Schneiden wie ein Profi ist mit den geprüften Videoschnittprogrammen technisch zwar möglich, doch „gut“ erschließt sich für Laien nur eins von elf.

Ungeschnittene Urlaubsfilme sind eine Qual – langatmig, verwackelt, voller Störgeräusche? Dabei scheint es doch so einfach, ein Video am Computer professionell aufzupolieren: Die Szenen werden auf das Nötige beschnitten, in der richtigen Reihenfolge arrangiert, die Live-Atmosphäre durch passende Musik und Kommentare ergänzt und daraus eine DVD mit einzelnen Kapiteln erzeugt – so als käme sie von Sony, Time Warner oder aus den Universal Studios. Das ist der Job eines „Cutters“, der dazu eine Ausbildung und viel Erfahrung braucht. Genau so einen holten wir ins Testlabor, ebenso Laien mit dem Gespür für schön arrangierte Szenen, aber unerfahren im Videoschnitt. Unterm Strich punkten drei Programme mit gutem Funktionsum­fang und vertretbarem Lernaufwand: Die von Adobe, Magix und Pinnacle. Aber nur Adobe Premiere Elements 7 bietet eine rundum gute Benutzerführung.

Nicht immer komplett

Auf Lücken im Funktionsumfang stießen unsere Prüfer allerdings schon im Grundkurs. Der hatte als Ziel einen kompletten Film, angefangen beim Import der Daten über Schnitt und Nachvertonung bis zum Brennen einer DVD. Das muss ein Videoschnittprogramm für den Heimanwender schon leisten, denn nur Profis setzen für jeden Bearbeitungsschritt jeweils andere, hochspezialisierte Software ein. Aber Apple Final Cut, mit 199 Euro das teuerste Programm im Test, und das zum Mac-Betriebssystem gehörende, faktisch kostenlose Apple iMovie ’08 können selber gar keine DVD erzeugen. Apple iMovie ’08 setzt nicht einmal Kapitelmarken, die das Navigieren bei der DVD-Wiedergabe einfach machen. Das kann erst sein Nachfolgeprogramm (siehe „Besonderheit“).

Bildverbesserung

Im Fortgeschrittenenkurs prüften wir dann vor allem die Optionen zur Bildverbesse­rung. Dazu hatten wir beispielsweise absichtlich verwackelte Videoclips gedreht, fehlbelichtete wie auch falschfarbige Aufnahmen produziert. Einige Programme korrigieren solche Fehler automatisch. Aber nur Pinnacle Studio Plus version 12 enttäuschte unsere Erwartungen nicht. Also probierten wir es mit manueller Einstellung. Dabei legte Pinnacle noch mal deutlich zu, aber auch Apple Final Cut Express 4.0, Magix Video deluxe 15 Plus und Sony Vegas Movie Studio Platinum 9.0 korrigierten manchen Bildfehler recht ordentlich. Mit Sonys Schnittprogramm gelingen einige Korrekturen sogar „sehr gut“, doch der Weg dahin ist steinig: Sony hat ein unkonventionelles Bedienkonzept und verabschiedet sich von den im Videoschnitt gängigen Begriffen. Wer beispielsweise einen Untertitel eingeben will, muss die Funktion „Event FX“ nutzen. Da drohen nicht nur dem Laien Verständnisprobleme.

Für Sparfüchse

Videoschnitt ist übrigens zeitraubend. Planen Sie pro Minute fertigen Film eine Stunde Gesamtbearbeitungszeit ein. Zum Glück muss der angehende Cutter in den ersten Film nur diese Zeit, aber kein Geld investieren. Denn zu den Computerbe­triebssys­temen Mac OS und Windows Vista Home Premium gehört jeweils ein Videoschnittprogramm. Sie bieten zumindest alle wesentlichen Grundfunktionen – das ist erst einmal genug, um in die Thematik Videoschnitt hineinzuschnuppern.

