Prokon eG Unruhe unter den Anlegern

08.06.2021
Prokon eG - Unruhe unter den Anlegern
© Prokon

Anleger um den Verein „Freunde von Prokon“ schüren Ängste um das Vermögen der Wind­park­firma Prokon. Denn deren Projekte landen bei der Schwestergesell­schaft Wind­auf.

Anleger­ver­ein verschickt Warn­schreiben

Ein Schreiben mit düsterem Inhalt hat der Verein Freunde von Prokon e.V. an Genossen der Prokon eG aus Itzehoe im Vorfeld der General­versamm­lung am 9. Juni 2021 geschickt. Vereins­vorstand Wolfgang Siegel warnt darin, Prokon gliedere Vermögens­werte aus. Er befürchtet, das könne nach­teilig für die Genossen sein. Das Prokon-Management weist dies scharf zurück.

Genossen erhielten Prokon am Leben

Der Verein hatte als eine der treibenden Kräfte mit dafür gesorgt, dass aus Prokon über­haupt eine Genossenschaft wurde: Als im Januar 2014 der Wind­park­betreiber Prokon GmbH aus Itzehoe Insolvenz anmeldete, zitterten damals 75 000 Anleger um ihr Geld. Sie hatten insgesamt 1,4 Milliarden Euro in Genuss­rechte der Gesell­schaft investiert. Seiner­zeit hatte der Anleger­ver­ein Freunde von Prokon dafür geworben, Prokon am Leben zu erhalten und 2015 in eine Genossenschaft umzu­wandeln (Prokon: Windkraft-Firma wird Genossenschaft). Die ehemaligen Genuss­rechts­inhaber hatten darüber hinaus das Recht, Anleihen zu beziehen.

40 000 Anleger sind beteiligt

Heute besitzen rund 40 000 Kleinsparer Genossen­schafts­anteile. Zum Januar 2017 musste der Wert der Anteile von ursprüng­lich 50 Euro um ein Drittel abge­schrieben werden. Als Gründe nannte das Unternehmen ein schlechtes Wind­jahr 2016 und deutlich verschlechterte Rahmenbedingungen in Polen, wo Prokon Wind­parks besitzt. Inzwischen zahlt Prokon wieder eine Dividende. Die Genossen können die Ausschüttung im Unternehmen lassen und damit den Wert ihrer Anteile aufbessern auf derzeit 37,54 je Anteil.

Anleihe wird nach und nach getilgt

Die Anleihen mit einem Zins von 3,5 Prozent sind mit den bestehenden Wind­parks besichert. Über die Lauf­zeit bis 2030 wird sie getilgt. Entsprechend sinkt Jahr für Jahr der Nenn­wert der börsen­gehandelten Papiere. Die Anleihen mit ursprüng­lich 10 Euro haben nach den ersten Tilgungen derzeit noch einen Nenn­wert von 7,12 Euro. Die Papiere gelten mit einem Rating von BB als anlagewürdig, das Ausfall­risiko ist aufgrund der festen Strom-Einspeise­vergütungen eher nied­rig.

Verein fürchtet ein Ausbluten

Sorgen bereitet dem Verein eine davon unabhängige Entwick­lung: In den Brief an die Genossen, der Finanztest vorliegt, führt der Verein die 2017 gegründete von Prokon recht­lich unabhängige Schwestergesell­schaft Wind­auf eG an, die ebenfalls ihren Sitz in Itzehoe hat. Unter dem gleichen Management wie Prokon kauft diese Schwestergesell­schaft von Prokon entwickelte Wind­parks und Solar­parks auf und betreibt sie. Der Verein sieht das kritisch: Werte aus der alten Gesell­schaft würden in eine neue trans­feriert, warnt der Brief mit fetten Lettern. Es bestehe die Gefahr, „dass die Ursprungs­gesell­schaft ausblutet.“

Verkauf von Wind­parks war geplant

Dass Prokon neu entwickelte Wind­parks verkaufen muss, um Zinsen und Tilgung der Anleihe zu stemmen und oben­drein noch Ausschüttungen an die Genossen zu erwirt­schaften, sah bereits der Insolvenz­plan vor. „Würden wir alle selbst entwickelten Projekte auch betreiben, wäre zu viel Liquidität gebunden“, erläutert ein Sprecher von Prokon. Von Beginn an habe die Prokon Genossenschaft selbst entwickelte Projekte auch weiterverkauft. Die Einnahmen daraus seien unver­zicht­bar, so schildert es die Unter­nehmens­führung. Tatsäch­lich müssen neben Einspeise­vergütungen und Strom­verkauf an Privatkunden auch andere Geldquellen her, um die Fortführung zu sichern.

Schwestergenossenschaft kauft Projekte

Damit ein Teil des Projektierungs­geschäfts auch „in der Familie bleibt“, wie es Prokon formuliert, kauft die Schwestergesell­schaft Wind­auf nun mit frisch einge­sammeltem Kapital einige von Prokon entwickelte Projekte und betreibt sie auch. Dabei ist die Wind­auf noch ein recht kleines Schwesterchen. Bislang haben Prokon-Genossen und neue Anleger dort etwa 11 Millionen Euro in Anteile investiert. Genug, um zwei Solar­parks und drei Wind­parks von Prokon zu über­nehmen. Fremd­kapital musste die Wind­auf nach eigenen Angaben bislang nicht aufnehmen. Dazu besteht aber die Möglich­keit.

Prokon-Aufsichts­rat stellt sich gegen Anleger­ver­ein

Es sei gut möglich, dass die Wind­auf eG sich nach Auslaufen der Anleihe und damit der hohen Fremd­kapitallast wieder mit Prokon vereint, heißt es im Mitglieder­bereich der Prokon-Webseite. Oben­drein blieb Prokon bislang an allen zuvor entwickelten und an andere Wind­park­betreiber verkauften Projekten über Sach­einlagen mit 19,9 Prozent beteiligt. Prokon-Aufsichts­rat Rainer Doemen, der lange selbst in vorderster Reihe bei den Freunden von Prokon aktiv war, zeigt sich enttäuscht von der Aktion des Anleger­ver­eins unter dem heutigen Vereins­vorstand Wolfgang Siegel: „Hier wird die Karte Angst gespielt“, findet Doemen, „völlig ohne Grund.“

Prokon-Vorstand weist Vorwürfe zurück

Prokon-Vorstand Henning von Stechow sagt gegen­über Finanztest: „Es handelt sich hier um eine Desinformations­kampagne einer kleinen Gruppe von Genossen beziehungs­weise einer Einzel­person. Die Meinung von Prokon ist klar: Die Vorwürfe sind in allen wesentlichen Punkten irreführend, unwahr oder beides.“

Unser Kommentar

Die Vorgehens­weise des Prokon-Vorstands kann wirt­schaftlich sinn­voll sein. Derzeit gibt es keine Hinweise dafür, dass Vermögens­werte zu nicht markt­gerechten Preisen oder zu unvor­teilhaften Konditionen weiterge­geben werden. Insofern sind auch keine Nachteile für die Genossen erkenn­bar.

08.06.2021
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