Der gute Garan­tiezins seiner alten Verträge lässt ihn noch entspannt bleiben – Yoga­lehrer Markus Pfaffelhuber.

Wer heute einen Vertrag abschließt, kann sogar draufzahlen. Kunden mit Altverträgen sind besser dran.

Abschied vom eins­tigen Verkaufs­schlager der Alters­vorsorge in Deutsch­land: Angesichts nied­riger Zinsen sind viele Versicherer aus dem Geschäft der klassischen Lebens− und Renten­versicherung mit ihrer garan­tierten Mindest­verzinsung ausgestiegen. Sie trauen sich offen­bar nicht einmal mehr zu, neuen Kunden den nied­rigen Garan­tiezins von 0,9 Prozent fest zuzu­sagen. Das ist schlecht für diejenigen, die heute plan­bar für eine Alters­rente vorsorgen wollen.

Klassische Renten­versicherung heißt: In der Anspar­phase nimmt der Versicherer dem Kunden das Risiko der Geld­anlage ab und vermehrt seine Einzahlungen, später fließt eine lebens­lange Rente: garan­tierte Zinsen in der Anspar­phase plus eine garan­tierte Rente in der Renten­phase. Bei einer guten Anla­gestrategie kommen noch Über­schüsse oben­drauf.

Markus Pfaffelhuber, der in Zeiten höherer Garan­tiezinsen zwei Renten­verträge abge­schlossen hat, ist besser dran als neue Kunden von heute. Doch auch bei ihm wird gekürzt – bei der Über­schuss­beteiligung.

Große Anbieter wie Talanx, Zurich, Generali und Ergo bieten den klassischen Tarif (Tabelle Anlageerfolg sinkt) gar nicht mehr an. Sie verkaufen Produkte, die in der Anspar­phase nicht mehr auf eine garan­tierte Verzinsung setzen.

Fast 1 800 Euro weniger als einge­zahlt

Wir wollten wissen, womit Kunden rechnen können, die heute eine private Renten­versicherung abschließen. Wir haben alle Versicherer gefragt, ob sie noch klassische Verträge anbieten. Unsere Erhebung zeigt: Sowohl bei Tarifen mit dem derzeitigen Garan­tiezins für Neuverträge als auch bei solchen mit einer nied­rigeren Garantie müssen Kunden sogar damit rechnen, weniger als ihre einge­zahlten Beiträge heraus­zubekommen.

Von 21 geprüften Tarifen mit Kapital­wahl­recht garan­tieren 15 den Beitrags­erhalt nicht für alle drei von uns betrachteten Lauf­zeiten 20, 15 und 12 Jahre. Kapital­wahl­recht heißt: Am Ende der Lauf­zeit entscheidet sich ein Kunde zwischen Kapital oder Rente. 20 Tarife in der Tabelle (Testergebnisse) haben einen Garan­tiezins von 0,9 Prozent. Diesen dürfen Versicherer seit 2017 ihren Neukunden höchs­tens garan­tieren. Deshalb wird er auch Höchst­rechnungs­zins genannt. Der Volks­wohl­bund garan­tiert nur 0,5 Prozent. Unser Modell­kunde zahlt 1 200 Euro Beitrag im Jahr. Bei Vertrags­beginn garan­tiert ihm der Volks­wohl­bund zum Ende der Vertrags­lauf­zeit nach 20 Jahren ein Kapital von nur 22 208 Euro – das sind 1 792 Euro weniger als einge­zahlt wird. Auch für die beiden kürzeren Lauf­zeiten sind die Beiträge nicht garan­tiert.

Dies zeigt: Die Rendite auf die einge­zahlten Beiträge kann durch­aus geringer sein als der Garan­tiezins – und sogar unter 0 Prozent fallen. Denn der Garan­tiezins wird nur auf einen Teil des Beitrags gezahlt, den Spar­anteil. Den anderen Teil zieht der Versicherer für Abschluss− und Verwaltungs­kosten, Hinterbliebenen­schutz und andere womöglich in den Vertrag integrierte Zusatz­leistungen ab.

Hohe Kosten, wenig Garan­tieleistung

Hat ein Versicherer hohe Kosten, kann er bei Vertrags­beginn keine hohe Ablauf­leistung fest zusagen. Vor allem bei Verträgen mit einer kurzen Lauf­zeit ist dies ein Problem. Abschluss­kosten werden meist gleich in den ersten fünf Vertrags­jahren vom Beitrag abge­zogen. Wenn sie bezahlt sind und mehr vom Beitrag fürs Sparen übrig bleibt, sind es bei einer kurzen Vertrags­lauf­zeit nicht mehr viele Jahre, in denen sich die volle Beitrags­kraft auswirkt. Anders ist das bei Verträgen mit längerer Lauf­zeit. Ein Grund, weshalb der Tarif der WWK bei einer Vertrags­lauf­zeit von 20 Jahren garan­tiert ins Plus kommt, bei einer Lauf­zeit von 15 und 12 Jahren aber nicht.

