Der ange­schlagene Wind­kraft­spezialist Prokon Regenerative Energien hat gute Chancen, sein Geschäft fort­zuführen. Die Anleger müssen hingegen um ihr Geld bangen. Laut dem vorläufigen Insolvenz­verwalter Dietmar Penzlin ist unklar, ob das Insolvenz­verfahren über­haupt eröffnet wird.

Wenig Hoff­nung auf Rück­zahlung des Anlegergeldes

Der vorläufige Insolvenz­verwalter von Prokon Regenerative Energien, Dietmar Penzlin, hat den rund 480 Mitarbeitern des Unter­nehmens Hoff­nungen auf einen Erhalt der Arbeits­plätze gemacht. Den Anlegern hingegen machte er wenig Hoff­nung auf Rück­zahlung ihres Geldes. Im Moment sei das Geschäft des Wind­energieanbieters ertragreich, weil kein Kapital­dienst zu leisten sei, sagte Penzlin am Donners­tag auf einer Presse­konferenz am Unter­nehmens­sitz in Itzehoe. Wie es auf Voll­kostenbasis aussehe, sei aber eine andere Frage, schränkte der Hamburger Anwalt ein. Prokon zahlt derzeit keine Zinsen auf die Genuss­rechte der Anleger. Ebenso werden gekündigte Genuss­rechte nicht ausgezahlt. Bei der Prokon-Tochtergesell­schaft haben gut 75 000 Anleger rund 1,4 Milliarden Euro in Genuss­rechte investiert.

Weitere Informationen zu Prokon finden Sie auf unserer Themenseite Prokon

Gutachten zur Insolvenz­frage beauftragt

Das Unternehmen hatte am 22. Januar einen Insolvenz­antrag beim Amts­gericht Itzehoe gestellt. Das wiederum hat Penzlin zum vorläufigen Insolvenz­verwalter bestellt. Wenn die Insolvenz eröffnet werden sollte, hält Penzlin eine Fortführung des Unter­nehmens aufgrund der ihm vorliegenden Zahlen für möglich. Ob das Amts­gericht allerdings den Antrag annimmt, ist offen. Prokon habe drei Rechts­gut­achten bei Professoren in Auftrag gegeben, um den Status der Genuss­rechte zu klären. Es gebe Anhalts­punkte, dass die Genuss­rechte nicht als fällig gelten und daher auch nicht als Insolvenz­grund gelten könnten, erläuterte Penzlin. Er hält damit auch eine Einschät­zung für möglich, die Prokon bereits in der vergangenen Woche ins Spiel gebracht hatte: Demnach sind gekündigte Genussrechte „möglicherweise nicht als fällige Forderungen zu bewerten“. Die Konsequenz: „Da auch seitens anderer Gläubiger keine fälligen Forderungen bestünden, müsste ein Insolvenz­antrag vom Gericht abge­lehnt werden, weil damit keine Insolvenz vorliegen würde“, hatte Prokon geschrieben.

Frühe Warnung von Finanztest

Der vorläufige Insolvenz­verwalter sagte, dass in einem solchen Fall die Genuss­rechte erst wieder bedient würden, wenn das Unternehmen dafür Geld habe. Sollte diese Situation nicht eintreten, könnte es theoretisch sein, dass die Anleger weder Zins­zahlungen noch bei einer Kündigung ihr einge­zahltes Geld zurück­bekommen. Die Entscheidung des Amts­gerichts über den Insolvenz­antrag werde zwei bis drei Monate dauern. Die Experten von Finanztest hatten schon im Sommer 2013 auf die Gefahr hingewiesen, dass Prokon die Möglich­keit haben könnte, Anleger teil­weise oder gar nicht auszuzahlen.

Prüfer erwägen Testats­verweigerung für Abschluss 2012

Sicher ist, dass Anleger bis zur Entscheidung des Amts­gerichts weder Zinsen noch gekündigte Genuss­rechte zurück­erhalten werden. Insolvenz­verwalter Penzlin wies darauf­hin, das die Anmeldung von Forderungen von Anlegern zum aktuellen Zeit­punkt sinn­los sei, da das Insolvenz­verfahren noch nicht eröffnet ist. Penzlin kündigte für die kommende Woche einen Anleger-Rund­brief mit einem Bericht zur derzeitigen Lage an. Vielleicht gibt es dann auch weitere Details zum Streit um den über­fälligen Jahres­abschluss 2012. Es stehe im Raum, dass die Wirt­schafts­prüfer ihr Testat für die Bilanz verweigern, sagte der vorläufige Insolvenz­verwalter. Eine Verweigerung eines Testats ist sehr selten und könnte ein Indiz dafür sein, dass Anlegern noch böse Über­raschungen drohen. Bislang hat Prokon keinen voll­ständigen Jahres­abschluss veröffent­licht, sondern nur Entwürfe.

Dieser Artikel ist hilfreich. 27 Nutzer finden das hilfreich.