Nach der ING-Diba und der Deutschen Bank wollen nun auch andere privaten Banken den Beipackzettel für Finanzprodukte einführen. Anleger sollen auf einen Blick sehen, wie ihre Geldanlage funktioniert. Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) hat für seine Mitglieder den Entwurf eines solchen Produktinformationsblatts am Freitag vorgestellt. test.de hat sich die Beipackzettel angeschaut.

Auf Forderungen von Ministerin Aigner reagiert

Mit ihrem Produktinformationsblatt kommen die Banken einer Forderung von Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) nach. Sie hatte bereits im Sommer solche Beipackzettel gefordert und den Banken andernfalls mit einer gesetzlichen Vorschrift gedroht. „Wir glauben, dass wir den Forderungen der Politik mit dem Musterinformationsblatt entsprechen“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des BdB, Hans-Joachim Massenberg. Zum BdB gehören außer der Deutschen Bank zum Beispiel auch die Commerzbank, die Hypovereinsbank und die Postbank. Den Entwurf habe man im Dezember der Ministerin versprochen.

Mitarbeit des Derivateverbands

An dem Musterinformationsblatt des Bankenverbands hat auch der Deutsche Derivateverband (DDV) mitgearbeitet, der die Herausgeber der in der Finanzkrise besonders in die Kritik geratenen Zertifikate vertritt. „Wir bieten den Banken, die das Produktinformationsblatt nutzen, darüber hinaus noch Kennzahlen zum Risiko und zum Rating eines Zertifikats an“, sagt Hartmut Knüppel, geschäftsführender Vorstand des DDV.

Kunden von Sparkassen und Volksbanken brauchen Geduld

Sparkassen- und Volksbankenkunden müssen noch länger auf die Beipackzettel warten. Wie test.de erfahren hat, befasst sich jetzt auch der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) mit dem Thema. Der Bundesverband der Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), arbeitet auch an einem Produktinformationsblatt, sagte eine Sprecherin test.de. Noch im Frühjahr dieses Jahres soll es eingeführt werden.

Einheitlicher Beipackzettel wünschenswert

Wünschenswert ist ein einheitlicher Beipackzettel für alle Bankkunden. „Die Kunden sollten wissen, dass sie unter Punkt 5 immer die Angaben zu den Risiken finden, unter Punkt 6 immer die Angaben zur Rendite“, sagt der Projektleiter bei Finanztest, Bernd Brückmann. Wichtig ist auch, dass die Kosten genau aufgeschlüsselt sind und nicht auf das Preis- und Leistungsverzeichnis verwiesen wird. Der Entwurf des BdB ist ein Schritt in die richtige Richtung. Nun kommt es darauf an, wie die Banken das Musterbeispiel in die Praxis umsetzen.

ING-Diba: Beipackzettel am besten umgesetzt

Von den bisher vorliegenden Beipackzetteln setzt das der ING-Diba die Vorgaben des Verbraucherministeriums am genauesten um. Großer Vorteil: Es ist kurz und knackig. Je mehr die Banken schreiben und je mehr Fachausdrücke sie verwenden, umso schwerer verständlich wird es für die Kunden. Der BdB überlässt es den Banken selbst, wie sie das Musterinformationsblatt umsetzen. Die Deutsche Bank will ihr Produktinformationsblatt weiternutzen. Auch die ING Diba bleibt bei ihrer Version. Bis die Kunden regelmäßig für die konkreten Produkte einen Beipackzettel in die Hand bekommen, kann es noch einige Zeit dauern. „Möglicherweise nicht vor August“, hieß es dazu auf der Pressekonferenz des BdB.

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