Private Rentenversicherung Meldung

Tina Wieczorek, 29, ließ sich auf das Allianz-Angebot nicht ein.

Die wenig Vertrauen erweckenden Erfahrungen einer jungen Frau, die sich über eine geeignete Altersvorsorge informieren wollte.

Private Altersvorsorge ist wichtig. Aber erst nach gründlicher Information sollte jeder entscheiden, wie er für sein Alter spart. Auf "Berater" in Form von Versicherungsvermittlern ist häufig kein Verlass. Ein Beispiel aus Berlin.

Tina Wieczorek, Mathematikerin, 29 Jahre alt, hat einen besorgten Vater. Er hat für sie gerade eine Unfallversicherung bei der Allianz abgeschlossen. Jetzt legte er seiner Tochter nahe, Geld für eine Zusatzrente im Alter zurückzulegen. Tina ist grundsätzlich einverstanden. Wieczorek Senior vereinbart daraufhin einen Termin mit "seinem" netten, jungen Allianz-Vertreter.

Auch Tina findet den adretten Herrn K. Vertrauen erweckend. Statt sie zu beraten, überreicht er ihr allerdings sofort einen Vorschlag für eine Rentenversicherung. Tina soll nur noch unterschreiben. Vorgesehen ist, dass sie über 36 Jahre hinweg 51 Euro im Monat einzahlt, um mit 65 Jahren über eine garantierte Monatsrente von 155,50 Euro verfügen zu können. Inklusive Überschussbeteiligung wird ihr eine Rente von 606,80 Euro in Aussicht gestellt. Den Rentenbeginn kann sie bis zu fünf Jahre nach hinten verschieben, wie sie der Anlage "Produktinformation" entnimmt.

Gesundheitsprüfung

Etwas irritiert ist Tina, weil sie ihre Ärzte von der Schweigepflicht entbinden soll, damit die Allianz sich über ihren Gesundheitszustand ins Bild setzen kann. Schließlich will sie ja keine Kapitallebensversicherung abschließen, die einen Todesfallschutz einschließt. Bei einer solchen Versicherung will die Gesellschaft berechtigterweise wissen, welche gesundheitlichen Risiken ein Antragsteller mitbringt. Eine Rentenversicherung sichert dagegen ein langes Leben ab. Stirbt ein Versicherter früh, profitiert das Unternehmen.

Tinas Vater, der an dem Vertretergespräch teilnimmt, ist trotzdem von dem Vorschlag des Vertreters begeistert. Er drängt seine Tochter zur Unterschrift. Doch Tina ist zurückhaltend. "Wenn ich eine so langfristige finanzielle Verpflichtung eingehe, muss ich das erst genau prüfen", sagt die Mathematikerin und nimmt die Unterlagen erst mal mit.

Finanztest hat sich das Angebot angesehen und mehrere für Tina ungünstige Vertragsbedingungen entlarvt. Wesentlich: Der Allianz-Vorschlag für eine private Rentenversicherung enthält keine Beitragsrückgewähr während der Ansparphase. Damit verliert Tina bei einer Kündigung einen Anspruch auf Rückerstattung zunächst eines Teils ihrer Einzahlungen. Ungünstig ist der erst mit 65 Jahren vorgesehene Rentenbeginn. Würde Tina schon mit 60 Jahren in Rente gehen, müsste sie noch fünf Jahre auf ihre Zusatzrente warten. Besser als die enthaltene Möglichkeit, den Rentenbeginn bis zum 70. Geburtstag hinauszuschieben, wäre für sie ein variabler Rentenbeginn zwischen 60 und 65 Jahren. Dann spart sie auch 120 Euro, um die die Provision von Herrn K. bei früherem Rentenbeginn sinkt.

Aufschlag für monatliche Zahlung

Tina soll ihre Beiträge monatlich und nicht jährlich zahlen. Jährlich wäre besser, weil sie damit den "Unterjährigkeitszuschlag" von rund 5 Prozent des Beitrags umgeht, den die Gesellschaft bei monatlicher Zahlung ansetzt. Wenig sinnvoll ist die vorgesehene Rentengarantiezeit von fünf Jahren. Tina ist Single. Ob sie mit 65 Jahren einen Partner über eine Rentengarantiezeit vergleichsweise gering absichern will, weiß sie heute nicht. Fest steht nur, dass diese Garantie Rendite kostet und nicht automatisch vereinbart werden sollte. Auch eine echte Schlamperei entpuppte sich noch: Statt der Versicherungsbedingungen für die private Rentenversicherung hatte Herr K. Tina die Bedingungen einer Unfallversicherung ausgehändigt.

Tina konfrontiert den Allianz-Vertreter in einem zweiten Gespräch mit ihrer Kritik. Außerdem fragt sie ihn nach der derzeit auch bei der Allianz diskutierten Absenkung der Überschussbeteiligung, über die sie sich in Finanztest informiert hat. Herr K. hatte beim ersten Gespräch kein Wort darüber verloren. Tina: "Zugegeben hat er nur den Fehler mit der Beitragsrückgewähr. Ansonsten hat er sich rausgeredet. Ich habe den Antrag dann nicht unterschrieben."

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