Private Rentenversicherung Meldung

Günter Zitzmann entspannt sich gern in freier Natur. Unzufrieden ist er mit seiner fondsgebundenen Rürup-Rentenversicherung. Er weiß nicht, wie viel Rente sie ihm einmal bringen wird.

Die Höhe der Rente hängt nur von wenigen Faktoren ab. Dennoch bleibt sie oft bis zu Rentenbeginn völlig offen.

Günter Zitzmann will wissen, woran er ist. Im Sommer 2005 hat er eine fondsgebundene Rürup-Rentenversicherung beim Deutschen Ring abgeschlossen. Jetzt möchte er erfahren, mit wie viel Rente er im Alter rechnen kann. „So könnte ich ungefähr einschätzen, ob gesetzliche Rente und private Vorsorge zusammen für meine Altersversorgung reichen“, sagt der 46-jährige Bürokaufmann.

Bei einer fondsgebundenen Rentenversicherung ist eine solche Einschätzung jedoch nahezu unmöglich. Denn die Wertentwicklung der Fonds, in die ein Teil des Kundengeldes fließt, ist nicht vorhersehbar. Zudem kann der Rentenfaktor, mit dem die Rente berechnet wird, bis zu Rentenbeginn vom Versicherungsunternehmen noch geändert werden. Ein großer Teil der Anbieter von fondsgebundenen Rentenversicherungen behält sich dies vor, auch der Deutsche Ring. Der Kunde weiß also erst bei Rentenbeginn mit Gewissheit, wie die Rente berechnet wird. Dagegen kennt der Kunde bei einer klassischen Rentenversicherung, also ohne Fondsinvestment, bereits bei Vertragsbeginn immer seine garantierte Rente. Sie kann dann durch Überschüsse noch steigen.

Rentenfaktor bestimmt Rentenhöhe

Der Rentenfaktor ist entscheidend für die Berechnung der Rente. Er gibt an, wie hoch die monatliche Rente pro 10 000 Euro Deckungskapital ist. Bei einem Rentenfaktor von 40 und einem Deckungskapital von 120 000 Euro beträgt die Monatsrente also 480 Euro (siehe „Beispielrechnung“). Je niedriger der Rentenfaktor, desto geringer die Rente. Bei einem Rentenfaktor von 36 gäbe es in unserem Beispiel nur eine Rente von 432 Euro im Monat.

In den Rentenfaktor rechnen die Versicherungsmathematiker die statistische Lebenserwartung der Kunden, die Kosten und die Verzinsung des Guthabens ein. Dies sind die maßgeblichen Rechnungsgrundlagen. Ferner spielt bei der Berechnung eine Rolle, wann die Rente beginnt. Wenn sie schon ab dem 60. Lebensjahr fließen soll, ist der Faktor kleiner, als wenn sie erst ab dem 65. gezahlt wird. Auch wenn der Kunde eine Rentengarantiezeit will, wirkt sich das aus. Vereinbart er zum Beispiel, dass seine Rente nach seinem Tod noch fünf Jahre lang an seine Frau weitergezahlt werden soll, verringert dies die Altersrente.

Lebenserwartung 94 Jahre

Die Versicherungsgesellschaften kalkulieren die Lebenserwartung der Kunden anhand von Sterbetafeln. Je höher die statistische Lebenserwartung, desto mehr Beitrag muss der Kunde für seine gewünschte Rente zahlen. So bekommen Frauen für den gleichen Beitrag eine niedrigere Rente als Männer, weil sie im Durchschnitt länger leben. Nur bei der Riester-Rente sind Unisextarife gesetzlich vorgeschrieben: Hier bekommen Frauen und Männer die gleiche Rente für den gleichen Beitrag.

Die Versicherer rechnen mit einer anderen Lebenserwartung als das Statistische Bundesamt. Das hat für einen 1978 geborenen 30-jährigen Mann laut Generationentafel eine durchschnittliche Lebenserwartung von 83 Jahren ermittelt. Dagegen rechnen die Versicherungsmathematiker, im Fachjargon Aktuare genannt, anhand der aktuellen Sterbetafel der Deutschen Aktuarvereinigung für einen Mann desselben Jahrgangs mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von knapp 94 Jahren.

