Prokon Meldung

Der Insolvenz­verwalter und drei Anleger­ver­einigungen wollen den Wind­kraft­spezialisten Prokon Regenerative Energien über einen Insolvenz­plan sanieren. Das sind gute Nach­richten für die 75 000 Anleger. Störfeuer gibt es aber vom ehemaligen Prokon-Chef Carsten Rodbertus – der bis zuletzt gegen den „Zerschlagungs­plan“ kämpfen will. test.de erklärt die Lage.

Einig mit den drei großen Anleger­ver­einigungen

Die Zerschlagung der Prokon Regenerative Energien GmbH steht vor­erst nicht zur Debatte. Das haben der Insolvenz­verwalter des Itzehoer Wind­kraft-Spezialisten und drei große Anleger­ver­einigungen in einer gemein­samen Erklärung klar­gestellt. Die Schutz­gemeinschaft der Kapital­anleger (SdK), die Deutsche Schutz­ver­einigung für Wert­papier­besitz (DSW) und die Freunde von Prokon sind sich mit Insolvenz­verwalter Dietmar Penzlin darin einig, dass eine Sanierung des Unter­nehmens von Vorteil wäre. Auf der Gläubiger­versamm­lung am 22. Juli 2014 in Hamburg will Penzlin darüber abstimmen lassen, ob er einen Insolvenz­plan ausarbeiten soll.

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Anleger sollen Gesell­schafter werden

Einig­keit herrschte auch über die Eckpunkte eines möglichen Insolvenz­plans. Die mit Abstand größte Gläubigergruppe bei Prokon sind die 75 000 Anleger, die 1,4 Milliarden Euro in Genuss­rechte der Gesell­schaft investiert haben. Nach Penzlins Vorstel­lungen sollen sie ihr Genuss­rechts­kapital in Eigen­kapital umwandeln und somit Gesell­schafter werden. Vorteil: Sie hätten dann auch Mitbestimmungs­rechte. Einen Teil der Genuss­rechte will der Insolvenz­verwalter in eine handel­bare Anleihe umwandeln, damit prokonmüde Anleger aussteigen können. Die Erlöse von Projekten und Beteiligungen, die verkauft werden, sollen anteilig an die Gläubiger fließen.

Plan des Insolvenz­verwalters klingt sinn­voll

Der Plan klingt sinn­voll, und die Zustimmung wichtiger Gläubiger­gruppen erhöht die Chancen, dass er auch realisiert wird. Denn auf der Gläubiger­versamm­lung am 22. Juli stellen die Gläubiger wichtige Weichen für die Zukunft des Unter­nehmens. Penzlin kann sich vorstellen, dass die Gläubiger auf diese Weise zwischen 30 und 60 Prozent ihrer Forderungen erhalten. Das wäre schon in einem normalen Insolvenz­verfahren eine erfreulich hohe Quote. In diesem Fall können die Anleger geradezu von Glück sprechen. Denn die Genuss­rechts­bedingungen sahen eigentlich vor, dass Genuss­recht­einhaber im Insolvenzfall erst dann an die Reihe kommen, wenn alle vorrangigen Gläubiger befriedigt wurden. In aller Regel bleibt für solche nach­rangigen Gläubiger gar nichts übrig. Das Glück der Anleger bestand darin, dass die Bedingungen nicht eindeutig genug formuliert waren. Das Insolvenzge­richt Itzehoe beschloss daher, dass die Nach­rang­klausel nicht wirk­sam sei und stellte die Anleger mit allen anderen Gläubigern gleich.

Ex-Prokon-Chef gibt keine Ruhe

Penzlin hat aber mit erheblichem Störfeuer zu kämpfen. Ex-Prokon-Chef Carsten Rodbertus zieht Penzlins Sanierungs­willen in Zweifel und versucht über seine „Arbeits­gemeinschaft für eine lebens­werte Zukunft von PROKON“ Anleger dazu zu bringen, seinen Vertrauten Voll­machten für die Gläubiger­versamm­lung zu erteilen. Er stellt eine Rück­zahlung von 90 bis 100 Prozent inner­halb von 3 bis 5 Jahren in Aussicht und will das Geld in dieser Zeit mit 2 bis 3 Prozent verzinsen. Ein Verlust des Vermögens der Anleger trete nur ein, wenn Penzlin seinen „Zerschlagungs­plan“ umsetzen könne, behauptet Rodbertus. Und: Penzlins Gutachten enthalte Fehler. Rodbertus listet eine Reihe von Fakten auf, die belegen sollen, dass die Anleger in Millionenhöhe „beschubst“ werden, wie er sich ausdrückt. „Damit es den Anlegern nicht auffällt, dass sie wie Schafe zur Schlacht­bank geführt werden, werde ich vom Insolvenz­verwalter, unter Nutzung von Unwahr­heiten, diskreditiert“, ätzt Rodbertus in einem Brief an die Anleger.

Bewertungs­spielräume erklären Teil der Differenzen

Bei Unternehmen gibt es häufig Bewertungs­spielräume. Für Finanztest ist nicht erkenn­bar, dass Penzlin diese zum Nachteil der Anleger ausreizt. Es liegt vielmehr nahe, dass Prokon unter Leitung von Rodbertus in der Vergangenheit Werte sehr opti­mistisch angesetzt hat. Es gibt auch keinerlei Hinweise darauf, dass Penzlin Rodbertus zu Unrecht diskreditieren würde. Die Experten der Stiftung Warentest fanden bei der Analyse der Unter­nehmens­zahlen von Prokon Regenerative Energien über die Jahre immer wieder fragwürdige Punkte. Themenseite Prokon

Beschwerden gegen vorteilhaften Insolvenz­beschluss

Ungemach droht noch von anderer Seite: Gegen den Beschluss des Insolvenz­gerichts Itzehoe ist Beschwerde einge­legt worden. Sollte der Beschluss dadurch kippen, würden die Anleger möglicher­weise wieder als nach­rangige Gläubiger einge­stuft. Einen Vorteil hätten dadurch die vorrangigen Gläubiger und solche Anleger, die Schadens­ersatz­ansprüche haben. Es ist aber schwierig, vor Gericht solche Ansprüche zugesprochen zu bekommen. Anleger tragen die Kosten, der Ausgang ist aber ungewiss. Nur ein minimaler Teil der Anleger dürfte daher profitieren, falls es so kommt, für die große Masse wäre eine solche Entwick­lung nach­teilig, zumal in zahlreichen Gerichts­prozessen eine Vielzahl offener Fragen geklärt werden müsste. Das bisherige Konzept des Insolvenz­verwalters ist nach Meinung der Finanztest-Experten über­zeugend.

Tipp: Wenn Sie Prokon eine realistische Sanierung­schance zubil­ligen wollen, sollten Sie entweder selbst zur Gläubiger­versamm­lung fahren und entsprechend abstimmen oder eine Voll­macht an eine natürliche oder juristische Person erteilen, die ebenfalls mit realistischen Vorstel­lungen antritt, wie zum Beispiel die drei großen Anleger­ver­einigungen.

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