Privathaftpflicht Meldung

Wenn es eine Versicherung gibt, die jeder braucht, dann die private Haftpflicht. Wer schon eine hat, sollte prüfen, ob die Deckung reicht oder ob Erweiterungen nötig sind.

Der Urlaub in Schweden wurde für Maria Andruladt etwas teurer als geplant. An einem netten Abend im Ferienhaus stellte sie das Rotweinglas nicht allzu standsicher und ein wenig zu nah an der Tischkante ab. Das Ergebnis waren ein böser Fleck auf dem Teppichboden und viele kleine Spritzer auf der Polstergarnitur. Ein Fall für die Haftpflichtversicherung?

Keineswegs. „Schäden an gemieteten Gegenständen sind ausgeschlossen“, schrieb ihr der Sachbearbeiter, und hatte recht: Bei vielen Policen schließen die Versicherungsbedingungen bewegliche Mietsachen wie Möbel und Inventar aus – eine Falle, mit der viele Kunden nicht rechnen. Der Teppichboden galt zwar als fester Bestandteil der Wohnung, für den die Versicherung zahlen musste, nicht aber für die Polstergarnitur: Da war die Kundin selbst dran.

Mietschäden mitversichern

Das hätte nicht sein müssen. Denn Mietschäden können mitversichert werden. Und nicht nur die: Auch Schäden durch Kleinkinder oder Computerviren, Unfälle bei Gefälligkeiten wie Nachbarhilfe – in den letzten Jahren haben viele Gesellschaften neue Deckungserweiterungen eingeführt.

Grundsätzlich greift die Haftpflicht, wenn der Kunde anderen einen Schaden zufügt. In so einem Fall ist jeder verpflichtet, Ersatz zu leisten, egal ob er das Malheur grob fahrlässig herbeigeführt hat oder ob es nur ein kleines Versehen war, das jedem mal passieren kann. Im Extremfall kann schon eine kleine Unachtsamkeit in den finanziellen Ruin führen, zum Beispiel wenn jemand als Fußgänger oder Radfahrer nur einen Moment nicht richtig aufpasst.

Nicht ohne Haftpflicht vor die Haustür

Die Haftpflicht ist deshalb eine Versicherung, ohne die eigentlich niemand vor die Haustür gehen sollte. Sie übernimmt den Schaden selbst dann, wenn der Kunde grob fahrlässig war. Lediglich Vorsatz ist ausgeschlossen, zum Beispiel wenn der Versicherte sich auf eine Schlägerei eingelassen hat. Die Versicherung ist aber immer nur für die Schäden da, die der Kunde anderen zufügt. Seinen eigenen Schaden muss er selbst tragen oder anderweitig versichern.

Beispiel: Wenn die Badewanne überläuft, übernimmt die Haftpflichtversicherung den Wasserschaden in der Wohnung des Nachbarn darunter, nicht aber die Schäden in der eigenen Wohnung. Dafür wäre eine Hausratversicherung notwendig.

Auch Ehe- oder Lebenspartner sind in dem Vertrag mitversichert, ebenso die Kinder – in der Regel auch volljährige, ledige Kinder bis zum Ende ihrer Ausbildung, unabhängig vom Wohnort.

Dieser unverzichtbare Grundschutz hat aber entscheidende Ausnahmen. Zum einen reicht bei manchen Altverträgen die Versicherungssumme nicht. Sie sollte mindestens 3 Millionen Euro pauschal sowohl für Personen- als auch für Sachschäden betragen. Deshalb sollten Haushalte, die schon seit Jahren einen Haftpflichtvertrag haben, sich das Kleingedruckte vornehmen. Prüfen Sie dabei auch, ob Deckungserweiterungen erforderlich sind:

Mietsachschäden: Über diese Klausel sind im Regelfall eine oder mehrere gemietete Wohnungen, ein Einfamilienhaus, ein Ferienhaus (auch im Ausland) oder ein Schrebergarten versichert. Das betrifft zum Beispiel Schäden an Badkeramik, Türen oder Fußböden. Bei einigen Anbietern ist auch das Mobiliar inklusive. Auch geliehene Gegenstände können mitversichert werden, etwa wenn man vom Nachbarn den Rasenmäher leiht und beschädigt. Glasschäden bleiben aber meist ausgeschlossen.

Allmählichkeitsschäden: Manche Schäden entstehen langsam, vor allem durch Feuchtigkeit. Wer zum Beispiel in der Mietwohnung aus Versehen ein Wasserrohr anbohrt, sodass Wasser lange Zeit unbemerkt austritt, muss für die Folgen aufkommen.

Forderungsausfall: Nur etwa zwei von drei Deutschen haben eine Privathaftpflichtversicherung. Wer von jemandem geschädigt wird, der weder versichert noch finanzkräftig genug ist, um Ersatz zu leisten, bleibt auf seinen Ansprüchen sitzen. So einen Forderungsausfall kann er aber über die Haftpflichtpolice decken. Dann springt die eigene Versicherung ein. Meist geht das aber erst bei Schäden ab 2 500 Euro.