Versicherer, die nicht einmal mehr immer den Beitrags­erhalt garan­tieren können, sind in der Regel auch aus dem Geschäft mit der klassischen Riester-Renten­versicherung ausgestiegen, beispiels­weise die Nürn­berger *. Denn bei dieser staatlich geförderten Alters­vorsorge müssen die Anbieter laut Gesetz garan­tieren, dass wenigs­tens die vom Kunden einge­zahlten Beiträge plus die staatlichen Zulagen bei Renten­beginn da sind und für die Rente zur Verfügung stehen.

Neue Produkte, weniger Sicherheit

Kunden, die heute nach einer privaten Renten­versicherung suchen, stoßen vor allem auf Produkte mit abge­senkten Garan­tien. Sie heißen „Neue Klassik“ und eignen sich anders als die klassische Renten­versicherung nicht als sichere und plan­bare Alters­vorsorge. Höhere Über­schüsse – als Ausgleich für weniger Garan­tien in Aussicht gestellt – sind ungewiss (Test Private Rentenversicherung, Finanztest 10/2016).

Hat der Anbieter hohe Kosten und investiert das Kundengeld schlecht, kommt am Vertrags­ende nichts heraus. Wir schauen uns den Anla­geerfolg in unseren Tests an. Er sinkt von Jahr zu Jahr (Tabelle Anlageerfolg sinkt).

Hohe Garantie, keine Über­schüsse

Markus Pfaffelhuber hat zwei Renten­versicherungen aus den 90er Jahren: Mit der Entwick­lung der Über­schüsse ist er nicht mehr zufrieden.

Markus Pfaffelhuber dachte, alle Kunden eines Versicherers würden bei den Über­schüssen gleich behandelt. Doch er profitiert nicht mehr von den Zins­über­schüssen, die sein Versicherer erwirt­schaftet. Er muss sich mit der garan­tierten Verzinsung zufrieden­geben, die bei seinen 1995 und 1996 abge­schlossenen Verträgen immerhin 4 Prozent beträgt.

Seit 2000 ist sie für Neuverträge stetig gesunken. Pfaffelhubers Vorteil eines hohen Garan­tiezinses müsse daher „über andere Über­schuss­komponenten ausgeglichen“ werden, schrieb ihm sein Versicherer, die Huk-Coburg. „Aus diesem Grund ist seit dem Jahr 2012 der Zins­über­schuss­anteil für beide Verträge weggefallen“.

Die Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin) lehnte eine Beschwerde des 52-jährigen Yoga­lehrers und Heilpraktikers gegen seinen Versicherer ab. Selbst wenn dieser weniger als 4 Prozent Gesamt­verzinsung erreicht, wie die Huk-Coburg, „bleibt Ihr Garan­tiezins gewähr­leistet, sodass Ihr Vertrags­kapital höhere Erträge bringt als das von Versicherungs­nehmern mit nied­rigen Garan­tiezins­sätzen“.

Auch dies zeigt: Kunden sollten nur mit der Garantie planen, nicht mit den Über­schüssen – denn diese können sogar ganz wegfallen.

Besser Allianz-Aktionär als -Kunde?

In Zeiten von Nied­rigzinsen haben die Versicherer gegen­gesteuert und Garan­tien und Über­schüsse gesenkt, zum Beispiel auch Markt­führer Allianz. Bitter für die Kunden.

Ganz anders sieht es für die Aktionäre aus: Die Allianz-Aktie verzeichnete in den vergangenen zwölf Jahren einen Wert­zuwachs von 170 Prozent, die durch­schnitt­liche Rendite lag bei knapp 9 Prozent pro Jahr – wenn auch bei starken Wert­schwankungen.

Kräftig gestiegen sind die Ausgaben der Lebens­versicherer für die Gehälter ihrer Vorstände. In den Geschäfts­berichten der zehn Gesell­schaften mit den höchsten Beitrags­einnahmen sind meist nur die Fixgehälter aufgeführt – ohne aktienbasierte Vergütungen und Pensions­rück­stel­lungen oder Bonuszah­lungen, die die Fixgehälter stark steigern. Bei der Allianz Lebens­versicherung stiegen allein die Ausgaben für die Vorstands­gehälter laut Geschäfts­bericht insgesamt von 3,6 Millionen Euro im Jahr 2013 auf 4,5 Millionen Euro im Jahr 2015, also um 25 Prozent.

Na gut, ein Zuckerl gibt es auch noch für die Versicherungs­kunden: „Jeder Kunde, dessen Leben-Vertrag zehn Jahre besteht, erhält künftig als Belohnung für seine Treue ein Gratulations­schreiben sowie eine Prämie“, heißt es in einer Mitteilung der Allianz an ihre Makler. „Das kann zum Beispiel eine kostenlose Rechts­beratung sein.“

Informationen zu staatlich geförderten und unge­förderten privaten Renten­versicherungen finden Sie in unserem Special Riester im Test und im Test Private Rentenversicherung, Finanztest 10/2016).

* Korrigiert am 28. März 2017

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