Produktrückrufe Meldung

Bei Autos am häufigsten vom Rückruf betroffen sind Fahrer eines Renault. Aktuell sorgt indes Hersteller Toyota für Wirbel: Er rief Autos in Serie zurück.

Autos, Lebensmittel, Spielzeug: Kein Tag, an dem Hersteller nicht vor Gefahren ihrer Produkte warnen oder sie zurückrufen. Kunden sollten solche Warnungen ernst nehmen – auch wenn ein Rückruf oft nur Ärger macht und Hersteller keinen Ersatz stellen müssen. test.de informiert.

Aufregung um Toyota-Rückrufe

Stellt ein Hersteller fest, dass sein Produkt gefährlich ist, muss er seine Kunden warnen. Das kann denen manchmal richtig Angst machen. Der Lebensmittelkonzern Unilever rief kürzlich seine Bifi-Würstchen zurück, nachdem ein Kunde in einer Wurst Metallteile entdeckt hatte. Unilever forderte die Käufer über die Medien auf, Würste aus bestimm­ten Produktionsserien wegzuwerfen. Wer die Verpackung einschicke, bekomme Ersatz, versprach das Unternehmen. Für Aufregung sorgt auch Autohersteller Toyota. Er hat gleich mehrere seiner Modelle zurückgerufen, weil aufgrund von Mängeln am Fahrzeug Unfälle zu befürchten waren. Gaspedale klemmten, Fußmatten rutschten, Bremsen versagten. Der Rückruf galt weltweit zehn Millionen Fahrzeugen. In den USA tobt nun ein Streit, ob Toyota die Probleme mit dem Gaspedal nicht schon lange vor der Warnung kannte. Manche machen Toyota sogar für 50 Todesfälle verantwortlich.

Nicht alle Hersteller reagieren sofort

Rückrufe von Lebensmitteln oder Autos sorgen für viel Rummel. Aber Hersteller rufen auch viele andere Produkte zurück in den Laden oder in die Werkstatt. Fahrradlenker könnten sonst brechen, Handy-Akkus überhitzen, Toaster brennen und Rauchmelder werden zurückbeordert, weil sie erst piepen, wenn das Haus in Flammen steht. Sogar rissige Brustimplantate wurden bereits zurückgerufen. Besonders gruselig wird es, wenn Kinder in Gefahr geraten könnten, weil Kindersitze Konstruktionsfehler haben, in Tragetüchern Erstickungsgefahr droht oder plötzlich Holzstücke im Babybrei auftauchen. Nicht auszudenken, was alles geschehen könnte.

Verurteilung wegen Körperverletzung

Von Gesetzes wegen müssen die Firmen ihre Produkte auch nach dem Verkauf ständig beobachten und auf Risiken reagieren. Doch manche Hersteller lassen ihre Pflichten schleifen. Und erkennen sie eine Gefahr, wägen sie erst ab: Wie hoch ist das Risiko, dass etwas passiert? Was kostet ein Rückruf? Wie stark leidet das Image durch den Rückruf? Wie viel müsste die Firma zahlen, wenn sie nichts tut und Unfälle geschehen? Riskieren Hersteller die Gesundheit der Kunden, müssen sie mit einer Strafe rechnen. Das haben vor vielen Jahren Mitarbeiter der Reifenfirma Metzeler erfahren, deren Reifen „Monza Steel“ zu schnell platzte. Einige Mitarbeiter wussten das und schwiegen. Ein Strafgericht verurteilte sie wegen Körperverletzung. Zu einer Haftstrafe verurteilt wurde 1990 auch ein Vertriebsmanager des Konzerns Erdal, der ein Lederspray verkaufte, obwohl er bereits wusste, dass es giftig war.

Rückruf auf vielen Wegen

Weil Firmen manchmal zaudern, dürfen in Deutschland Behörden Rückrufe anordnen, wenn Gefahr droht. Geht es um Fahrzeuge, ist das Kraftfahrt-Bundesamt zuständig. Meist unterstützt das Amt aber nur die Hersteller beim Rückruf. Es stellt die Anschriften der Kfz-Halter zur Verfügung oder schreibt sie für die Firmen an. Die Autohersteller handeln oft auch allein. So hat Porsche gerade selbst mit 11 300 Käufern des Sportwagens Panamera Kontakt aufgenommen, weil die Gurtstraffer Probleme bereiten können. Porsche bezeichnet den Rückruf als „Serviceaktion“. Hersteller anderer Produkte haben es schwerer. Sie kennen ihre Kunden meist nicht und müssen die Medien um Hilfe bitten oder Anzeigen schalten.

