Prokrastination Meldung

Über­fordert. Wer Dinge stets aufschiebt, leidet oft psychisch.

Man müsste mal: den über­teuerten Stromanbieter wechseln, den über­fälligen Zahn­arzt­termin ausmachen, den Papierkram durch­sehen, den Keller ausmisten, den Neujahrs­vorsatz anpacken. Oder doch lieber erst morgen? Unangenehmes aufzuschieben, ist menschlich – das Prokrastinieren sollte aber kein Dauer­zustand werden. test.de gibt Tipps zum Gegen­steuern.

Nicht immer harmlos

„Aufschieben ist menschlich – und manchmal durch­aus sinn­voll“, sagt Psycho­loge und Buch­autor Hans-Werner Rückert. Nicht jeder Geistesblitz kommt auf Knopf­druck. Manche Menschen sind nicht immer gleich produktiv. Einige spornt es an, Dinge auf den letzten Drücker zu erledigen. Es gibt auch problematische Formen der Aufschieberitis, fach­sprach­lich Prokrastination. Manche Betroffene fühlen sich schlecht und minderwertig, weil sie Dinge nicht tun, die sie wichtig finden. Oft gehen psychische Leiden wie Stress und Ängste mit dem Dauer­verzögern einher, schreibt Katrin Klingsieck, Psycho­login an der Universität Paderborn, 2013 in einem Fach­artikel. Auch könne sich die Prokrastination negativ auf Einkommen und Karriere auswirken, so Klingsieck.

Häufig an Universitäten

Besonders oft leiden laut Klingsieck Studenten unter dem Phänomen. Sie haben häufig ein hohes Arbeits­pensum, das sie selbst organisieren müssen. Etliche klagen seit der Umstellung auf Bachelor und Master sogar über einen gestiegenen Leistungs­druck. Viele deutsche Universitäten bieten inzwischen Kurse und Sprech­stunden zum Thema Prokrastination an. „Allgemeine Hilfen für jedes Alter stammen unter anderem aus dem Zeitmanagement“, so Experte Rückert.

Tipps

  • Prioritäten setzen. Machen Sie regel­mäßig eine To-do-Liste. Über­legen Sie: Was ist wichtig, was kann ich aufschieben, abgeben, streichen? Was hielt mich bisher von der Umsetzung ab?
  • Am Ball bleiben. Versuchen Sie, positive Gefühle zu stärken. Teilen Sie große Aufgaben in kleine Schritte ein und belohnen Sie sich, wenn Sie ein Zwischenziel erreicht haben. Reflektieren Sie Ihr neues Verhalten und lenken Sie sich nicht mit anderen Tätig­keiten von wichtigen Projekten ab.

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