Kinder: Viele Kunden glauben, eine Privathaftpflicht sei vor allem für Eltern mit kleinen Kindern nötig, weil die alles Mögliche anrichten können. Doch Kinder unter sieben Jahren sind laut Gesetz deliktunfähig. Sie müssen nicht für Schäden geradestehen – und auch nicht die Eltern, es sei denn sie haben ihre Aufsichtspflicht verletzt.ohn fährt auf dem Dreirad neben dem Vater her, macht aber urplötzlich einen Schlenker und schrammt am Auto des Nachbarn entlang. Da bleibt der Nachbar auf den Kosten für die Lackreparatur sitzen. Denn der Vater hatte seinen Sohn die ganze Zeit im Blick und daher seine Aufsichtspflicht erfüllt. Wer den nachbarschaftlichen Frieden retten will, kann eine Haftpflichtpolice wählen, die unabhängig davon zahlt, ob Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt haben.

Gefälligkeiten: Ähnlich ist es, wenn jemand Freunden oder Nachbarn hilft, zum Beispiel im Urlaub die Blumen gießt, Post annimmt oder beim Umzug mit anpackt. Bei solchen Gefälligkeiten gilt meist ein „stillschweigender Haftungsausschluss“, meinen viele Gerichte. Das heißt: Stürzt der Helfer mit der Porzellanvase, muss er keine neue kaufen. Auch die Versicherung muss dann nicht zahlen. Viele Kunden möchten aber unschöne Diskussionen vermeiden. Deshalb können bei einigen Gesellschaften auch solche Schäden versichert werden.

Computer: Die Versicherung trägt Schäden, die der Kunde mit seinem Computer verursacht, zum Beispiel die unbeabsichtigte Übertragung von Softwareviren.
Schlüssel: Der Verlust fremder privater Schlüssel – etwa für die Mietwohnung – kann mitversichert werden, meist aber in der Höhe begrenzt oder mit Selbstbehalt.

Bauvorhaben: Wer baut, sei es eine Garage, einen kleinen Anbau oder Wintergarten, sollte sich unbedingt versichern. Das geht über die private Haftpflicht – oft aber nur bis zu einer Bausumme von 25 000 Euro. Für größere Bauten ist eine separate Bauherrenhaftpflicht nötig. Haften muss man zum Beispiel, wenn Teile vom Dach fallen, die Autos treffen oder gar Menschen. Oder wenn ein Kind in die ungesicherte Baugrube fällt. Das bekannte Schild „Eltern haften für ihre Kinder“ hilft da nicht weiter.

Ausland: Die Privathaftpflichtpolice greift üblicherweise auch im Ausland für mindestens ein Jahr. Innerhalb der EU sollte das mindestens drei Jahre gelten.

Tagesmutter: Mal auf fremde Kinder aufzupassen, ist mitversichert. Nicht aber, wenn man das regelmäßig und langfristig macht und damit auch Geld verdient. Fragen Sie nach einer Deckungserweiterung.

Gewässer: Wenn zum Beispiel beim Streichen des Hauses Verdünnungsmittel ins Grundwasser gelangt, sollte dieser Schaden mitversichert sein.

Heizöl: Lecks im Tank sind meist nur bei oberirdischen Tanks mit maximal 5 000 Litern mitversichert. Ansonsten ist eine separate Gewässerschaden-Haftpflicht nötig.

Tierhüter: Auf Nachbars Hund aufzupassen, kann gefährlich und teuer werden, wenn das Tier sich losreißt und jemanden verletzt. Das sollte über die Privathaftpflichtversicherung abgedeckt sein.

Wichtige Ergänzungen

Für bestimmte Risiken müssen zusätzlich zur Privathaftpflichtversicherung weitere separate Haftpflichtpolicen abgeschlossen werden. Einige besonders wichtige sind:

Tiere: Kleintiere wie Katzen sind in der üblichen Privathaftpflichtpolice mitversichert, nicht aber Pferde oder Hunde. Für sie ist eine Tierhalterhaftpflicht erforderlich.

Wassersport: Wer sich im Urlaub ein Surfbrett leiht und dann einen Schwimmer verletzt, kann in der Regel auf seine Privathaftpflicht vertrauen. Das sollte auch für kleine Motorboote gelten. Für größere ist aber eine separate Wassersportpolice erforderlich.

Vermieter: Sie brauchen eine Haus- und Grundbesitzer-Haftpflichtpolice. Nur das Vermieten einzelner Räume, einer Einliegerwohnung oder einer Ferienimmobilie im Ausland ist bei vielen Anbietern in der Privathaftpflicht mitversichert.

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