Kunden haben wenig Rechte

Die Käufer sollten Warnungen ernst nehmen, auch wenn sie für ihren Ärger vom Hersteller nicht immer einen Ausgleich bekommen. Hat er über die Medien wirkungsvoll vor Gefahren gewarnt, ist er aus dem Schneider. Er muss dann gar nicht zurückrufen und schuldet den Kunden nach Ansicht von Gerichten auch keine Reparatur oder den Austausch der Ware. So sieht es zum Beispiel das Oberlandesgericht Hamm (Az. 8 U 4/06). Bessert ein Hersteller die Ware nach, kann er den Käufer sogar zur Kasse bitten. In Einzelfällen haben es Gerichte zugelassen, dass Hersteller die Reparaturkosten dem Kunden in Rechnung stellen. Auch Garantien helfen wenig. „Die Mobilitätsgarantie, die viele Neuwagen haben, greift nur bei Pannen“, sagt Silvia Schattenkirchner vom ADAC. Muss der Wagen wegen eines Rückrufs in die Werkstatt, können Kunden keinen Ersatzwagen fordern.

Unternehmen fürchten um Image

Doch auch wenn die Käufer wenig Rechte haben, können sie oft viel erreichen, weil die Hersteller um ihr Image fürchten. Häufig bieten sie den Austausch von Ware von sich aus an, so wie Unilever im Bifi-Fall. Bietet der Hersteller keinen Ausgleich an, bleibt nur der Verkäufer. Von ihm können Käufer zurückgerufener Ware die Reparatur oder einen Austausch fordern, wenn die zweijährige Gewährleistung noch läuft und ihr Produkt wirklich einen Mangel hat. Der Verkäufer muss dann auch für alle Aufwendungen aufkommen. Ist es zum Beispiel zu gefährlich, mit dem Wagen noch zur Werkstatt zu fahren, muss sich der Verkäufer darum kümmern. Einen Ersatzwagen muss aber auch er nicht stellen.

Wenn tatsächlich etwas passiert

Kommt der Rückruf zu spät oder gar nicht und geschieht durch einen Produktfehler ein Unfall, ist der Hersteller in der Pflicht. Er muss Schadenersatz und falls nötig Schmerzensgeld zahlen. Kunden können sich auf das Produkthaftungsgesetz stützen, wenn das Produkt nicht älter als zehn Jahre ist. Der Vorteil: Geschieht etwa aufgrund einer defekten Bremse ein Unfall, muss der Autobesitzer nur beweisen, dass sein Wagen defekt war und genau deswegen ein Schaden entstanden ist. Dass der Hersteller schuld war, weil er zum Beispiel die Bremse schlampig montiert hat, muss er nicht beweisen.

Schuld des Herstellers beweisen

Nachteil des Produkthaftungsgesetzes: Der Hersteller muss zwar für alle denkbaren Folgen haften, für die Schäden am fehlerhaften Wagen selbst muss er aber nicht zahlen. Dafür müssten Geschädigte die Schuld des Herstellers beweisen. Das ist schwer. Verkäufer haften nach Unfällen nicht, bis auf wenige Ausnahmen: Verkauft ein Vertragshändler einen Wagen mit einem bekannten Serienfehler und warnt er nicht, dann haftet er doch. Das Oberlandesgericht Düsseldorf verurteilte einen Alfa-Händler, der einen Wagen verkauft hatte, den Alfa wegen Problemen an der Motorhaube zurückgerufen hatte. Der Händler verschwieg, dass er das Auto nicht nachbessern ließ. Als die Motorhaube während der Fahrt abriss, musste er knapp 6 000 Euro Schadenersatz zahlen (Az. 22 U 157/08).

Dieser Artikel ist hilfreich. 489 Nutzer finden das hilfreich.