Zwischen August und Ende Oktober hat der Wind­kraft­spezialist und Genuss­rechts­anbieter Prokon Regenerative Energien weitere Verluste aufgetürmt. Das ergibt sich aus neuen Zwischen­bilanzen zum 31. Oktober. Ob und inwieweit sich der Rück­zahlungs­anspruch der Genuss­rechte-Anleger bereits vermindert hat, veröffent­licht Prokon nach wie vor nicht. Setzt sich die geschäftliche Entwick­lung so fort wie bisher, könnte das Jahres­ergebnis wieder nicht ausreichen, um die Zinsen abzu­decken.

Beunruhigende Entwick­lung

Die auf erneuer­bare Energien spezialisierte Prokon Unter­nehmens­gruppe ist bundes­weit bekannt, weil sie die Genuss­rechte ihrer Tochtergesell­schaft Prokon Regenerative Energien GmbH direkt an Privat­anleger vertreibt. Sie wirbt dafür in Post­wurfsendungen, im Fernsehen oder etwa über Aufkleber in S-Bahnen. Über 74 000 Anleger haben mehr als eine Milliarde Euro in die Genuss­rechte investiert. Damit ist Prokon Regenerative Energien die mit Abstand größte Anbieterin solcher Vermögens­anlagen in Deutsch­land. Weitere Milliarden will sie noch einsammeln. In Rund­briefen und auf der Website des Unter­nehmens hat die Unter­nehmens­gruppe in den vergangenen Monaten mehrere Zwischen­bilanzen veröffent­licht. Sie zeigen eine für Anleger beunruhigende Entwick­lung. Erst kürzlich hat test.de darüber berichtet.

Stamm­kapital Ende Oktober aufgezehrt

Bis Ende Oktober 2013 hat die Genuss­rechts­gesell­schaft Prokon Regenerative Energien demnach 131,1 Millionen Euro Verlust angehäuft. Ende August waren es 107,2 Millionen Euro. Bei der Unter­nehmens­gruppe, zu der sie gehört, stiegen die vorgetragenen Verluste im gleichen Zeitraum von 194,4 Millionen Euro auf 209,9 Millionen Euro. Sowohl in der Unter­nehmens­gruppe als auch bei ihrer Tochtergesell­schaft Prokon Regenerative Energien war an beiden Stich­tagen das Stamm­kapital aufgezehrt. Darüber hinaus­gehende Verluste muss das Genuss­rechts­kapital voll mittragen. Der Rück­zahlungs­anspruch der Anleger sinkt entsprechend. Die Unter­nehmens­gruppe hat sich auf Anfrage von test.de im November nicht dazu geäußert, ob und gegebenenfalls um wie viel sich der Rück­zahlungs­anspruch schon vermindert hat.

Wenig Boden gutgemacht

Im operativen Geschäft hat Prokon Regenerative Energien im Spätsommer und Herbst­anfang wenig Boden gutgemacht: Bis Ende August hatte die Gesell­schaft im Jahr 2013 knapp 13 Millionen Euro vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern verdient. Für den Zeitraum von Jahres­anfang bis Ende Oktober wies sie knapp 16 Millionen Euro aus. Das Geschäft müsste daher im November und Dezember 2013 viel höhere Gewinne als in den Monaten von Januar bis Oktober abwerfen, damit der Jahres­über­schuss für die Zahlungen an die Anleger reicht. Allein für die Grund­verzinsung von sechs Prozent pro Jahr sind bei mehr als einer Milliarde Euro Genuss­rechts­kapital über 60 Millionen Euro nötig. Aus dieser Berechnung lässt sich aber nicht auto­matisch schließen, dass die Zinsen nicht in vollem Umfang gezahlt werden können. Prokon Regenerative Energien darf mehr als den Jahres­über­schuss zahlen, wenn genügend stille Reserven nachgewiesen werden. Die stillen Reserven sind die Differenz zwischen dem Markt- oder Verkehrs­wert eines Gutes und dem Buch­wert, mit dem es nach den Bilanzierungs­vorschriften des Handels­gesetz­buches angesetzt wird. In den vergangenen Jahren wurden mehr­fach stille Reserven genutzt. Stille Reserven spülen aber keine liquiden Mittel in die Kasse.

Zukunfts­szenario geht von hohem Geld­zufluss aus

In Reaktion auf kritische Berichte zu den bisher vorgelegten Zahlen hat die Prokon Unter­nehmens­gruppe eine Zukunfts­prognose veröffent­licht, wonach die Verzinsung und Rück­zahlung des Genuss­rechts­kapitals lang­fristig gesichert sei. Dieses Szenario hatte die Gruppe bereits in Rund­brief Nr. 52 vorgestellt. Die Verantwort­lichen der Prokon-Gruppe gehen davon aus, dass mehr als eine halbe Milliarde weiteres Genuss­rechts­kapital einge­worben wird. Aufschluss­reicher wäre eine Betrachtung ohne die Annahme eines so hohen Zustroms an Genuss­rechts­kapital gewesen. In der Mitteilung heißt es zudem, Verluste in der Investitions­phase seien völlig normal. Dies erklärt aber nicht, warum die Verlust­vorträge in den vergangenen Monaten so stark angestiegen sind. Die Stiftung Warentest wird Prokon daher weiter auf ihrer Warnliste führen.

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