Eine ebenso preiswerte Alternative zu Kaufprogrammen könnten die verbreiteten Brennprogramme Nero 9 und Roxio WinOnCD 2009 sein. Beide integrieren ein Modul zum Videoschnitt, das nicht extra bezahlt werden muss. Doch der Sparkurs führt am Ziel vorbei. Der Funktionsumfang der Brennprogramme bezüglich des Videoschnitts ist geringer als bei allen anderen gekauften Programmen, die Bedienung dafür hakelig. Insbesondere bei Nero 9 wurden verschiedene Programmteile zusammengestellt, ohne sie wirklich mit einer einheitlichen Benutzeroberfläche zu verschmelzen. Das nervt den Anwender.

Für Oscar-Aspiranten

Videoschnitt ist nicht eben einfach, denn er hat auch eine künstlerische Seite. Der Filmpreis „Oscar“ wird nicht ohne Grund auch für Drehbuch, Regie, Schnitt, Tonschnitt und visuelle Effekte vergeben. Unser Rat­geber „Videos filmen und bearbeiten“ aus der Reihe PC Konkret gibt wertvolle Tipps für diese künstlerischen Aspekte, wenn auch noch am Beispiel der Vorversionen der jetzt geprüften Schnittprogramme.

Wer nun in die Fußstapfen der Oscar-Preisträger treten will, braucht neben dem Gespür für einen guten Film auch ein leistungsfähiges Videoschnittprogramm. Abgesehen von Adobe Premiere Elements 7 wartet aber keiner der Kandidaten mit einer „guten“ Note für die Bedienung auf. Beispiel Apple Final Cut Express 4.0: Es handelt sich um ein abgespecktes Profiprogramm. Wie Apple iMovie, Sony und die beiden Brennprogramme wird aber die DVD-Produktion, das sogenannte „Authoring“, ausgelagert und muss von anderen Programmen geleistet werden. Das gehört nicht in die Kategorie „einfache Handha­bung“. Handbuch und Hilfefunktion wird der Nutzer öfter mal benötigen, denn diese und andere Funktionen erschließen sich nicht offensichtlich. Der Weg zum fertigen Film ist mitunter frustrierend.

Für HD-Filmer

Auch der Schnitt hochaufgelösten Videomaterials ist wenig zufriedenstellend. Seit Jahren gibt es Digitalcamcorder mit HD-Qualität. Sie liefern die bei größeren Flachbildfernsehern inzwischen übliche Auflösung von 1 920 x 1 080 Bildpunkten. Sie werden synonym nach dem verwendeten Videoformat AVCHD-Camcorder genannt. Das Kürzel Advanced Video Codec High Definition bedeutet etwa „fortgeschrittener Videostandard hoher Qualität“. Doch AVCHD beherrschen die geprüften Schnittprogramme noch immer nur unzulänglich. Sie wandeln die Videoclips des Camcorders deshalb vor der Bearbeitung in das ältere Format Mpeg2 um. So kann genauer und vor allem flott geschnitten werden. Wer hinterher eine DVD brennt, kann damit leben, denn die normale DVD kann die hohe Detailschärfe des HD-Materials ohnehin nicht wiedergeben. Dessen volle Auflösung präsentiert nur die hochauflösende Blu-ray-Disk. Wer sie brennen will, muss das Videomaterial von Mpeg2 in AVCHD umrechnen. Das kostet sehr viel Rechenzeit, selbst auf leistungsfähigen Systemen (verwendete Hardware siehe Ausgewählt, geprüft, bewertet). Und die Formatumwandlung schmälert oft die Bildqualität. Ohnehin klappt sie nur bei sechs Programmen (siehe „Videoexport“ in der Tabelle) – und ein Rechner mit Blu-ray-Brenner ist auch noch nicht alltäglich. Das alles mag in ein, zwei Jahren anders sein, für einen Umstieg auf „High Definition“ ist es heute aber wohl noch etwas zu früh.

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