Ein Sitzmöbel muss auch Kinder aushalten, die darauf herumklettern. Das hat das Österreichische Landgericht Graz festgestellt. Der Hersteller einer Sitzgarnitur mit klappbaren Elementen haftet demnach ­ zumindest nach österreichischem Recht ­, wenn ein Kleinkind nicht auf die Sitzbank klettern kann, ohne dass der Klappmechanismus ausgelöst wird. Durch das plötzliche Aufschwingen wurde ein Kind beim Klettern auf dem Sofa gegen die Wand geschleudert und verletzt. Da es allgemeine Lebenserfahrung sei, dass Kinder auf Möbelstücken, die zum Sitzen gedacht sind, auch klettern, hätte der Hersteller eine Hochklappsicherung oder eine Sicherheitsverriegelung anbringen müssen, so der Grazer Richter (LG ZRS Graz, Az. 6 R 110/01).

Auf die deutsche Rechtsprechung ist dieses Urteil nicht automatisch übertragbar. Allerdings urteilte auch das Oberlandesgericht (OLG) Hamm im Juli 1976 in einem ähnlichen Fall verbraucherfreundlich. Damals erlitt ein Kind einen doppelten Trümmerbruch im linken Knie ­ mit der Folge der vollständigen Versteifung des Kniegelenks. Ursache des Unfalls war die mangelhafte Befestigung eines Klappbetts, das in eine Schrankwand eingebaut war. Das deutsche OLG verurteilte den Verkäufer zu 25.000 Mark Schmerzensgeld. Dass der Käufer nicht erwähnt hatte, für wen die Möbel bestimmt waren, spielte keine Rolle (Az. 3 U 60/76).

Dieser Artikel ist hilfreich. 357 Nutzer finden das hilfreich.