Prokon Meldung

Der Wind­kraft­spezialist Prokon Regenerative Energien hat seinen Anlegern für Januar 2014 eine Zahlung für ihre Genuss­rechte angekündigt, die 7 Prozent Zins pro Jahr entspricht. Dafür reicht der Jahres­über­schuss laut Prokons Prognose aber erneut nicht aus. Die Gesell­schaft muss dafür auf Wert­steigerungen ihrer Anlagen zurück­greifen, die noch nicht durch Verkäufe an Dritte realisiert wurden. Der lang angekündigte Jahres­abschluss 2012 liegt nun immerhin als Entwurf vor. Schön ist er nicht.

Über­schuss­beteiligung wie erwartet gesunken

Prokon Regenerative Energien schüttet die Zinsen für seine Genuss­rechte halb­jähr­lich aus. Im Januar 2014 stehen somit die Zahlungen für das zweite Halb­jahr 2013 an. Die Zahlung soll diesmal 7 Prozent Zins pro Jahr entsprechen. Die Gesell­schaft schüttet also neben der Grund­verzinsung von 6 Prozent noch eine Über­schuss­beteiligung von einem Prozent pro Jahr aus. Das ist weniger als früher, als die Anleger insgesamt 8 Prozent erhielten. Die Absenkung hatte Prokon aber bereits im Verkaufs­prospekt vom Mai 2013 erwartet. Für 2014 stellt die Gesell­schaft insgesamt 6,5 Prozent in Aussicht.

Prokon:Verluste weiter gewachsen

128,8 Millionen Euro Fehl­betrag im Jahr 2012

Außerdem veröffent­lichte die Gesell­schaft am Freitag vor Weih­nachten Entwürfe für den Konzern­abschluss 2012 der Prokon Unter­nehmens­gruppe und den Jahres­abschluss 2012 für Prokon Regenerative Energien, die dazu gehört. Demzufolge war bereits Ende 2012 das Eigen­kapital des Konzerns und der Genuss­rechts­gesell­schaft negativ. Prokon Regenerative Energien weist in der Bilanz einen Jahres­fehl­betrag von 128,8 Millionen Euro aus. Fehl­beträge, die über die Rück­lagen und das Stamm­kapital hinaus­gehen, wie dies den Zahlen zufolge bei Prokon der Fall war, muss das Genuss­rechts­kapital voll mitragen. Der Buch­wert der Genuss­rechte, und damit auch der Rück­zahlungs­anspruch der Anleger, sinkt dementsprechend. Das hat sich zumindest bis Ende Oktober 2013 nicht geändert: In Zwischen­bilanzen zum 31. Oktober 2013 war das Stamm­kapital ebenfalls aufgezehrt.

Keineswegs nur Verluste auf dem Papier

Die hohen Verluste begründet Prokon mit der Umstrukturierung der Unter­nehmens­gruppe. Die Genuss­rechts­gesell­schaft plane und baue Wind­parks nun selbst, statt sie fertig von anderen Gesell­schaften zu kaufen. Sie müsse jetzt die Kosten für die Planung und den Bau tragen, dürfe aber nur noch einen Teil direkt im Anlage­vermögen zeigen. Einen Teil müsse sie als Aufwand verbuchen. „Da der Wind­park noch nicht am Netz ist, stehen diesen Kosten noch keine Erträge gegen­über – auf dem Papier entsteht der vermeintliche Verlust“, argumentiert Prokon an diesem Beispiel. Bei Prokon sind jedoch keineswegs alle Projekte in der Planungs- und Bauphase. Die Gesell­schaft ist vielmehr ein bedeutender Betreiber von Wind­parks, die längst Strom erzeugen. Sie lässt auch Biodiesel produzieren. Es handelt sich zudem keineswegs um „vermeintliche Verluste“ auf dem „Papier“, sondern um echte Fehl­beträge.

Prokon und die Haus­halts­kasse

Prokon verweist darauf, dass die Genuss­rechte „zu 100 % abge­sichert“ seien und listet das Sach­anlage­vermögen sowie stille Reserven auf, die sich aus der Differenz aus Markt­preis und Buch­wert der Anlagen ergibt. Die Frage der Verluste illustriert Prokon mit dem Beispiel einer Frau, die in großem Stil Plätz­chen backt und dafür das Haus­halts­geld aufbraucht. Der Mitbewohner der Frau bemerke voller Entsetzen ein „Riesen­loch“ in der Haus­halts­kasse. Die Frau verkaufe die Kekse dann auf dem Weihnachts­markt und nehme daher mehr Geld ein, als sie für die Back­zutaten ausgegeben habe. Die Schil­derung zeigt aber auch das potenzielle Problem einer solchen Strategie: Über­nimmt sich die Frau und backt zu viele Plätz­chen, über­steht sie die Zeit bis zum Verkauf finanziell vielleicht nicht. Lassen sich die Plätz­chen nicht zum erwarteten Preis oder in der erwarteten Menge verkaufen, kann es sein, dass die Haus­halts­kasse nach der Aktion weniger gut gefüllt ist.

Testierter Lagebericht liegt noch nicht vor

Das kann im Fall Prokon zu einem besonderen Problem werden, weil die Anleger schon vor dem Verkauf an den noch gar nicht am Markt erzielten Wert­steigerungen, den stillen Reserven, beteiligt werden. Sie können angezapft werden, wenn das Jahres­ergebnis nicht ausreicht, um die Zinsen und eine etwaige Über­schuss­beteiligung zu zahlen. Das ist laut Prognose 2013 erneut der Fall. Relevant sind sie zudem, wenn die Geschäfts­führung Anlegern mehr als den Buch­wert ihres Genuss­rechts­kapitals zurück­zahlt. Auch das ist nur möglich, wenn entsprechend stille Reserven nachgewiesen werden. Eigentlich muss Prokon diesen Ermessens­spielraum in einem von einem Wirt­schafts­prüfer testierten Lagebericht offenlegen. Das ist für das Jahr 2012 bislang nicht geschehen.

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