Zahn­arzt­praxen bieten eine gründliche Zahn­reinigung an. Wird sie fachgerecht durch­geführt? Lesen Sie, worauf es ankommt.

Professionelle Zahn­reinigung Test

Die Mund­höhle lebt. Millionen von Mikroorga­nismen bevölkern Zähne, Zahn­fleisch und Zunge. Ihre Gast­geber, die Menschen, müssen sie durch tägliche Mund­hygiene in Schach halten. Sonst bilden manche Bakterien weiche und harte Beläge (Plaque und Zahn­stein) – die letzt­lich Karies und Parodontitis verursachen.

Doch auch die besten Putzmanöver entfernen nicht alle Beläge, wenn die etwa an schwer zugäng­lichen Backenzähnen sitzen. Daher bieten Zahn­arzt­praxen eine professionelle Reinigung. Dass der Groß­putz Karies und Parodontitis vorbeugt, ist belegt. Dabei kommt meist eine Batterie an Hilfs­mitteln zum Einsatz: zum Beispiel Ultra­schall- und Pulverwasser­strahlgeräte, Metall­haken, Bürsten, Interdentalbürsten, Zahnseide, Polierpasten, Speziallacke.

Tipp: Was eine Profizahn­reinigung für Erwachsene bieten sollte, finden Sie unter Schritt 1 bis 5.

Test in fünf Praxen im Ruhr­gebiet

Kunden sollten den Putz­profis auf die Finger schauen. Das zeigt unsere Stich­proben­unter­suchung. Dabei ließen im Frühling­fünf Tester ihre Zähne in fünf Praxen im Ruhr­gebiet reinigen. Was dabei passierte, haben sie dokumentiert.

Noch zu viele Plaquereste übrig

Vor und nach dem Groß­putz prüften zwei unabhängige Gutachter die Münder aller fünf Tester, vor allem die Menge an Zahn­stein und Plaque. Vier der fünf Behand­lungen brachten dabei vorher vorhandenen Zahn­stein zum Verschwinden.

Doch bei der Plaque sah es düster aus. Zwar gab es nach der Putz­aktion deutlich weniger Plaque, aber immer noch zu viel. Erwartungs­gemäß gegen null gingen die Werte nur bei einem einzigen – ohnehin sehr gepflegten – Gebiss.

Die Plaquereste saßen vor allem in Zahn­zwischenräumen – wen wunderts. Bei keiner einzigen Test­person setzten die Putz­profis Zahnseide, Interdentalbürste oder Ähnliches ein. Noch ein Total­ausfall: Niemand gab ungefragt Zahn­pflegetipps für zuhause. Damit blieben in allen Praxen zwei zentrale Anforderungen unerfüllt.

Mit Pulverwasser­strahlgeräten

Wir entdeckten zwei weitere Probleme: Über­all kamen Pulverwasser­strahlgeräte groß­zügig zum Einsatz, ohne die Notwendig­keit näher zu bestimmen. Das gefährdet womöglich die Zähne. Denn falsch einge­setzte Pulverwasser­strahlgeräte können die Oberflächen und Füllungen aufrauen und so Karies fördern. Und drei „Putz­profis“ fehlte die nötige formale Qualifikation. Im Mund dürfen sich nur speziell ausgebildete Fachleute zu schaffen machen: Zahn­ärzte, Dentalhygieniker, Prophylaxe­assistenten und zahnmedizi­nische Fachhelfer.

Kunden sollten auf Qualität achten

Die Ergeb­nisse beunruhigen. Denn Experten warnen vor unsachgemäßer Durch­führung der Zahn­reinigung. Und es gibt ein Grund­problem: Die genauen Schritte sind in Deutsch­land nicht verbindlich fest­gelegt. Manche Praxen leisten wohl zu wenig, zeigt unser Stich­probentest.

Tipp: Achten Sie bei Ihrer Zahn­reinigung auf Qualität. Lassen Sie sich erklären, was dabei passiert. Kontrollieren Sie, ob alle wichtigen Schritte statt­finden. Färbe­tabletten, etwa aus der Apotheke, zeigen, ob Beläge entfernt wurden. Wichtig zu wissen: Bei und nach dem Groß­putz können Schmerzen und Zahn­fleisch­bluten auftreten. Sie sollten aber inner­halb weniger Tage verschwinden. Falls Sie unzufrieden sind: Sprechen Sie das an. Oder lassen Sie die Zähne das nächste Mal woanders reinigen. Das geht in der Regel unabhängig vom Zahn­arzt­besuch. Sie müssen also nicht Ihre Stamm­praxis wechseln, wenn Sie sich dort sonst gut aufgehoben fühlen.

Einmal im Halb­jahr sinn­voll

Professionelle Zahn­reinigung Test

Wie oft der Groß­putz statt­findet, richtet sich nach dem individuellen Mund­zustand, vor allem dem Risiko für Karies und Parodontitis. Als Richt­wert empfiehlt die Bundes­zahn­ärztekammer pro Halb­jahr eine professionelle Reinigung. Die Kosten – je nach Aufwand etwa 50 bis 150 Euro – zahlen die Kunden meist aus eigener Tasche.

Tipp: Wenn Sie nur für die Zahn­reinigung zum Arzt gehen, entfällt die Praxis­gebühr. Einige gesetzliche und private Krankenkassen sowie Zahn­zusatz­versicherungen zahlen das Extra sogar. Prüfen Sie dazu Ihre Police, telefonieren Sie mit der Versicherung oder nutzen Sie unseren Produktfinder Gesetzliche Krankenkassen. Gesetzlich Versicherte dürfen einmal jähr­lich auf Kassen­kosten Zahn­stein entfernen lassen.

Empfehlens­wert bei Kindern

Professionelle Zahn­reinigung Test

Profi prüfen: Wer kontrollieren will, ob der Profi gut gearbeitet hat, kann Färbe­tabletten kauen. Wo es bunt wird, sitzen noch Beläge.

Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten 6- bis 18-Jährigen zweimal jähr­lich eine Kurz­form der Profizahn­reinigung. Eine Fach­kraft kontrolliert die Mund­hygiene, zeigt Putz­techniken, behandelt die Zähne mit Fluoridlack. Andere Leistungen sind meist selbst zu zahlen – und bei gesunden Zähnen nicht unbe­dingt notwendig.

Tipp: Kinder – und natürlich auch Erwachsene – mit festen Zahn­spangen sollten die Zähne mehr­mals im Jahr kosten­pflichtig professionell reinigen lassen, zum Beispiel beim Kiefer­ortho­päden. Denn das Metall im Mund schafft schwer putz­bare Nischen.

Gesunde Zähne brauchen Heim­arbeit

So wichtig die professionelle Reinigung für die Gesundheit der Zähne auch ist – die Haupt­arbeit findet zuhause statt.

Tipp: Putzen Sie zweimal täglich zwei bis drei Minuten lang mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta die Zähne – jeden Zahn von allen Seiten. Reinigen Sie einmal täglich auch alle Zahn­zwischenräume mit Zahnseide oder mit einer Interdentalbürste. Wem das schwerfällt, der kann auch eine antibakterielle Mund­spüllösung nutzen. Einige wirkten bei unserem letzten Test­gut gegen Plaque, Zahn­fleisch­entzündung und Karies ( www.test.de/Mundspuelungen). Und verwöhnen Sie die Zähne ungefähr einmal wöchentlich mit Fluoridgel. Tipps sollte es auch bei der professionellen Reinigung geben.

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