Privatverkäufe auf Ebay & Co Special

Ob Lieb­haber­stücke, Gebrauchs­gegen­stände oder ungeliebtes Erbe: Online­verkäufe können ein gutes Geschäft sein – vor allem, wenn die Verkäufer dem Finanz­amt nichts vom Erlös abgeben müssen. Doch wer viel auf Ebay verkauft, muss auch die Steuern im Blick behalten. Finanztest gibt fünf Tipps, wie Online­verkäufer Steuerfallen vermeiden können.

Ebay, Rebuy, Momox

Der Kellerraum quillt über: Möbel, die seit dem letzten Umzug nicht mehr benötigt werden, Spielzeug, das den Kindern längst lang­weilig geworden ist, Bücherkisten, die den Weg versperren. Doch wohin damit? Am besten online verkaufen, lautet häufig die Antwort. Diverse Portale von Ebay über Rebuy bis Momox machen es möglich, aus dem Krempel etwas Geld zu machen, ohne dafür über Flohmärkte tingeln zu müssen.

Haus­halts­kasse aufbessern ist meist okay

Wenn die Verkäufer so ihre Haus­halts­kasse aufbessern, ist das Finanz­amt meist außen vor: Verkauft etwa eine Familie die alten Kinder­fahr­räder, Kleidung und Küchens­tühle, zählen diese Geschäfte zur privaten Vermögens­verwaltung und spielen für die Steuer keine Rolle. Das gilt auch, wenn sie zum Beispiel zusätzlich noch ihren Gebraucht­wagen online anbietet. Doch unbe­grenzt lässt das Finanz­amt die Online­geschäfte nicht steuerfrei zu.

Diese zwei Steuerfallen sollten private Verkäufer im Blick behalten

  • Verkauft jemand etwas zu schnell nach dem Kauf mit Gewinn weiter – beispiels­weise Antiquitäten oder Schmuck –, kann es sein, dass er dafür Einkommensteuer zahlen muss.
  • Noch höher kann die Belastung werden, wenn das Finanz­amt einen Anbieter nicht als Privatverkäufer, sondern als gewerb­lichen Händler einstuft. Dann kann neben der Einkommensteuer auch Umsatz­steuer fällig werden (Unser Rat).

Behörden durch­forsten Portale

Die Finanzbehörden unternehmen einiges, um diese gewerb­lichen Händler ausfindig zu machen: Mithilfe der Software Xpider kann das Bundes­zentral­amt für Steuern die Onlineportale durch­forsten. Werden die Behörden dabei auf einen besonders aktiven Verkäufer aufmerk­sam, müssen die Internet­dienst­leister den Fahndern Informationen über ihn geben. Der Bundes­finanzhof hat 2013 entschieden, dass sie auf Anfrage unter anderem die Kontakt- und Bank­daten des Verkäufers sowie eine Liste seiner Verkäufe heraus­geben müssen (BFH, Az. II R 15/12). Doch selbst wenn das Finanz­amt bei den Online­verkäufen mit ins Spiel kommt – die folgenden Tipps helfen, zusätzliche Steuern zu begrenzen oder ganz zu umgehen.

1. Spekulations­frist von einem Jahr im Auge behalten

Wer als privater Verkäufer nur den eigenen Keller oder Dachboden entrümpelt und gebrauchte Sachen verkauft, muss normaler­weise weder Umsatz­steuer noch eine steigende Einkommensteuer fürchten. Die Situation kann sich aber ändern, wenn nicht nur gebrauchte Alltags­gegen­stände verkauft werden: Wer beispiels­weise Antiquitäten oder Schmuck anbietet und mehr heraus­holt, als er selbst ausgegeben hat, muss bei der nächsten Einkommensteuererklärung aufpassen. Denn ein solcher Gewinn ist steuer­pflichtig, wenn zwischen Kauf und Verkauf kein Jahr vergangen ist. Dann müssen Verkäufer den „Spekulations­gewinn“ in der Anlage SO zur Steuererklärung eintragen (Checkliste). Ausnahme: Der Gewinn oder die Gewinne aus mehreren Verkäufen eines Jahres bleiben unter der Frei­grenze von 600 Euro. In dem Fall bleibt der Gewinn steuerfrei und muss nicht abge­rechnet werden. Verkauft ein privater Anbieter erst nach Ablauf der Spekulations­frist von einem Jahr, ist der Gewinn auf jeden Fall steuerfrei – ganz gleich wie hoch er ist. Deshalb kann es sich lohnen, einen geplanten Verkauf bis nach Ablauf dieser Frist aufzuschieben.

2. Fließende Grenzen zu gewerb­lichem Handel einplanen

Nur weil ein Privatverkäufer einmal einen steuer­pflichtigen Spekulations­gewinn erzielt, wird er nicht gleich zum gewerb­lichen Händler, der sich auch um die Umsatz­steuer kümmern muss. Anderer­seits: Wer sich als privater Verkäufer im Netz registriert, kann plötzlich zum gewerb­lichen Anbieter werden – auch wenn er es gar nicht beabsichtigt. „Die Grenzen sind leider fließend“, sagt Steuerberaterin Dr. Stefanie Becker aus Augs­burg. Gewerb­lich ist laut Gesetz jede nach­haltige Tätig­keit, um Einnahmen zu erzielen, – auch dann, wenn die Absicht fehlt, Gewinne zu machen. Den Finanzbehörden und letzt­lich den Finanzge­richten bleibt im Einzel­fall nur die Möglich­keit, den Anbieter anhand mehrerer Kriterien einzustufen. Wichtige Merkmale sind zum Beispiel die Anzahl der Verkäufe oder die Art der angebotenen Ware: Wird häufig Neuware angeboten oder werden regel­mäßig ähnliche Angebote gemacht, spricht das eher für unternehmerisches Handeln. Aber auch die Vermarktung kann ein Kriterium sein: Preist ein Verkäufer seine Ware im Internet offensiv an, stellt zum Beispiel aufwendige Fotos ins Netz oder macht die Angebote gegen Aufpreis besser sicht­bar, sind das Merkmale, die für eine Einstufung als gewerb­licher Händler sprechen.

