Privates WLan Meldung

Christian Solm­ecke

Darf man Freunden, die zu Besuch sind, sein WLan-Pass­wort geben, damit sie gratis ins Internet können? Wenn dabei illegal Inhalte herunter­geladen werden, kann das teuer werden, meint der Kölner Rechts­anwalt Christian Solm­ecke. Im Gespräch mit test.de weist er auf recht­liche Fall­stricke hin, erklärt den Unterschied zwischen Täter- und Störerhaftung, und sagt, ob WLan-Besitzer auch für ungesetzliche Netz­aktivitäten von Ehepart­nern und Kindern haften.

Privatpersonen sollten ihr WLan verschlüsseln

Das Amts­gericht Charlottenburg hat jetzt eine Haftung des WLan-Besitzers abge­lehnt, wenn Fremde in sein offenes Funk­netz eindringen. Muss ich es also gar nicht verschlüsseln?

Doch, das ist sinn­voll. In dem Berliner Fall ging es um Frei­funker: eine Gruppe, die auf eigene Faust ein öffent­liches WLan-Netz aufbauen möchte. Das Gericht sieht sie als Access-Provider. Und da darf keine Verschlüsselung verlangt werden, die das Geschäfts­modell gefährden würde. Für Privatpersonen gilt das aber nicht. Die sollten ihr WLan auf jeden Fall verschlüsseln.

Und wenn sie dann doch ihr Pass­wort verraten, etwa an Besuch, oder Nach­barn gratis mitsurfen lassen?

Das kommt darauf an. Als Täter haften sie nicht, wenn andere illegal etwas über ihren Anschluss herunter­laden. Aber WLan-Besitzer haften als Störer.

Täter zahlt den Schaden­ersatz, Störer die Abmahn­kosten

Macht das einen Unterschied?

Wenn zum Beispiel ein Anwalt eine Abmahnung schickt, weil Musik illegal kopiert wurde, liegt oft eine Rechnung über rund 850 Euro bei. 700 Euro davon sind Schaden­ersatz – dafür haftet der Täter, also nicht der WLan-Betreiber. Er muss als Störer nur für rund 150 Euro Abmahn­kosten einstehen.

Muss man dann denjenigen nennen, der das Pass­wort kannte?

Es reicht zu sagen, dass zum Beispiel Ehefrau und Kinder mitsurfen. Dann kann ein einzelner Täter nicht gefunden werden. Und für Ehepartner oder erwachsene Kinder haftet der WLan-Besitzer nicht einmal als Störer. Auch für minderjäh­rige Kinder haften Eltern nicht. Es reicht, ihnen zu erklären, was nicht erlaubt ist. Das dürfte auch bei Wohn­gemeinschaften so sein.

Wenn Familien­angehörige das WLan mitnutzen

Dann muss der WLan-Besitzer auch die Abmahnung nicht bezahlen?

Richtig. Dann entfällt die Störerhaftung. Wer eine Abmahnung erhält, sollte zum Anwalt gehen und erklären, wenn auch Familien­angehörige das WLan nutzen. Damit gewinnen wir viele Prozesse. Die Anwalts­kosten übrigens trägt dann die Gegen­seite. Aber Freunde oder gar Nach­barn gratis mitsurfen zu lassen, halte ich für riskant.

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