Diesen großen Unterschied von elf Jahren begründen die Versicherer so: Bei Menschen, die sich für eine Rentenversicherung entscheiden, ist die Lebenserwartung im Durchschnitt höher als bei anderen. „Die Annahme geringerer Werte für die Lebenserwartung, etwa die vom Statistischen Bundesamt für einen anderen Zweck erstellten Annahmen, würde dazu führen, dass die lebenslange Rentenzahlung nicht sicher wäre. Dem Versicherer könnte vorzeitig das Geld ausgehen“, so der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Im Klartext: Nur wenn die Versicherungsgesellschaften mit ihrer Kalkulation die Lebenserwartung ihrer Versicherten systematisch zu hoch ansetzen, ist sichergestellt, dass sie die Versicherungsverträge erfüllen können. So entstehen Risikoüberschüsse. Davon muss der Versicherer mindestens 75 Prozent an die Kunden weitergeben; bis zu 25 Prozent aber kann er als Risikogewinn behalten.

Hohe Kosten drücken Rente

Für den Abschluss und die Verwaltung der Verträge bitten die Versicherer unterschiedlich zur Kasse. Die Kosten schwanken enorm. Je nach Laufzeit des Vertrags und Risiko für den Versicherer fallen Kosten zwischen 3 und 22 Prozent vom Beitrag an. Die Versicherer müssen diese Kosten seit Juli 2008 beim Abschluss einer Rentenversicherung offenlegen. Bis dahin erfuhr der Kunde nichts darüber.

Nur das, was nach dem Abzug der Kosten übrigbleibt, wird angelegt. Hat der Kunde eine fondsgebundene Rentenversicherung, weiß er bis zum Beginn seiner Rente nicht, was aus seinem Guthaben wird.

Bei einer klassischen Rentenversicherung gibt es dagegen einen Garantiezins. Als Zitzmann 2005 seinen Vertrag abschloss, betrug er noch 2,75 Prozent. Inzwischen ist er auf 2,25 Prozent gesunken. Bei einer klassischen Rentenversicherung bleibt der bei Vertragsbeginn geltende Garantiezins während der gesamten Vertragslaufzeit gleich hoch.

Nicht jedoch bei Fondspolicen ohne garantierten Rentenfaktor, wie der von Günter Zitzmann. Sinkt der Garantiezins und steigt die Lebenserwartung, mit der die Deutsche Aktuarvereinigung kalkuliert, kann der Versicherer den Rentenfaktor – und somit die Rente – verringern. Um den Rentenfaktor endgültig festzulegen, kann sich der Deutsche Ring „bis zum Rentenzahlungsbeginn“ Zeit lassen. Auch viele andere Versicherer machen dies so. Wieder andere geben nur eine Teilgarantie. So garantiert die Hannoversche Leben 75 Prozent des bei Vertragsbeginn angegebenen Rentenfaktors.

Günter Zitzmann überlegt nun, seinen Vertrag beitragsfrei zu stellen, und wollte vom Versicherer wissen, wie hoch seine Rente ausfällt. Der Deutsche Ring antwortete: „Eine Hochrechnung der Rente nach Beitragsfreistellung ist leider nicht möglich.“ Erst auf ausdrückliche Nachfrage teilte ihm die Gesellschaft den aktuellen Wert seines Fondsguthabens mit: knapp 804 Euro. In seinen Vertrag eingezahlt hat er seit Vertragsbeginn rund 1 700 Euro. Wenn sich die Aktienmärkte wieder erholen, kann er diesen Verlust zwar wettmachen. Doch dies ist ungewiss.

Nach Rückfrage von Finanztest konnte der Deutsche Ring plötzlich doch eine beitragsfreie Rente mitteilen: Nach Abzug der Stornokosten beträgt der Geldwert des Guthabens zu Rentenbeginn nur noch 479 Euro und die Monatsrente ganze 1,90 Euro, wenn sie mit 60 Jahren beginnt.

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