3. Nicht den Über­blick über Ihre Verkäufe verlieren

Eine konkrete Zahl, bei welchem Umsatz oder ab wie viel Verkäufen ein Anbieter zum gewerb­lichen Händler wird, gibt es aber nicht: „Wenn eine Familie in einem Jahr beispiels­weise 40 Angebote von gebrauchten Gegen­ständen im Internet macht, wird sie im Regelfall keine Probleme mit dem Finanz­amt bekommen“, sagt Steuerberaterin Becker. „Doch bringt der Vater dann beispiels­weise zusätzlich das Inventar aus seinem geerbten Eltern­haus an den Mann, kann es sein, dass das Finanz­amt ihn doch als gewerb­lichen Händler einstuft, gerade wenn sich die Verkäufe über einen längeren Zeitraum ziehen.“ Die Frage nach der Grenze zum Unternehmertum hat in der Vergangenheit häufig die Gerichte beschäftigt. So hat das Land­gericht Berlin eine Frau als Unternehmerin einge­stuft, die inner­halb eines Monats knapp 100 Kinder­kleidungs­stücke verkauft hat (Az. 103 O 75/06). Der Bundes­finanzhof hat 2012 entschieden, dass ein Ehepaar mit rund 1 200 Umsätzen verteilt über mehrere Jahre unternehmerisch gehandelt hat (BFH, Az. V R 2/11). Das Paar hatte eine bunte Palette an Waren angeboten – darunter Puppen, Modell­eisenbahnen, Schreibgeräte und Porzellan. So war es in einzelnen Jahren auf weit mehr als 300 Verkäufe gekommen.

4. Als Privatverkäufer vor allem eigene Stücke verkaufen

Privatverkäufe auf Ebay & Co Special

Oft geerbt, manchmal aus eigenem Bestand: Besitzer alter Kameras können diese auf dem Flohmarkt oder Onlineportalen wie Ebay anbieten.

In einem anderen Fall hat der Bundes­finanzhof ein weiteres Kriterium genannt, um eine Verkäuferin einzustufen: Wenn jemand im Internet Sachen von jemand anderem verkauft, spreche dies eher für eine händ­ler­ähnliche Tätig­keit (BFH, Az. XI R 43/13). In dem Fall hatte eine Frau inner­halb von vier Jahren 140 Pelzmäntel ihrer Schwiegermutter verkauft. Wer hingegen eigene Lieb­haber­stücke, zum Beispiel seine Comic- oder Platten­samm­lung verkauft, muss das Finanz­amt in der Regel nicht fürchten. Der Bundes­finanzhof hat schon 1987 entschieden, dass der Verkauf einer eigenen Samm­lung – damals ging es um Briefmarken und Münzen, die in einem Auktions­haus verkauft wurden – in einem oder auch in mehreren Schritten als „letzter Akt der privaten Sammel­tätig­keit“ einzuordnen sei. Die Umsätze unterlagen nicht der Umsatz­steuer (BFH, Az. X R 23/82, X R 48/82).

5. Umsatz­grenzen beachten, Klein­unternehmer bleiben

Und wenn das Finanz­amt etwa anhand der Anzahl der Verkäufe, der Werbung und der Umsätze doch zu dem Schluss kommt, dass eine unternehmerische Tätig­keit vorliegt? Dann müssen die Verkäufer hinnehmen, dass ihre Einkommensteuer wahr­scheinlich steigt. Denn sobald ein Verkäufer mit seiner gewerb­lichen Tätig­keit in einem Jahr mehr als 410 Euro Einkünfte erzielt, muss er diese in der Einkommensteuererklärung angeben. Je nachdem, wie hoch sein sons­tiges Einkommen ist, steigen so die Steuern. Der Umsatz­steuer können viele gewerb­lich einge­stufte Online­verkäufer aber noch entgehen: Wenn sie sich als „Klein­unternehmer“ beim Finanz­amt führen lassen, müssen sie von ihren Kunden keine Umsatz­steuer erheben und diese nicht ans Finanz­amt weiterleiten. Das ist aber nur möglich, wenn die Umsätze im ersten Jahr voraus­sicht­lich bei höchs­tens 17 500 Euro liegen und in den folgenden Jahren jeweils voraus­sicht­lich nicht mehr als 50 000 Euro betragen. Sobald die tatsäch­lichen Umsätze in einem Jahr mehr als 17 500 Euro betragen, ist man im nächsten Jahr zwingend kein Klein­unternehmer mehr. Diese Grenzen sollten gewerb­liche Anbieter im Blick behalten und ihre Verkäufe zeitlich entsprechend gestalten, wenn sie dauer­haft Klein­unternehmer bleiben wollen.

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