Die Welt aus den Angeln heben – mit der richtigen Software ist das zumindest auf dem Computerbildschirm kein Problem. Im Test: zehn aktuelle Bildbearbeitungsprogramme.

Wer seine Schnappschüsse im Fotolabor belichten lässt, bekommt meist ordentliche Farbbilder zurück. Fehlbelichtungen werden so weit wie möglich ausgeglichen und Farbstiche zuverlässig beseitigt. Mehr ist da aber selten drin. Wer bessere Bilder haben will, muss selber Hand anlegen. Aufhellen, verdunkeln, retuschieren, kolorieren, integrieren, ausschneiden, mon­tieren – alles ist drin.

Dazu muss niemand mehr in der Dunkelkammer stehen, mit Schere, Farben, Vergrößerer und Chemikalien hantieren. Heutzutage geht das per Computer und einem Bildbearbeitungsprogramm. Oft stammen die Bilder von einer Digitalkamera oder wurden mit einem Scanner in Dateien verwandelt.

Wir haben zehn solcher Bildbearbeitungsprogramme geprüft. Und je nachdem, welche Veränderungen der Nutzer an seinen Bildern verwirklichen will und wie tief er in die Bildbearbeitung einsteigen möchte, gibt es für ihn sehr unterschiedliche Empfehlungen:

Für den Anfänger

Die Programme Microsoft Picture It und Roxio Photo Suite nehmen den Nutzer quasi an die Hand und führen ihn mit den anzuklickenden kleinen Bildchen durch die einzelnen typischen Bildbearbeitungsstufen: Bild drehen beispielsweise oder Farbstich entfernen. Das Programm fordert anhand von Beispielen auf, bestimmte Eingaben zu machen, die wiederum bestimmte Aktionen auslösen. Danach gibt es wieder eine Auswahl an Schaltflächen zum Abschuss der Arbeit. Dieses genau vorgegebene schrittweise Arbeiten ist zwar wenig flexibel, verlangt dem Nutzer aber auch kaum Vorkenntnisse in Sachen Bildverarbeitung ab. Die beiden Programme eignen sich also für Anfänger.

Für den Tüftler

Der ambitionierte Fotoamateur braucht andere Hilfsmittel. Für ihn sind die „klassischen“ Bildbarbeitungsprogramme wie Adobe Photoshop Elements, Corel Draw Essentials, Jasc Paint Shop Pro oder Ulead Systems Photoimpact 8 besser geeignet. Die bieten viele Werkzeuge (zum Beispiel Retuschieren, Ausschneiden, Anpassen), Filter (wie Weichzeichnen, Schär­fen, Strukturieren) oder Spezialeffekte (Verzerren, Solarisieren, Farbgestaltung). Hinzu kommen noch die Standard-Korrekturfunktionen zum Beispiel für Kontrast, Helligkeit, Farbsättigung und -balance. Wer damit umzugehen weiß, kann aus fast jedem Urlaubsschnappschuss ein Meisterfoto machen. Doch setzen solche Programme ein gerüttelt Maß an Vorkenntnissen zur Bildbearbeitung voraus.

Schwachpunkt einiger Programme: die Archivierung der Fotos. Adobe und Corel schlagen praktisch keine Speicherstruktur vor. Da ist der Nutzer auf eigene Ideen und die Möglichkeiten der Win-­dows-Dateiverwaltung oder auf ein eigenes Archivprogramm angewiesen. Jasc hat in sein Paint Shop Pro eine Archivfunktion integriert, die unsere Prüfingenieure aber nicht überzeugte. Deutlich besser stattet da Ulead sein Photoimpact aus. Ein Extraprogramm macht aus dem Computer ein virtuelles Fotoalbum. Beinahe ebenso gut archivieren ArcSofts Photostudio und Roxio Photo Suite.

Die beste Note für die Bildbearbeitung bekam Ulead. Die „Werkzeuge“ sind einfach zu handhaben, die An­zeige ist übersichtlich. Auch die Druckorganisation ist perfekt. Doch das Programm arbeitet langsam, und manche Effekte, zum Beispiel der Weichzeichner, sind in ihrer Wirkung recht schwach. Da hilft nur mehrfach ausführen, was nochmal reichlich Zeit kostet.

Exot für automatisches Bearbeiten

Nicht nur die Beschaffung des Eclipse Paint per Download aus dem Internet stempelt das Programm zu einem Exoten, sondern auch die Programmstruktur. Sein Anwendungsbereich liegt eher im automatischen Bearbeiten gleicher Arbeitsschritte an vielen Bildern. Dazu bietet das Programm eine ausgeklügelte Makroprogrammierung an. Und schon geht alles wie von selbst.

Außerdem ist Eclipse Paint auf die Montage und Retusche von Bildern ausgelegt. Hier bietet es mehr als alle anderen Testprogramme. Dem sind die Standard-Bildbearbeitungsfunktionen deutlich untergeordnet. Für angehende Fotoamateure ist Eclipse Paint somit nicht geeignet. Und noch eins: Wer mit dem Programm umgehen will, braucht umfangreiche Vorkenntnisse zur elektronischen Bildbearbeitung.

Kost nix is nix?

Während die anderen Programme zwischen 30 und 150 Euro kosten, ist das Bildbearbeitungsprogramm Gimp unentgeltlich im Internet zu bekommen. Doch die Leistungen haben uns wenig überzeugt. Das fängt schon damit an, dass sein Handbuch nicht als einzelnes Dokument zu finden ist. Es muss – wie bei freier Software wohl üblich – im Internet zusammengestoppelt werden. Das Programm selbst hat kein übergeordnetes Programmfenster. Es besteht aus mehreren Einzelfenstern für bestimmte Funktionen und Werkzeuge. Und die Menüstrukturen sind recht ungeordnet. Einzelne Bearbeitungsfunktionen laufen sehr langsam, manche gar nicht, wohl wegen einiger Programmierfehler. Standardfunktionen wie „Kratzer entfernen“ fehlen. Möglicherweise existiert irgendwo im Internet ein passendes Zusatzprogramm. Sonst müsste man dem ausgedruckten Bild doch mit Farbe und Pinsel zu Leibe rücken.

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