Prozent der Einlage.

Als einmalige Kosten der Anlage zieht die Fondsgesellschaft gleich zu Beginn gut 14 Prozent der Gesamteinzahlung des Anlegers von seinen Beiträgen ab. Im Prospekt sind nur 8,86 Prozent als Kosten der Anlage angegeben, doch dazu kommen die 5 Prozent Agio.

Insgesamt will der Fonds bis Ende 2004 mit Anlegern Verträge über 200 Millionen Euro abschließen. Davon werden 14 Millionen Euro in 2004 und weitere 4 Millionen Euro in 2005 an die Invictum und 27 Millionen an eine DA-Vertriebstochter ausgezahlt. Von den 27 Millionen entfallen allein 22,5 Millionen Euro auf Vermittlungsprovisionen, die größtenteils an die exklusiv mit der Vermittlung der Fondsanteile beauftragte Vertriebsfirma Futura Finanz AG weitergeleitet werden.

Dieser Vertrieb aus Hof war FINANZ­test zuletzt negativ aufgefallen, weil seine Vertreter mit unsauberen Methoden den „Capital Sachwert Alliance Beteiligungsfonds 5“ der Deutschen Frankonia AG als „ein sicheres Konzept“ für die Vorsorge bewarben, obwohl es sich auch hier um eine riskante Kommanditbeteiligung handelt (siehe „Sorge um Vorsorge“, Finanztest 5/2004).

Michael Turgut, Vorstand der Futura Finanz, hat sogar eine Platzierungsga­rantie abgegeben. Er steht also dafür ­gerade, dass die geplante Beteiligungssumme zusammenkommt. Als Aufsichtsrat bei der Deutschen Anlagen AG kann er dies auch gleich beaufsichtigen.

Lauter gute Ratings

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Fotos wie dieses sollen Seriosität vermitteln: Matthias Ginsberg (links) und Exstaatssekretär ­Andreas Butz (rechts) sind als Vorstände, ­Exstaatssekretär Wighard Härdtl (Mitte) als ­Aufsichtsrat bei der ­Deutschen Anlagen AG tätig.

Sicher wird es dem Vertrieb helfen, dass der Deutsche Vermögensfonds seriös konzipiert und – wie die Initiatoren betonen – fünffach von renommierten Ratingagenturen analysiert, begutachtet, geprüft und für gut befunden wurde. Die älteste Prüfgesellschaft für geschlossene Fonds, die G.U.B., vergab sogar das Prüfurteil „gut“ mit Doppelplus.

Die Prüfung bezieht sich auf das im Prospekt dargestellte Fondsmodell. Vor allem die Einbindung internationaler Experten wird gelobt. Doch das sagt nichts über den wirtschaftlichen Erfolg.

Auch die maroden Fonds der Bankgesellschaft Berlin erhielten einst „gute“ Prüfergebnisse. Ob die „Mehr-Wert-Strategie nach Nobelpreisträger-Me­thode“ beim Vermögensfonds aufgeht, können die Prüfer nicht wissen.

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